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Bundesliga: Torhüter:Warten auf dem Schwebebalken

Hildebrand, Rensing, Wessels oder Pröll: Weil in der Bundesliga 18 von 18 Stammplätzen besetzt sind, zieht es einst hochgehandelte Torwart-Talente ins Ausland - und das, obwohl sie eigentlich nicht weg wollen.

Die Idee ist bestechend einfach, wahrscheinlich wurde sie auch deshalb noch nicht umgesetzt. Warum gibt es nur einen Torwart? Besser wären doch zwei! Für die Sicherheit, für den Erhalt von Arbeitsplätzen. Immer noch ist der Einsatz eines zusätzlichen Torwarts verboten, schon der Versuch ist strafbar.

Einst Talent, nun ohne Tor: Rensing & Hildebrand

Einst Talent, nun ohne Platz im Tor: Timo Hildebrand und Michael Rensing müssen sich einen neuen Verein suchen.

(Foto: dpa)

Zu beobachten war dies im Viertelfinale der WM zwischen Ghana und Uruguay, in dem der Uruguayer Luis Suárez den Ball im Stile eines Volleyballers auf der Torlinie blockte und sich so verbotswidrig als Zweit-Torhüter in Szene setzte. Die Folge: Platzverweis, Elfmeter sowie die Bestätigung der Erkenntnis, dass ein talentierter Torhüter auf Vereinssuche vorsichtig und klug sein muss. Denn die Planstellen zwischen den Pfosten sind knapp und meist langfristig besetzt.

Das Doppelspiel beim HSV

Michael Rensing ist so ein talentierter Torhüter auf Vereinssuche, in seiner Bewerbungsmappe stehen die Prädikate "U21-Nationaltorhüter", "Champions-League-Teilnehmer" und "Nachfolger von Oliver Kahn", als Fußnote ist die Degradierung zum Ersatztorwart beim FC Bayern vermerkt. Nun hat sich Rensing umgesehen in der Bundesliga und feststellen müssen, dass von den 18 Stammtorhüter-Stellen 18 besetzt sind - manche gar doppelt wie beim Hamburger SV, wo Frank Rost und Jaroslav Drobny wohl erst kurz vor dem Liga-Start gegen Schalke erfahren, wer spielen darf.

Beim HSV hatten die Verantwortlichen vielleicht gehofft, Rost würde aufgrund der Verpflichtung Drobnys zu RB Salzburg flüchten, wo der ehemalige HSV-Sportchef Dietmar Beiersdorfer die Geschäfte führt. Doch Salzburg verpflichtete den 31-jährigen Gerhard Tremmel von Energie Cottbus, und in Hamburg sieht es derzeit so aus, als müsste Drobny auf die Ersatzbank und nicht Rost.

Einen Zweikampf ums Tor bei einem Bundesligisten will sich Rensing nicht antun, nachdem er erst jahrelang warten musste, bis Oliver Kahn seine Karriere beendete und dann doch nur der Stellvertreter von Jörg Butt wurde. Rensing ist 26, er muss endlich spielen -, und weil das in der Bundesliga schwer möglich ist, zieht er wohl um ins Ausland.

Rensing ist nicht der einzige einst hochgelobte Torhüter, für den kein Platz mehr in der Bundesliga zu sein scheint. Timo Hildebrand weilt derzeit zwar in Stuttgart, doch nicht auf dem Trainingsgelände des VfB. Er hält sich im Kunstturnforum fit, er absolviert Bocksprünge, balanciert auf dem Schwebebalken - und wartet auf Angebote. In seiner Bewerbungsmappe stehen die Begriffe "U21-Nationaltorhüter", "Sommermärchen-Teilnehmer" und "Nachfolger von Oliver Kahn", Fußnote ist der Verzicht von 1899 Hoffenheim auf eine Vertragsverlängerung nach der vergangenen Saison. Der Erstligist setzt jetzt auf Tom Starke vom Zweitligisten MSV Duisburg. Martin Stopper, Hildebrands Berater, hat aber schon eine Perspektive im Auge: "Er ist scharf darauf, sich im englischen Spiel zu beweisen. Er ist bereit für ein Engagement in der Premier League."

Hildebrand wurde in den vergangenen Wochen mit ungefähr 386 Vereinen in Verbindung gebracht, unter anderem mit Celtic Glasgow. Die Schotten erwogen eine Verpflichtung entweder von Hildebrand oder von David James, der den Beinamen "Calamity" trägt, die Katastrophe. Es muss für Hildebrand eine skurrile Situation gewesen sein, mit dem 39-jährigen James um einen Vertrag zu konkurrieren - noch skurriler muss ihm vorgekommen sein, dass Celtic absagte, obwohl sich James für den englischen Zweitligisten Bristol City entschied.

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