BVB in der Meisterschaft Unwürdiges Ende einer großen Saison

Enttäuscht und mit Rot vom Platz: Marco Reus.

(Foto: REUTERS)

Der BVB spielt offensiv, mutig, von Talenten geprägt. Aber wie das Revierderby stellvertretend zeigt: Das reicht noch nicht, um Titel zu gewinnen.

Kommentar von Sebastian Fischer

Man muss jetzt also davon ausgehen, dass es das war. Wenn der FC Bayern an diesem Sonntagabend beim Vorletzten 1. FC Nürnberg gewinnt, beträgt der Vorsprung des Tabellenführers auf seinen einzigen Verfolger drei Spiele vor Ende der Bundesligasaison vier Punkte. Dann war die 2:4-Niederlage von Borussia Dortmund im Revierderby gegen Schalke 04 am Samstag das Ende der Dortmunder Hoffnungen auf die Meisterschaft. "Ja klar", hat Trainer Lucien Favre am Samstagabend auf die entsprechende Frage geantwortet. Dann war dieses Spiel also das unwürdige Ende einer sportlich hochwertigen Saison.

Der BVB hat lange großartigen Fußball geboten, das zeigte auch noch mal das Tor zum 1:0, ein Kopfball aus dem Lauf heraus von Mario Götze, vorbereitet von einem genialen Chip Jadon Sanchos in den Strafraum. Zwei von vielen Protagonisten: Sancho, die Neuentdeckung der Saison, hat die Verteidiger der Liga auf fast schon freche Art und Weise veräppelt; Götze, der jahrelang nach seinem Platz suchende WM-Finaltorschütze von 2014, ist in die gehobene Klasse des deutschen Fußballs zurückgekehrt. Das war auch möglich, weil der Klub nach einer sportlich enttäuschenden Saison 2017/2018 den Kader umbaute, damit die Mannschaft wieder spielte, wie sie sich Fußball in Dortmund vorstellen: offensiv, mutig, von jungen Talenten geprägt. Aber das reicht noch nicht, um Titel zu gewinnen.

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Wenn Reus schwach spielte, verlor der BVB

Es waren nicht die 90 Minuten gegen Schalke, in denen Dortmund seine Chance sehr wahrscheinlich verspielt hat, auch nicht ausschließlich das ernüchternde 0:5 in München Anfang des Monats. Der BVB ist in der Rückrundentabelle Fünfter, hinter Leipzig, Frankfurt und Leverkusen. An kalten Abenden in Düsseldorf, Nürnberg und Augsburg ließ Dortmund die entscheidenden Punkte liegen - die Derbyniederlage zeigte allerdings recht anschaulich, warum.

Das 1:1 fiel nach einem Handelfmeter, den Schiedsrichter Felix Zwayer nach Ansicht der Videobilder geben konnte. Entlarvend für Dortmunds Schwächen war dabei weniger die Entstehung, sondern die Kommentierung hinterher. Dass Trainer Lucien Favre aufbrausend und nahezu ausschließlich über die Handspielregel schimpfte, zeigte verständliche Emotionen, aber auch eine gewisse Uneinsichtigkeit, eigene Fehler zu suchen. Bei Ecken, dem Stilmittel jedes technisch unterlegenen Gegners, war der BVB in den vergangenen Wochen zu anfällig, so fiel das 1:2. Das vorentscheidende 1:3 fiel schließlich zwischen zwei berechtigten Platzverweisen für Marco Reus und Marius Wolf. Reus war in 26 Spielen an 26 Toren beteiligt, ein herausragender Wert. Doch auf ihm lastete auch die Verantwortung, es in diesem Jahr, in dem er Deutschlands bester Fußballer ist, irgendwie richten zu müssen. Der BVB verlor viermal und immer dann, wenn Reus ausnahmsweise schwach spielte.

Schon in der vergangenen Saison definierte ein Spiel gegen Schalke Dortmunds Abschneiden, 4:4 nach 4:0, das stand für Naivität und fehlende defensive Absicherung unter Trainer Peter Bosz, was unter dessen Nachfolger Peter Stöger in einer Taktik mündete, die außer Absicherung kaum etwas vorsah. 2:4 zu neunt nach 1:0, das steht nun für eine Mannschaft, der noch Reife fehlt und gegen die es manchmal reichen kann, wenn Huub Stevens seine "Jungens" hinten rein stellt. Blöd für Dortmund ist nun allerdings, dass die Mannschaft des FC Bayern demnächst auch eher besser als schlechter wird, vielleicht jahrelang nicht mehr so angreifbar sein wird wie dieses Jahr. Und das macht eine gute Saison zu einer enttäuschenden.

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