bedeckt München
vgwortpixel

Favre beim BVB:Der BVB - "ein Vintage-Gegner"?

Die schonungsloseste Kritik am Dortmunder Auftritt kam hinterher aber nicht von deutschen Medien, sondern von der italienischen Corriere della Sera. Borussia Dortmund sei "ein Vintage-Gegner, der nach Schemen spielt, die vor 20 Jahren aktuell waren", schrieb die Zeitung.

"Ach, ich weiß gar nicht, ob's am System lag", sagte kurz nach dem Spiel Dortmunds Profifußball-Abteilungsleiter Sebastian Kehl, vermutlich um aufkeimende Kritik an Favres Herangehensweise zu relativieren. Aber seiner Wortwahl mangelte es an Entschiedenheit. Der Sportdirektor Michael Zorc sagte dagegen umso klarer: "Wir hätten deutlich konsequenter und zielstrebiger agieren müssen."

Vor dem Spiel hatte Zorc noch betont, man führe keine Trainerdiskussion, weil man ja froh sei, Favre zu haben, und schließlich habe man in dieser Saison auch erst ein einziges Pflichtspiel verloren. Nach Mailand sind es nun zwei, und auch das ist noch keine katastrophale Bilanz binnen zwölf Pflichtspielen.

Und doch lehren ja gerade Trainer wie Lucien Favre unermüdlich, dass man fußballerische Bewertungen unbedingt ergebnisunabhängig treffen müsse, und orientiert man sich an diesem Maßstab, dann steht Borussia Dortmund trotz tabellarisch akzeptabler Konstellationen in der Bundesliga und der Champions League derzeit eben doch erheblich unter Druck. Das geht auch aus dem Ausblick von Sebastian Kehl auf das Revierderby am kommenden Samstag in Gelsenkirchen hervor. "Wir wissen, was dieses Spiel bedeutet und welche Möglichkeiten es uns bietet, sowohl in der Tabelle als auch für die Emotionen im Umfeld", sagte Kehl in Mailand und verband damit gleich einen unmissverständlichen Appell an die Mannschaft und den Trainer. "Wir brauchen jetzt diesen Push", forderte Kehl.

Und so verstärkt sich vor dem alljährlich als eines der bedeutsamsten Spiele apostrophierten Derby der Druck auf den Trainer Favre nicht mehr nur von außen. Die Geduld, die Favre seiner Mannschaft im Spiel stets predigt, könnte in seinem eigenen Verein schwinden, wenn der BVB nun auch noch im Prestigederby in der 35 Kilometer entfernten Schalker Arena versäumen sollte, sein Spiel wieder selbst in die Hand zu nehmen.

Champions League Merkwürdig blutleer und uninspiriert

BVB in der Champions League

Merkwürdig blutleer und uninspiriert

In Mailand offenbaren sich Schwächen in Dortmunds Spiel und Kader. Trainer Lucien Favre steht gewaltig unter Druck - doch der Schweizer ist mit seiner Elf im Reinen.   Von Felix Meininghaus