Mönchengladbach gegen Dortmund:"Ich habe mich nicht getraut, ihn anzurufen"

SOCCER BL RBS vs Sturm SALZBURG AUSTRIA 14 APR 19 SOCCER tipico Bundesliga championship grou

Kurz gemeinsam bei RB Salzburg, jetzt Gegner bei Borussia gegen Borussia: Gladbachs Trainer Rose und BVB-Stürmer Erling Haaland.

(Foto: Mathias Mandl/imago)

Von Ulrich Hartmann, Mönchengladbach

Es ist 14 Monate her, dass Marco Rose den Stürmer Erling Haaland in seine Mannschaft bekam. Im Januar 2019 war Rose Trainer von RB Salzburg, und Haaland wechselte von Molde FK aus Norwegen dorthin. Haaland ist jener Stürmer, der dann als erster Fußballer der Champions-League-Historie in seinen ersten drei Spielen sechs Tore schoss - sowie als erster Fußballer der Bundesliga-Geschichte in seinen ersten beiden Spielen fünf Tore. Er gilt als Katapultstarter, aber unter Rose in Salzburg hat er kaum gespielt. Fünf Kurzeinsätze, 150 Spielminuten und ein mageres Törchen gegen Linz - mehr war da nicht. "Das erste halbe Jahr war nicht so einfach für ihn", erklärte Rose, selbst ein Katapultstarter der Trainerzunft: "Er hat ein paar Wochen gebraucht, um die Spielweise zu adaptieren."

Haaland hat die Spielweise dann recht gut und recht schnell adaptiert, wovon in Salzburg zunächst Roses Nachfolger Jesse Marsch profitiert hat und nach dem Wintertransfer zu Borussia Dortmund der Trainer Lucien Favre. Im Topspiel bei Borussia Mönchengladbach kann Haaland an diesem Samstagabend seinem früheren Trainer nun erstmals im direkten Duell demonstrieren, wie gut er geworden ist. Er wisse doch am besten, wie man diesen Haaland ausschalte, ist Rose jetzt gefragt worden. Rose antwortete, man unterbinde idealerweise bereits jene vorbereitenden Spielzüge, an deren Ende Haaland "meist nur noch seinen Fuß reinhalten muss".

Natürlich wurde Marco Rose auch gefragt, warum er Haaland im vorigen Sommer nicht einfach aus Salzburg mitgebracht hat, aber darauf reagierte der Trainer, als habe man ihn gerade nach dem ersten intergalaktischen Spielertransfer in der Geschichte der Milchstraße gefragt. Ein von Weltklubs umgarntes Jahrhunderttalent an den Niederrhein lotsen zu wollen, erschien Rose absurd, und so antwortete er entwaffnend: "Ich habe mich nicht getraut, ihn anzurufen."

Hätte Rose im Sommer alle verheißungsvollen Salzburger Fußballer nach Mönchengladbach mitgenommen (Haaland/20 Millionen Euro Ablöse, Munas Dabbur/17, Xaver Schlager/15, Hannes Wolf/12, Diadie Samassékou/12, Marin Pongracic/10, Takumi Minamino/8,5), dann wäre die Borussia jetzt klamm. Die Gehälter sowie die internationalen Ambitionen bei jenen Vereinen, zu denen diese Salzburger letztlich gewechselt sind, trennen Gladbach nach wie vor von vielen der europäischen Spitzenklubs. Manager Max Eberl betont zwar, dass man in Dortmund in der Hinrunde beim 0:1 in der Bundesliga sowie beim 1:2 im Pokal zwei Mal "auf Augenhöhe" mitgehalten habe, dass man aber grundsätzlich von Klubs wie Bayern München, RB Leipzig und Dortmund noch "meilenweit" entfernt sei.

