BVB in der Champions League:Dammbruch in Minute 29

Lesezeit: 3 min

DORTMUND, 03-11-2021 Signal Iduna Park, football, UEFA Champions League, season 2021 / 2022, referee Michael Oliver sho

Früher Verlust: Dortmunds Innenverteidiger Mats Hummels (links) liebt riskante Grätschen, sein Einsteigen gegen Antony war nicht wirklich rot-würdig. Überflüssig war es an der Mittellinie dennoch.

(Foto: Pro Shots/Imago)

Dortmund verliert noch in der ersten Halbzeit Innenverteidiger Mats Hummels durch eine umstrittene rote Karte. In Unterzahl erlebt die Borussia dann ein 1:3 gegen Ajax - das Achtelfinale gerät in akute Gefahr.

Von Ulrich Hartmann, Dortmund

Als Borussia Dortmunds Abwehrchef Mats Hummels am Mittwochabend den Platz verließ, war das Spiel noch längst nicht zu Ende. Unglücklicherweise war noch mehr als eine Stunde zu spielen. Hummels hatte in der 29. Minute mit gestrecktem Bein gegrätscht und die rote Karte gesehen. Solch eine langwierige Unterzahl sollte man sich in der Champions League aber nicht erlauben gegen ein stürmisches Ajax, dem man zwei Wochen zuvor bei ausgeglichener Mannschaftsstärke noch 0:4 unterlegen gewesen war.

Sieben Minuten nach dem Platzverweis gingen die Dortmunder durch einen von Marco Reus verwandelten Elfmeter zwar noch mit 1:0 in Führung (37.), doch länger als bis zur 72. Minute vermochten sie ihren knappen Vorsprung nicht zu verteidigen. Dann glich Dusan Tadic für die Niederländer zum 1:1 aus. Und es kam noch schlimmer: In der 83. Minute und in der Nachspielzeit schossen Sebastien Haller und Davy Klaassen die Gäste aus Amsterdam zum 3:1-Sieg. Dortmunds Einzug ins Achtelfinale ist jetzt in erheblicher Gefahr.

Vor dem Spiel gegen Ajax fliegt Pyrotechnik in Dortmund

Vor dem Duell der Fußballteams hatte es außerhalb des Stadions bereits ein Duell zwischen Ajax-Fans und der deutschen Polizei gegeben. Die Niederländer hatten die prophylaktischen Verbotshinweise in Sachen Pyrotechnik geflissentlich ignoriert und sogar Flaschen auf die Ordnungshüter geworfen. Die Partie war polizeilich als Hochrisikospiel eingeordnet worden. Das war sie aber auch in sportlicher Hinsicht. Nach der höchsten BVB-Champions-League-Niederlage im Hinspiel in Amsterdam war der Dortmunder Durchmarsch in der als machbar eingestuften Vierergruppe schon in Gefahr geraten. Hochbrisant wird in drei Wochen nun das Auswärtsspiel bei Sporting Lissabon.

Weil der Wunderstürmer Erling Haaland wieder ausfiel und auch noch länger fehlt, erhielt ein Stürmer sein Champions-League-Startelf-Debüt, der normalerweise für die BVB-Drittliga-Mannschaft vorgesehen ist: Steffen Tigges, 23, vom Trainer Marco Rose so instruiert: "Tiggi gibt uns vorne Physis."

Physis hatte Rose von der kompletten Mannschaft in Form von mehr Intensität beim Pressing und in den Zweikämpfen gefordert - und bekam sie auch. Der BVB dominierte anfangs und brachte Ajax mehrfach in die Bredouille, nutzte seine Möglichkeiten aber nicht. Als Thorgan Hazard in der 8. Minute nach einem Ausrutscher von Edson Alvarez allein vor dem Torwart Remko Pasveer auftauchte, ließ er sich vom Schlussmann den Ball vom Fuß spitzeln, flankte dann aber direkt ins Zentrum und sah Jude Bellingham am leeren Tor vorbeiköpfeln.

Es kam noch schlimmer. In der 29. Minute grätschte Hummels im Mittelfeld mit gestrecktem Bein nach dem Ajax-Stürmer Antony, traf diesen allerdings nicht mit dem Fuß, sondern räumte ihn mit dem ganzen Körperschwung ab. Der englische Schiedsrichter Michael Oliver zückte sofort Rot - und sein Videoassistent korrigierte nicht. In der 32. Minute ging Hummels kopfschüttelnd vom Feld, in der 34. Minute kam der Innenverteidiger Marin Pongracic für den Angreifer Hazard.

Sieben Minuten nach dem Platzverweis entschied Referee Oliver auf Elfmeter für den BVB: Ajax-Rechtsverteidiger Noussair Mazraoui touchierte Bellingham im Strafraum am Bein. Diesmal fiel das Videostudium zu Gunsten des BVB aus. In der 37. Minute verwandelte Marco Reus den Elfmeter zur 1:0-Halbzeitführung.

Noch vor der Pause machte sich die Unterzahl in Form von riesigen Löchern in der Abwehr bemerkbar. Nach der Pause entstanden diese Löcher nicht mehr so gravierend, weil Dortmund mit einem sehr defensiven 4-4-1 verteidigte. Selten hat man vom BVB solch eine Abwehrschlacht gesehen. "Whatever", stand auf der Mütze, die Haaland auf der Tribüne trug: Wie auch immer!

In der 72. Minute geriet Dortmunds Achtelfinal-Einzug in Gefahr. Pongracic verlängerte per Kopf eine Antony-Flanke zu Tadic am zweiten Pfosten, und der drückte den Ball über die Linie. Sieben Minuten vor Schluss erzielte der frühere Frankfurter Haller per Kopf den Siegtreffer, kurz später der frühere Bremer Klaasen das 3:1. Dortmund trauerte - und Hummels musste das Drama in der Kabine ansehen.

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