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Bundesliga: St. Pauli - HSV:Nur die rosa Röckchen fehlen

Nach wochenlangen Freundlichkeiten trennen sich St. Pauli und der Hamburger SV im Stadtderby 1:1. Während des Spiels gibt es nur 15 interessante Minuten, doch nach dem Abpfiff sorgt HSV-Torwart Frank Rost für Aufregung.

Der Torwart Frank Rost hatte ein dickes Pflaster über dem Knie, und als Erklärung machte das Wort "Fleischwunde" die Runde. Klingt unappetitlich, ist es auch, aber Rost hat sich natürlich trotzdem nicht auf die Bank setzen lassen am Sonntagnachmittag. Für den Keeper des Hamburger SV war es das 400. Bundesligaspiel, und noch dazu war es eine Konstellation, die es schon lange nicht mehr gegeben hatte an der Elbe, zuletzt im April 2002: der HSV zu Gast bei St. Pauli. Da muss man dabei sein, Knieblessur hin oder her. Gelohnt hat es sich dann aber nur bedingt: Der große HSV mit dem internationalen Anspruch musste sich beim kleinen Stadtrivalen mit einem 1:1 begnügen. Und Rost kam das Spiel vor wie "Ringelpiez mit Anfassen - es hat nur noch gefehlt, dass wir in rosa Röckchen auflaufen".

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Alle wollten dabei sein am Sonntag im Millerntor-Stadion, mehr als hinein passten, das war zunächst das Problem. Die HSV-Anhänger durften erst so spät in ihren Block, dass es beim Drängeln Verletzte gab. Abgesehen von dieser Organisations-Panne war die Atmosphäre zwar gewohnt leidenschaftlich auf St. Pauli, aber friedlich. Die Öffentlichkeitsarbeit beider Vereine war in den vergangenen Tagen, grob verkürzt, eine Keine-Fleischwunden-Strategie gewesen, alles, was irgendwie als Deeskalations-Signal durchgehen konnte, wurde versucht.

Gemeinsames Kickern der Sportdirektoren, gegenseitige Besuche beteiligter Spieler, und anstatt der üblichen Sticheleien - die sich angesichts der Mentalitätsunterschiede beider Klubs ja geradezu aufdrängen - Freundlichkeiten, Freundlichkeiten, Freundlichkeiten. Die Grundstimmung in der Stadt war schließlich schon angespannt genug, nachdem vor knapp vier Wochen 20 HSV-Hooligans nachts auf einem Bahnhof eine Gruppe St.-Pauli-Fans zusammengeschlagen hatten.

Das Resultat dieses lang ersehnten Derbys, diesen Eindruck hatte man im Vorfeld gewinnen können, war diesmal fast schon nebensächlich. Aber für die Spieler galt der über Tage vorgelebte Nichtangriffspakt dann doch nur bis zum Anpfiff - der HSV-Linksverteidiger Marcell Jansen war der Erste, der das verdeutlichte. Die Hells Bells waren gerade erst verklungen, da war Jansen schon drei Mal vielversprechend bis zur Torauslinie durchgestochen, was meistens gefährlicher ist für die gegnerischen Abwehrspieler als die üblichen Halbfeldflanken.

Doch keine seiner Hereingaben erreichte den Niederländer Ruud van Nistelrooy, der beim HSV dafür vorgesehen ist, Hereingaben in Tore zu verwandeln. Auf der anderen Seite scheiterte Fabian Boll mit einem Weitschuss (8. Minute), und drei Minuten später bekam dann auch Frank Rost eine Aufgabe: Er klatschte einen Kopfball von Rouwen Hennings aus der Gefahrenzone, ehe der sich ins HSV-Tor senken konnte.

Die ersten Unfreundlichkeiten mischten sich nach einer guten halben Stunde ins Spiel: Da hatte St. Paulis Bastian Oczipka beim Ball-Wegschlagen mit seiner Schulter David Jarolims Kopf erwischt. Dafür gab es gelb (33.), ebenso wie für die Schubserei, die Paolo Guerrero anschließend anzettelte.

Überraschende Position für Guerrero

Der Peruaner Guerrero, gelernter Stürmer, war vom HSV-Trainer Armin Veh überraschend im Mittelfeld aufgeboten worden, nach einer guten Stunde ersetzte ihn Mladen Petric. Der Wechsel war auch ein Eingeständnis, dass es dem HSV in diesem Spiel doch merklich an Offensivgeist fehlte. Van Nistelrooy, der ein eiskalter Vollstrecker sein kann, wenn er entsprechend eingesetzt wird, war damit beschäftigt, den Ball selbst nach vorne zu transportieren, wo dann ein eiskalter Vollstrecker fehlte. Die beste HSV-Chance vor der Pause hatte Joris Mathijsen. Matthijsen nach einem Freistoß, Mathijsen der Innenverteidiger. "Hier will keiner verlieren", analysierte Michael Oenning, der Co-Trainer des HSV.

St. Pauli wollte am Ende dann aber doch ein bisschen mehr: gewinnen. Anfangs wirkten die Vorstöße der Gastgeber noch wie Entlastungsangriffe. Aber spätestens als der heranstürmende Deniz Naki (64.) im letzten Moment von Frank Rost gestoppt werden konnte, hätte der HSV gewarnt sein müssen. Es folgte ein Distanzschuss von Carsten Rothenbach (75.), der nur wenige Zentimeter am HSV-Tor vorbeistrich. Dann legte der eingewechselte Gerald Asamoah den Ball am Strafraum quer zu Fabian Boll, und dessen Schuss zum 1:0 hätte Frank Rost wohl auch ohne Fleischwunde nicht zu fassen bekommen (77). Doch dann zeigte der HSV eine Viertelstunde lang, was er zuvor schuldig geblieben war. Packenden Angriffsfußball. Mit einem herrlichen Weitschuss erzielte Petric noch das 1:1.

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