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Schalke 04:Steil bergab

FC Schalke 04 - Bayer Leverkusen

Niemand rettet ihn, auch der Schiedsrichter nicht: Malick Thiaw nach seinem Eigentor zum 0:1.

(Foto: dpa)

Ein Eigentor, ein vergebener Elfmeter, ein läppischer Fehlpass vor dem 0:3 - Schalke verhilft Leverkusen zu einem gemütlichen Sonntagssieg.

Von Philipp Selldorf

Zumindest ein Schalker hat am Sonntagabend nach dem Spiel gegen Bayer Leverkusen den Respekt und die Gratulationen von Freund und Gegner empfangen. Michael Langer, der zweite Ersatztorwart, war bei seinem Debüt nach drei Jahren Zugehörigkeit zum Schalker Kader gleich der beste Spieler des Teams. Aber ein Trost war das nicht für die leidgeplagten Gelsenkirchener. Langer hatte lediglich Schlimmeres verhindert, die Niederlage gegen den Favoriten fiel mit 0:3 dennoch deutlich aus. Das Resultat gab das Spielgeschehen wieder, auch wenn Schalke beim Stand von 0:2 einen Elfmeter vergab. Bayer 04 bewältigte die Aufgabe beim Tabellenletzten souverän und gekonnt und nutzte damit als neuer Zweiter die Gunst des Spieltags, an dem sämtliche Konkurrenten nicht hatten gewinnen können. Für Schalke war diese Niederlage keine Überraschung, aber auch keine hoffnungsvolle Einstimmung auf die nächsten Wochen, in denen sie gegen weniger starke Gegner allmählich anfangen müssen zu punkten. Wie schwer die schwarze Serie - 26 Spiele ohne Sieg - auf ihnen lastet, das war jederzeit spür- und sichtbar.

Dreieinhalb Jahre hatte Langer, 35, kein Punktspiel mehr bestritten, seinen letzten Einsatz absolvierte er in der schwedischen Allsvenskan für IFK Norrköping gegen Elfsborg, am Sonntag gab er im Tor der Schalker das unverhoffte Comeback. Der dritte Torwart der Königsblauen verdankte sein Glück den Verletzungen des zuletzt starken Frederik Rönnow sowie von Ralf Fährmann, kurzfristig hatte sich auch noch der Stammverteidiger Matija Nastasic mit einer Grippe abgemeldet, dafür konnten Ozan Kabak und Bastian Oczipka wieder mitwirken. Auch bei Bayer gab es einen kurzfristigen Ausfall: Kerem Demirbay musste sich in Quarantäne begeben.

Die Voraussetzungen waren klar: Auf der einen Seite der chronisch sieglose Tabellenletzte, auf der anderen die Unbesiegten, die zuletzt trotz Akkord-Betrieb den Eindruck von Unbesiegbaren machten. Auf den ersten Metern hielten die Schalker mit und näherten sich nach einem Vorstoß über Raman und Steven Skrzybski aussichtsreich dem Leverkusener Tor, doch Daley Sinkgraven ging gerade noch dazwischen. In der zehnten Minute war es mit der Illusion eines offenen Spiels vorbei. Eine Leverkusener Ecke beförderte Malik Thiaw ins eigene Tor. Bayer-Verteidiger Aleksandar Dragovic hatte ihn dabei zwar merklich geschoben, aber nach Ansicht der vereinigten Schiedsrichterschaft nicht ausreichend, um es zu ahnden.

Gleich nach dem Anstoß wäre beinahe das 0:2 gefolgt - Langer rettete gegen den allein davongelaufenen Leon Bailey. Die nächsten Minuten gerieten dann nicht zum Vergnügen für die Gastgeber, Bayer belagerte die Schalker in ihrem eigenen Strafraum, der nächste Treffer kündigte sich tendenziell bei jedem Angriff an - fiel aber nicht. Leverkusen ließ den Ball mit faszinierender Geschwindigkeit und Gewissheit laufen, ließ aber auch die Chancen großzügig ungenutzt und den Gegner allmählich wieder zur Besinnung kommen. Der spielerischen Überlegenheit des Gegners hatten die Schalker aber weiterhin nicht mehr als ehrliches Bemühen entgegenzusetzen. Ein unstrittiges Abseitstor von Boujellab blieb der Höhepunkt ihrer offensiven Anstrengungen. In Skrzybski und Raman hatte der unentwegte Spielmacher Mark Uth keine adäquaten Mitspieler.

In der zweiten Hälfte wehrten sich die Schalker zwar etwas wirkungsvoller, die besseren Chancen blieben aber weiterhin Bayer vorbehalten. Es herrschte immer noch ein Klassenunterschied. Nach einer Ecke besorgte Baumgartlinger mit Kopf und Schulter das Leverkusener 2:0. Das hätte aber nicht das Ende sein müssen, wenn Skrzybski den Elfmeter verwandelt hätte (72.). Doch Hradecky hielt den schwachen Schuss. Kurz danach leistete sich Skrzybski einen läppischen Fehlpass, Patrick Schick setzte den fälligen Schlusspunkt.

Später hielten sich einige Schalker an dem umstrittenen ersten Tor auf. "Mir schreiben vier Verantwortliche von anderen Vereinen, dass es eine Frechheit ist, dieses Tor zu geben", schimpfte Sportvorstand Jochen Schneider. Thiaw selbst sah hingegen keinen Muss-Pfiff. Trainer Manuel Baum erklärte: "Wir sind so sauer auf uns, dass wir es im Moment einfach nicht hinkriegen, das, was wir an Energie und Leistung aufwenden, in Punkte ummünzen", wetterte er. Ungeschminkt schimpfte Thiaw: "Es ist für uns alle scheiße, egal ob jung oder alt. Wir haben die Situation jetzt schon länger", sagte er mit harten Worten. Aufgeben aber kommt für ihn nicht in Frage. "Jetzt müssen wir einfach Männer sein und Eier haben. Jetzt müssen wir punkten - jetzt oder nie", fügte der Finne mit Blick auf die kommenden Spiele an.

© SZ/ska
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