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BVB:Fatale Attacke

Marcel Schmelzer liegt nach dem Tritt am Boden.

(Foto: AFP)
  • Dortmund trifft gegen Freiburg das Tor nicht - obwohl der BVB lange in Überzahl spielt.
  • Freiburgs Yoric Ravet foult Marcel Schmelzer ziemlich brutal und sieht nach dem Eingreifen des Video-Schiedsrichters verdient Rot.
  • Schmelzer wurde umgehend in eine Klinik gebracht. Eine Diagnose steht noch aus.

Für den BVB müssten sich Spiele gegen Freiburg eigentlich anfühlen wie ein All-you-can-eat-Buffet beim Chinesen um die Ecke. Ist man erst mal da, kann man sich nehmen, was man will: Zwölf Bundesligaspiele in Serie haben die Dortmunder zuletzt gewonnen, bei der aus Freiburger Sicht deprimierenden Bilanz von 38 zu 5 Toren für die Borussia. Umso erstaunlicher war es, dass die am Samstag keinen weiteren Sieg zustande brachte. Zumal sie auch noch über zwei Drittel der Partie mit einem Mann mehr auf dem Platz war.

Doch die Begegnung zwischen Freiburg und Dortmund endete 0:0. Und das verdientermaßen, schließlich spielte der BVB im kompletten zweiten Durchgang einen uninspirierten Zeitlupenfußball, der selbst einen dezimierten Abstiegskandidaten (Selbsteinschätzung des SC Freiburg) nicht ernsthaft in die Bredouille brachte. "Wenn man eine Stunde lang ein Mann mehr ist, dann muss man gewinnen", gab BVB-Coach Peter Bosz dann auch zu. Und ja, er sei "enttäuscht", dass sein Team nach dem tollen Saisonstart mit drei Siegen ohne Gegentor so abfiel.

Überraschenderweise waren es vor dem Platzverweis die Gastgeber gewesen, die im frühherbstlichen Freiburg hätten in Führung gehen müssen. Nach einer flinken Kombination über Yoric Ravet und Janik Haberer stand Tim Kleindienst frei vor BVB-Keeper Roman Bürki. Doch anstatt den Ball links, rechts, oben oder unten am Schweizer vorbeizulegen, schoss er ihn an (6.). Die Dortmunder Defensive blieb dann auch weiter beschäftigt - bis Schiedsrichter Benjamin Cortus nach einem Foul von Ravet an Marcel Schmelzer ein Signal vom Video-Schiedsrichter bekam, dass der Zweikampf neu bewertet werden müsse. Cortus zeigte dem französischen Debütanten dann die rote Karte (29.). Und tatsächlich war der Platzverweis einer von der Sorte, die sieben von zehn Schiedsrichtern auch in Echtzeit geben würden, und die jeder gerecht finden muss, der sich die Folgen der unabsichtlichen aber fatalen Attacke zu Gemüte führt.

Philipp vergab die einzige gute Chance - abgesehen vom aberkannten Tor

Schmelzer wurde jedenfalls umgehend in eine Klinik gefahren, mit Verdacht auf eine schwerere Verletzung am Sprunggelenk. "Das sieht nicht gut aus", argwöhnte Bosz. Die Diskussion um den Videobeweis dürfte vorerst weitergehen, auch wenn Streich nicht den Stab über die Neuerung brechen wollte: "Wir waren jetzt zwei Mal betroffen, aber alles, was mehr Gerechtigkeit bringen soll, muss man ja begrüßen."

Für den BVB war die Ausgangslage nun eigentlich komfortabel. Mit der fußballerischen Qualität der Westfalen würde es genügen, auf Lücken zu lauern, die sich in Überzahl über kurz oder lang auftun würden. So dachte man zumindest, doch dann präsentierte sich eine BVB-Mannschaft, die es so gemütlich angehen ließ, dass der Sportclub wohl auch mit noch weniger Feldspielern sein Tor hätte sauber halten können.

Philipp vergab in der 64. Minute die erste und letztlich einzige wirklich gute Chance der Borussen. Abgesehen von dem Tor, das die Dortmunder dann doch noch schossen, natürlich. Und dass der wacklige Referee Cortus den aberkennen musste, passte dann wiederum prima zu diesem denkenswerten Nachmittag. Nach einem Duell zwischen dem eingewechselten Niederlechner und Sokratis blieb der Grieche liegen. Das war ein wenig komisch, denn ein Foul war nicht zu erkennen gewesen. Doch der Referee pfiff - derweil der BVB 30 Meter weiter das 1:0 durch Aubameyang erzielte. Doch das galt natürlich nicht, weil diese Tatsachenentschädigung des Referees nun wirklich unumkehrbar war.

"Da hat der Schiri ein bisschen früh gepfiffen", ärgerte sich Bosz. 14 Minuten - und unzählige halbgare Dortmunder Flanken aus dem Halbfeld - später, war dann Schluss und 21 000 Freiburger Fans, die sich in einer gewissen Parteilichkeit auf Cortus eingeschossen hatten, jubelten, als gälte es mehr zu feiern als den ersten Punkt im 13. Bundesligaspiel gegen den BVB. Und das gab es ja auch, wie Streich fand: "Da sieht man, was möglich ist, wenn man bereit ist, immer wieder anzurennen. Wenn du 60 Minuten gegen so ein Topteam zurückliegst und nicht verlierst, ist der Punkt auch verdient."