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VfB Stuttgart:Champions League von unten

Ozan Kabak

Neu in Stuttgart: Galatasarays Ozan Kabak.

(Foto: dpa)
  • Der VfB Stuttgart muss in der Rückrunde der Bundesliga vieles gutmachen.
  • Der Verkauf von Benjamin Pavard bringt dem Klub Geld, aber was will man damit anstellen?
  • Auch Mario Gomez sucht seine Chancen - ihn braucht der VfB dringend.

Okay, sie haben nicht wirklich dran geglaubt beim VfB, wobei: Weiß man's? Im Stillen haben sie sich jedenfalls ein bisschen amüsiert über diese sehr lässige Nebenabrede, die sie da bei der letzten Vertragsverlängerung in den Vertrag von Benjamin Pavard hineingeschrieben hatten. Im Sommertrainingslager haben sie noch ein paar Witze darüber gemacht, ha, die Bayern werden staunen, wenn wir in der kommenden Saison plötzlich Vierter werden!

Im Falle einer Qualifikation für die Champions League wäre Pavards 35-Millionen-Euro-Ausstiegsklausel ungültig geworden, die Ablösesumme wäre wieder frei verhandelbar gewesen, und die Stuttgarter hätten sagen können: Servus, du FC Bayern, aber sooo billig gibt's unseren Weltmeischder übrigens nicht. Vermutlich hätten die Stuttgarter dann irgendwelche sittenwidrigen Summen aufgerufen, sich anschließend runter handeln lassen, und am Ende hätten sie strahlend die 50 plus X Millionen eingesteckt. Und womöglich hätte der FC Bayern sogar das Gefühl gehabt, noch günstig davon gekommen zu sein - bedenkt man, dass Pavards französischer Weltmeisterabwehrkollege Lucas Hernández gemäß Klausel auf 80 Millionen veranschlagt wird.

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Der Vertragszusatz war eine Art professionelle Spielerei, hineingeschrieben vom Sportvorstand Michael Reschke, der in den vergangenen zwei Jahrzehnten schon sehr, sehr viele Verträge gesehen und verhandelt hat und aus vielen übrigens immer noch auswendig zitieren kann. Reschke, 60, ist ein branchenbekannter Pfiffikus, der in Leverkusen schon Kaderplaner war, als der Begriff noch gar nicht erfunden war. So ein Cleverle (schwäb. für Pfiffikus) weiß natürlich, dass in dieser Branche mit mindestens allem zu rechnen ist, also wollte Reschke dieses Kleingedruckte vorsichtshalber in Pavards Vertrag drin stehen haben, aber wie gesagt: Trotz der herausragenden Rückrunde haben sie beim VfB nicht ernsthaft damit gerechnet, dass sie tatsächlich Vierter werden.

Ein halbes Jahr später wären sie schon froh, wenn sie Vierter von unten wären. "Unser Ziel muss ganz klar Platz 15 sein, das ist in allen Köpfen drin", sagt Reschke an diesem Mittwoch, drei Tage vor dem Heimspiel gegen den FSV Mainz 05.

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Das hätte im Sommer selbst er, der Weitgereiste, nicht für möglich gehalten: dass er im Winter mal so einen Satz würde sagen müssen. Im euphorischen Sommer hat Reschke noch kess gesagt, dass man "mit dem Abstieg nichts zu tun haben" werde, und wenn die Verantwortlichen in ihrem euphorischen Sommer da so in Ruhe beieinander saßen, dann sind ihnen schon ein paar Teams eingefallen, die in der neuen Saison auf jeden Fall hinter ihnen bleiben würden, Mainz etwa, der nächste Gegner, oder der SC Freiburg, der überübernächste. Beide haben nach der Vorrunde übrigens sieben Punkte mehr als der VfB.

Was ist da bloß schief gegangen?

Wenn man nicht zufällig Verantwortlicher beim VfB wäre, könnte man es fast charmant finden, dass dieser Fußball seinen eigenen Kopf hat. Er lässt sich nicht berechnen, nicht mal von Michael Reschke. "In eine Spirale" sei man geraten, meint Reschke, die Spirale begann in der ersten Pokalrunde beim Drittligisten Rostock: Fehler von Holger Badstuber, Niederlage. Dann das erste Punktspiel in Mainz: Fehler von Badstuber, Niederlage. Dann das zweite Punktspiel, Heimspiel gegen einen sehr motivierten FC Bayern: Da brauchte es keinen Fehler von Badstuber, um zu verlieren.