Gladbach beweist gutes Gespür für Stürmer

Diese Selbsteinschätzung könnten intime Kenner der Bundesliga-Tabelle für Understatement halten, bedenkt man, dass Gladbach die Dortmunder mit zwei Heimsiegen am Samstag und Mittwoch (Nachholspiel gegen den 1. FC Köln) auf vier Punkte distanzieren, also hinter sich lassen könnte. Allerdings lauern hinter Münchnern, Leipzigern, Dortmundern und Gladbachern als Fünfter auch noch die vitalen Leverkusener auf einen der vier Champions-League-Startplätze fürs kommende Spieljahr. "Wir spielen bislang eine sehr, sehr gute Saison", sagt Sportchef Eberl, obwohl Trainer Rose im Sommer doch bloß Rechtsverteidiger Stefan Lainer aus der Talentschmiede Salzburg importierte. Allerdings hatten Eberl und Rose im Angriff - auch ohne den Anruf bei Haaland zu wagen - ein gutes Gespür, jedenfalls sind ihre vier Stürmer an fast allen Gladbacher Bundesliga-Treffern beteiligt.

Alassane Plea, Marcus Thuram, Breel Embolo und Patrick Herrmann haben zusammen 25 Treffer geschossen und 23 vorbereitet. Mit 46 Toren erzielte die Borussia die viertmeisten Tore der Liga. Das wird gegen Dortmund insofern spannend, als die in der Startphase der Saison noch sehr flatterhaften Gäste seit drei Ligaspielen (oder exakt 278 Minuten) kein Gegentor mehr zugelassen haben. Auch für die Dortmunder ist das Duell der Start in wegweisende Tage, denn sie spielen am Mittwoch mit einem 2:1-Vorsprung aus dem Hinspiel bei Paris St. Germain um den Einzug ins Viertelfinale der Champions League.

Gladbach bleibt in jeder Hinsicht vorsichtig

In den Europapokal möchten auch die Gladbacher zurückkehren, und sie stellen ihren Fans das auch zeitnah in Aussicht. Dies geht jedenfalls aus einem Angebot hervor, das sie ihren Fans aus dem angrenzenden Kreis Heinsberg gemacht haben - das ist jener Landkreis mit den meisten Coronavirus-Diagnosen in ganz Deutschland. Fans aus diesem Kreis, die bereits eine Karte für das Spiel gegen Dortmund gekauft haben, bekommen die unkomplizierte Rücknahme der Karte sowie ein Gratisticket fürs nächste Gladbacher Europapokalspiel angeboten, wenn sie jetzt zum Spiel nicht anreisen. Das sei aber nur ein Angebot, keine Aufforderung, betonte ein Klubsprecher, "und wenn das mit dem Europapokal nächste Saison nicht klappt, dann ja vielleicht übernächste". Die Gladbacher bleiben in jeder Hinsicht vorsichtig.

Eine generelle Absage oder ein Geisterspiel waren zwar diskutiert, aber verworfen worden. Und das Virus ist nicht mal das einzige Problem. Es sind verrückte Wochen am Niederrhein mit der orkanbedingten Absage des Köln-Spiels vor einem Monat und der hochgradig latenten Gefahr neuer Schmähplakate im Fanblock der Ultras. Vielleicht wären unabhängig vom Ergebnis alle Beteiligten schon froh, wenn das Topspiel um 18.30 Uhr angepfiffen und nach 90 Minuten ordnungsgemäß wieder abgepfiffen werden kann. Bis jetzt steht nur eines fest: Orkan ist keiner angekündigt.

Zur SZ-Startseite
Fussball, Herren, Saison 2019/2020, DFB-Pokal (Viertelfinale), Bayer Leverkusen - 1. FC Union Berlin, Fans von Union, 04

SZ PlusUltras im Stadion
:"Wir sind froh, dass wir euch haben"

Union Berlins Geschäftsführer Oliver Ruhnert spricht über den Wert von Ultra-Gruppen im Stadion, definiert aber auch Grenzen. Zugleich hinterfragt er die Strukturen des DFB.

Lesen Sie mehr zum Thema

Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Kontakt und Impressum
  • AGB