Borussia Dortmund:Traumtore als Überkompensation

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Dortmunds Stürmer Erling Haaland (re.) setzt zum eingesprungenen Lupfer an und trifft zum 4:2 gegen Union Berlin.

(Foto: Leon Kuegeler/Reuters)

Borussia Dortmund gewinnt binnen neun Tagen auch das dritte bedeutende Spiel - beim 4:2 gegen Union Berlin zeigt sich aber: Ohne Gegentor fühlt sich der BVB offensichtlich nicht wohl.

Von Ulrich Hartmann, Dortmund

In einem Heimspiel mit dem Datum 19.09. würden sich die Spieler von Borussia Dortmund niemals eine Blöße geben wollen. Ohne Punkte entsprechen diese vier Zahlen nämlich dem Gründungsjahr des Klubs. Da ist ein Sieg Ehrensache. Am Sonntagabend gegen Union Berlin nun gaben sich die Borussen zwar wieder mal zwei Blößen, doch ihre Offensivstärke überkompensierte die defensiven Schwächen mal wieder zu einem Spektakel. Der BVB gewann vor 25 000 Zuschauern mit 4:2 (2:0) und wahrte seine Position in der Spitzengruppe. Das könnte dem Trainer Marco Rose genau dann gefallen, wenn sie am nächsten Samstagabend nach Mönchengladbach reisen, zu seinem Ex-Verein, der gerade die Bundesliga-Kellertreppe hinunterstürzt.

"Wir haben es allerdings mal wieder unnötig spannend gemacht mit zwei dummen Gegentoren", kritisierte der Kapitän Marco Reus. Immerhin hatte der BVB bis zur 57. Minute schon mit 3:0 geführt. "Daran müssen wir schleunigst arbeiten; wir müssen erwachsener spielen", forderte Reus. Dass binnen neun Tagen aber alle drei bedeutenden Spiele gewonnen wurden (4:3 bei Bayer Leverkusen, 2:1 bei Besiktas Istanbul, 4:2 gegen Union Berlin), das erfreute Reus letztlich doch.

Mit einer nach dem Sieg bei Besiktas in der Champions League unveränderten Startelf war der BVB ins Spiel gegangen, weil Rose nicht das Gefühl hatte, dass seine Stammformation Erholung benötigt - sondern eher den Aufbau von Automatismen. Dass Taiwo Awoniyi nach 43 Sekunden für Union einschoss, bedeutete nur einen kurzen Schreck, weil schnell klar war, dass es sich um Abseits handelte.

Dieser Verdacht hing neun Minuten später nicht in der Luft, als ein Traumtor des Portugiesen Raphael Guerreiro zu besichtigen war. Der Linksverteidiger, der angesichts des stets offensiven Dortmunder Spiels eher als Flügelstürmer wahrgenommen wird, hatte eine Woche zuvor per Freistoß schon ein Traumtor in Leverkusen erzielt. Aber dieses war noch bemerkenswerter, weil aus dem Spiel heraus. Linker Hand im Berliner Strafraum hoppelte der Ball wadenhoch, als Guerreiro abzog und aus steilem Winkel hoch über den Torwart Andreas Luthe in den Winkel schoss.

Ohne Gegentor fühlen sich die Dortmunder offensichtlich nicht wohl

"Offensiv machen wir's ganz gut", hatte Rose vor dem Anpfiff über die generelle Stärke seines Teams gesagt und sah sich durch Guerreiros Tor früh bestätigt. "Gegen den Ball wollen wir's noch besser machen", hatte Rose auch noch gesagt, doch in dieser Hinsicht gab es keine Entwarnung. "Aufpassen in Zone 2!", hatte Unions Trainer Urs Fischer seinen Spielern eingebläut, aber diese hatten offenbar Furcht vor Ballverlusten in dieser Zone, so dass sie sich zunächst kaum vorwagten.

Die Dortmunder ahnten, dass Treffer-Muster aus dem 4:3-Spektakel in Leverkusen gut zu reproduzieren waren. Also schlug der Rechtsverteidiger Thomas Meunier in der 24. Minute wie beim 1:0 in Leverkusen eine Flanke ins Zentrum, wo Erling Haaland zum 2:0 einköpfelte. Union wirkte, als sei es nach seiner Prag-Reise zum Conference-League-Spiel noch ein bisschen schläfrig. Die zweite Halbzeit eröffnete Union im weitergefassten Areal "Zone 2". Sie wagten sich jetzt aus der Deckung. Mussten sie auch. Aber schnell passierte in der 52. Minute dies: Gegenzug der Dortmunder, Jude Bellingham steil auf Marco Reus seitlichen in den Strafraum, Ball ins Zentrum, dort konnte Abwehrmann Marvin Friedrich nicht mehr ausweichen und schoss das 0:3 per Eigentor.

Ohne Gegentor aber fühlen sich die Dortmunder offensichtlich nicht wohl. Also schenkten sie Union das erste. Eine nette Geste. Weil Axel Witsel dem Berliner Kevin Behrens auf den Fuß trat, durfte Max Kruse in der 57. Minute einen Foulelfmeter zum 1:3 einschießen. Der Treffer gab den Berlinern noch mal einen Schub. Sie brachten die BVB-Defensive plötzlich mehrmals in die Bredouille und kamen durch einen Kopfball von Andreas Voglsammer in der 81. Minute sogar zum 2:3-Anschlusstreffer. Doch zwei Minuten später machte Haaland mit dem 4:2 alles klar. Nach einem langen Ball von Mats Hummels überlupfte er den Torwart Luthe und sicherte so den Sieg.

© SZ/klef/tbr
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