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Aufschwung in der Bundesliga:Kleines Kölner Wunder

SC Paderborn 07 - 1. FC Köln

Eine entscheidende Parade in Paderborn: Kölns Torwart Timo Horn rettet den Sieg.

(Foto: Friso Gentsch/dpa)

Der Paderborner und der Kölner Dom sind in ihrer heutigen Form ungefähr 800 Jahre alt. So weit gehen die Statistiken der Fußball-Bundesliga nicht zurück, aber was die Spieler vom 1. FC Köln mit ihrem 2:1 (2:0)-Sieg am Freitagabend beim SC Paderborn erreicht haben, sorgte dennoch für Erstaunen: Mit 15 Punkten aus sieben Partien spielt der Klub seine beste Rückrunde seit 31 Jahren, und die 25 Punkte aus 13 Spielen, die der Trainer Markus Gisdol seit seinem Amtsantritt im November gewonnen hat, sind der beste Schnitt eines FC-Trainers seit 25 Jahren (Peter Neururer).

Seit Gisdol beim FC wirkt, ist Köln das fünftbeste Team der Bundesliga. Das Ganze wirkt vor allem deshalb wie ein kleines Wunder, weil die Kölner im November nach der Entlassung des Trainers Achim Beierlorzer mit sieben Punkten auf dem vorletzten Platz gestanden hatten. Nun haben sie 32 Punkte, und die Kölner Fans sangen während des Spiels in Paderborn vom "Europapokaaal." Kölns Sport-Geschäftsführer Horst Heldt verordnete aber streng Demut: "32 Punkte reichen nicht mal zum Drinbleiben", warnte er nach dem Sieg in Paderborn.

"Wir bleiben mit beiden Beinen auf dem Boden", sagte auch Gisdol. "Wir versuchen, Spiel für Spiel ganz sauber zu spielen und an nichts anderes zu denken, als an Entwicklung, Fußball, Arbeit. Das hat uns gutgetan." Den Aufschwung seiner Mannschaft erklärte er mit der größeren Geschlossenheit. "Die Mannschaft ist als Team ganz eng zusammengerückt", sagte der Trainer, hinzu komme der Faktor Kopf: "Es gibt keinen Ersatz für Siege. Das ist einfach wunderbar, das gibt dir Selbstvertrauen."

Hätte es im 13. Jahrhundert eine bürgerfreundlichere Justiz gegeben, dann hätten Anwohner des Paderborner Doms gewiss eine Veranstaltungsbeschränkung erwirkt, vielleicht hätten sie erreicht, dass keine Messe vor 11 Uhr am Vormittag beginnen darf. Seit 2008 das Fußballstadion im Paderborner Westen eröffnet wurde, behalten sich die Anwohner gerichtlich vor, dass keine Veranstaltung dort über 22 Uhr hinausgehen darf. Deshalb wurde das 20.30-Uhr-Spiel der Bundesliga am Freitag erstmals schon um 20 Uhr angepfiffen, was aber qualitativ keinen erkennbaren Unterschied machte.

Köln schickt subtile Drohgebärden gen Mönchengladbach

Die Kölner bestimmten das Spiel 70 Minuten lang und lagen durch Treffer von Jorge Meré (28.) und Jonas Hector (36.) scheinbar ungefährdet mit 2:0 in Führung, ehe die Paderborner in der 73. Minute auf die Idee kamen, dass man mit dem Anschlusstreffer die Geräuschkulisse erhöhen und den fußballskeptischen Anwohnern einen lieben Gruß schicken könnte. Zu diesem Zwecke köpfelte Dennis Srbeny den Ball zum 1:2 ins Kölner Tor, und hätte Kölns Torwart Timo Horn in der 87. Minute nicht einen famosen Freistoß des Paderborners Abdelhamid Sabiri an die Latte gelenkt, dann wäre das Spiel sogar noch unentschieden ausgegangen.

So aber freuten sich die Rheinländer in Ostwestfalen über den achten Sieg binnen zehn Spielen und nahmen diese Erfolgsserie, um subtile Drohgebärden gen Mönchengladbach zu schicken, wo Köln am kommenden Mittwoch eine Nachholpartie austrägt. "Wir freuen uns auf Gladbach", sagte Torwart Horn mit leicht diabolischem Grinsen. "In so einem Derby ist immer alles möglich", erläuterte Mark Uth die Kölner Vorfreude, zumal der aus Schalke ausgeliehene Stürmer sich derzeit in prächtiger Verfassung befindet.

In Paderborn hat er beide Treffer vorbereitet und seine Scorerpunktzahl damit auf sieben in seinen jüngsten sechs Spielen ausgebaut (drei Treffer, vier Vorlagen). Derart viele Scorerpunkte in derart kurzer Zeit waren dem gebürtigen Kölner zuletzt vor zwei Jahren im Trikot der TSG Hoffenheim gelungen. Als Grund für seinen Lauf nannte Uth: "Es macht zurzeit richtig Spaß." Fußballfachleute vermuten jedoch, dass der 28-Jährige nach seinem Wechsel aus Gelsenkirchen im Januar im Kölner Dom eine Kerze angezündet hat.

© SZ.de/tbr
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