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Trainer Kovac und Favre:Die Probleme mit dem Plan B

FOTOMONTAGE Spannend wie nie der Kampf um die Meisterschaft ist offen wie selten zuvor Niko KOVAC; Favre Kovac Bundesliga Fotomontage

Sind Niko Kovac (links) und Lucien Favre (rechts) am Saisonende noch Trainer ihrer jetzigen Klubs? Das darf bezweifelt werden.

(Foto: imago images / Sven Simon)

Die Alternativen auf dem Trainermarkt sind für Bayern und Dortmund rar - der Name Rangnick klingt allerdings für beide verlockend.

Lucien Favre fand eigentlich alles ganz gut, wie er freundlich in die Kameras erklärte. Gut, das erste Gegentor passte nicht ins Konzept, das zweite fiel zwangsläufig, und dass Inter Mailand obendrein einen Elfmeter verschoss, oh, là, là, war halt Glück. Aber man dürfe gegen eine so große Elf wie Inter schließlich nicht erwarten, "dass man zehn Torchancen bekommt".

Die Wahrheit aber war die, dass Borussia Dortmund nicht nur keine zehn Torchancen hatte, sondern überhaupt keine glasklare in 94 Minuten Gesamtspielzeit. Angriff schien auf Anordnung der sportlichen Leitung aus dem Matchplan gestrichen zu sein. Borussias Trainer hatte eine fast schon gruselige Vorstellung seiner Mannschaft für "ganz okay" erklärt.

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Englische und italienische Sportseiten sind meist voll von kriegerischem Vokabular, von Panzern und Blitzkriegen auf dem Rasen ist da oft zu lesen. Deutschland kann sich glücklich schätzen, diese Art von Humor lange auf dem Index gehabt zu haben. In Mailand aber war beim BVB eine Strategie zu besichtigen, die man als krasses Gegenteil kennzeichnen konnte: der Mailänder Strafraum als entmilitarisierte Zone. Der BVB spielte einen Fußball, zu dem einem folgende Stichwörter einfallen: Angsthasenfußball, reines Warten auf Fehler des Gegners, die Abschaffung des Stürmers.

Gleichauf mit Giganten wie Wolfsburg oder Freiburg

Lucien Favre steht in Dortmund wegen seiner taktischen Generalausrichtung schon länger in Zweifel. Vorige Saison verspielte der BVB einen komfortabel wirkenden Bundesliga-Vorsprung von bis zu neun Punkten und kam am Ende mit zwei Punkten Rückstand auf den FC Bayern ins Ziel. Schon dieser Knick wurde Favre angekreidet. Wer sich im Fußball kleinmacht, der wird eben auch schnell klein. In der laufenden Ligasaison liegt Dortmund mit seinen Titelambitionen zwar nur einen Punkt hinter dem Tabellenführer Mönchengladbach, aber diese fast noch komfortable Situation liegt eher daran, dass sich auch der Titelfavorit FC Bayern derzeit nur im gehobenen Mittelmaß bewegt, auf Schulterhöhe mit Giganten wie dem VfL Wolfsburg oder dem SC Freiburg.

Schon vor der Saison gab es nicht wenige, die prophezeiten, dass zumindest einer von beiden Trainern das Saisonende nicht erreichen würde: Lucien Favre und/oder Niko Kovac. Beide eint das Privileg, die besten deutschen Teams trainieren zu dürfen. Gerade das macht den Job aber auch gefährlich. Kovac gilt immerhin als forsch, Favre aber als Zauderer.

Spätestens nach der Angriffsverweigerung von Mailand werden sie sich in Dortmund nun umso ernsthafter mit einem Plan B beschäftigen. Der Trainermarkt gibt für Bayern und Dortmund allerdings kaum standesgemäße Möglichkeiten her. Kein Wunder, dass man bei der Suche schnell bei Ralf Rangnick landet, der angeblich zurück in die Kabinenluft will, anstatt in klimatisierten Räumen die globalen Fußballaktivitäten des Brausekonzerns Red Bull zu steuern. Man landet auch bei José Mourinho, der im Moment arbeitslos in Londons teuerster Wohngegend sitzt, Deutsch lernt und mit Dortmunds Boss Hans-Joachim Watzke seit Jahren befreundet ist.

Auf den Anruf aus Dortmund braucht Mourinho nicht zu warten

Der Trainer Rangnick wäre für Bayern und Dortmund gleichermaßen verlockend, fachlich trotz seines speziellen Fußballansatzes über praktisch alle Zweifel erhaben, auch als Soforthelfer denkbar. Der zweimalige Champions-League-Sieger Mourinho verbreitet weit mehr Glamour, denkt aber stets ganz groß. Im Moment soll er deshalb beim Jogging in Kensington Gardens eher über seine baldige Wiedereinstellung bei Real Madrid sinnieren. Auf den Anruf aus Dortmund braucht Mourinho nicht zu warten. Mit Watzke spricht er sowieso dauernd.

Mit Rangnick hingegen hat Watzke das letzte Mal telefoniert, als er sich für die unsäglichen Pöbeleien von einigen BVB-Fans gegen den damaligen Leipziger Trainer Rangnick entschuldigte. Immerhin weiß Rangnick aber aus seiner kurzen Zeit als Trainer bei Schalke 04 (2004 bis 2005, 2011), wie rau, aber eben auch herzlich der Ruhrpott sein kann.

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