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Bundesliga:Als Jugendlicher hat Kaiser hauptsächlich Tennis gespielt

Als Jugendlicher spielte Kaiser Tennis. Fußball, sagt er, "das war für mich, nebenbei mit Kumpels zu kicken". Nach der A-Jugend kam er zurück nach Gmünd in die Oberliga, wo ihn sein Trainer aus der Spielfeldmitte auf den Flügel schob. Allerdings wollte ihn der Trainer diesmal nicht loswerden, sondern ihm ein Gefühl für die Position vermitteln, die er später als Spielmacher koordinieren sollte. Dieser Trainer verfolgte Kaisers Weg, als er als Mathematikstudent in Hoffenheim aus dem Reservekader zum Bundesliga-Einwechselspieler aufstieg. Und dieser Trainer empfing ihn 2012 drei Ligen tiefer in Leipzig. Dieser Mann, der Kaiser insgesamt fünf Jahre trainiert hat, heißt Alexander Zorniger.

Er arbeitet inzwischen für Bröndby IF in Dänemark, doch an Kaiser schreibt er regelmäßig SMS. Kaiser, sagt er, könne sich so gut an das Niveau um ihn herum anpassen, "wie ich es bei keinem Spieler gesehen habe". In Hoffenheim lernte er im Training mit ausgebufften Profis seinen Körper einzusetzen. In Leipzig lernte er als Kapitän Verantwortung zu übernehmen.

Am Anfang hatte er in jeder Liga Probleme, später entschied er die wichtigen Spiele. Zorniger erinnert sich an ein ausgeglichenes Drittligaspiel in Darmstadt, Ende 2013. Kaiser nahm sich den Ball, schoss mit links, seinem schwachen Fuß, aus der Distanz, traf, einfach so. "Jeder Leipziger Spieler hat eine Waffe", sagt Zorniger, der RB drei Jahre trainierte. Jeder, nur Kaiser nicht: "Es ist seine größte Waffe, dass er keine eigene hat." Sondern sich oft jene borgt, die gerade nötig ist. Einen wie Kaiser, sagt Zorniger süffisant, "würde Leipzig heute nicht mehr holen".

Er weicht nun auf den Flügel aus

Doch Kaiser ist da. 2015 hat er seinen Vertrag verlängert, seine Rolle ist defensiver geworden, gerade weicht er auf den Flügel aus. Er habe nie befürchtet, dass er mal zu schwach werden würde für den stets fluktuierenden Kader: "Ich musste mich immer durchkämpfen." Nun genießt er erst mal den Moment. In drei verschiedenen Supermärkten sei er auf das Dortmund-Spiel angesprochen worden: "Die Euphorie ist riesengroß".

Natürlich weiß er nicht, ob er in zwei Jahren noch dabei ist, wenn Leipzig weiter wächst, "das kann dir niemand sagen". Eine Gewissheit gibt es aber in der Karriere von Dominik Kaiser, glaubt sein alter Trainer: "Dominik", sagt Alexander Zorniger, "wird sich auch mit 35 noch entwickeln."

© SZ vom 10.09.2016/schma
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