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Manager in der Bundesliga:Zeit für die Generation Clever & Smart

Thomas Hitzlsperger, Sebastian Kehl, Simon Rolfes (von links)

(Foto: dpa)
  • Hitzlsperger, Rolfes, Baumann, Kehl: Eine neue Generation dringt allmählich in die Chefetagen der Fußball-Bundesliga vor.
  • Auf moderne Art versuchen die Klubs das nachzubauen, was der FC Bayern seit langem mit Uli Hoeneß und Karl-Heinz Rummenigge vorlebt.
  • Manche Klubs sind sogar dazu übergegangen, sich ihre jungen Chefs selbst auszubilden.

Man wird ein bisschen blättern müssen, bis man den 19. Juni 2008 in den Geschichtsbüchern des deutschen Fußballs findet. Der 19. Juni war kein ganz großer Tag für den deutschen Fußball, niemand schoss aus dem Hintergrund, es gab keinen Gerd-Müller-Drehschuss zu sehen, auch von einem Andy-Brehme-Elfmeter oder einem Mario-Götze-Tor in der 113. Minute wissen die Archive nichts. Deutschland wurde nicht Weltmeister am 19. Juni 2008, aber immerhin gewann die DFB-Elf ein EM-Viertelfinale mit 3:2 gegen Portugal. Ein bisschen historisch war dieser Tag auch, das ahnte man damals aber mehr, als dass man es wusste. Im defensiven Mittelfeld der Nationalelf spielten an diesem Abend Thomas Hitzlsperger und Simon Rolfes - zwar entwickelte sich daraus kein Gespann, das den deutschen Fußball prägte, dennoch hatten beide epochemachende Funktion.

Deutschland spielte damals an einer Zeitenwende Fußball, zeitgenössisch ausgebildete Akademietalente mischten sich noch mit knarzigen, in den Neunzigern sozialisierten Haudegen - wie Michael Ballack und Torsten Frings, die sich oft einen Spaß daraus machten, die Jungen anzuknurren. Ballack und Frings waren der Meinung, dass die Jungen erst mal Kisten schleppen und 150 Bundesligaspiele machen sollen, bevor sie schlau daher reden.

Hitzlsperger/Rolfes waren das erste moderne Sechser-Duo beim DFB, sie verkörperten eine neue Kultur und eine neue Zeit, sie waren die Charme-Defensive, deren verbindlich-unverbindliche Art sich markant abhob von den Machomanierismen ihrer fauchenden Vorgänger.

Ein Jahrzehnt später sind die freundlichen jungen Buben von damals in den Teppichetagen angekommen. Hitzlsperger, inzwischen 36, ist am Dienstag zum Sportvorstand beim VfB Stuttgart befördert worden, es ist eine ähnliche Position wie jene, die der Sportdirektor Rolfes, 37, neuerdings bei Bayer Leverkusen bekleidet.

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Ein Mittelfeld, das aus lauter Sechsern besteht

Zählt man noch Sebastian Kehl, 39, den Leiter der Lizenzspielerabteilung bei Borussia Dortmund, sowie Frank Baumann, 43, den Geschäftsführer Sport bei Werder Bremen, hinzu, dann hat man schon mal ein schönes Mittelfeld beisammen, wenn auch eines, das aus lauter Sechsern besteht - aus Spielern, die auf dem Rasen schon taten, was sie jetzt in Businesskleidung wieder tun. Sie besetzen eine Schlüsselstelle, an der man Überblick, eine gewisse Führungskraft sowie ein sehr spezielles Verständnis von Altruismus braucht.

Auf der Sechserposition glänzt man in der Regel nicht selbst, man lässt glänzen. Und als Sportvorstand/Sportdirektor/Geschäftsführer Sport hängt man in der Regel selten am Kurvenzaun, um sich mit den Ultras abzuklatschen. Man hört höchstens, was man da jetzt wieder für einen blinden Trainer verpflichtet hat, und dass der neue Zwölf-Millionen-Rechtsverteidiger wirklich nur mit Mühe geradeaus laufen kann.

Der deutsche Fußball ist jünger geworden in diesem Jahrzehnt, in interessanter Reihenfolge. Erst waren es die Spieler, die mit 22 plötzlich auf 100 Bundesligaspiele kamen; es folgten die Trainer, die mit Mitte 30 als Juniorencoach ins Bett gingen und nach der Entlassung eines altgedienten Kollegen am nächsten Morgen als Erstligatrainer aufwachten; nun erreicht der Trend auch die Chefetagen, in der die Manager zwar schon seit einiger Zeit nicht nur Eberl und Bobic, sondern auch Rosen und Schröder heißen, aber die aktuelle Sechser-Offensive deutet noch mal auf eine neue Konsequenz bei der Bürobesetzung hin.