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Bundesliga-Hinrunden-Bilanz:Die Guinness-Show des Robert LewanGOALski

Jahresrückblick 2015 - Robert Lewandowski

Fünf Finger für fünf Tore - Robert Lewandowski bei seinem Rekordspiel gegen Wolfsburg.

(Foto: Andreas Gebert/dpa)

Die vier Rekorde des Bayern-Stürmers, die Unverfrorenheit des Elfmeterpunkt-Bearbeiters Marwin Hitz, die Hilfsmittel von Pep Guardiola: Elf Dinge, die von der Bundesliga-Hinrunde in Erinnerung bleiben.

Klar, der FC Bayern zieht vorne seine Kreise und der Konkurrenz davon, die Borussen aus Dortmund sind wieder gefestigt, und unten ist alles möglich. Doch was bleibt noch von dieser Hinrunde? Die Bilanz zur Bundesliga-Halbzeit: Elf Dinge (und Personen), die in Erinnerung bleiben.

Fünf Tore, viermal ins Guinness Buch der Rekorde

0:1: Am sechsten Spieltag keimt bei der den Fans aller Klubs, die nicht FC Bayern München heißen, für 51 Minuten kurz Hoffnung auf, dass es vielleicht doch noch ein klein wenig spannend werden könnten. 0:1 liegt der Meister zur Pause gegen den VfL Wolfsburg zurück. Pep Guardiola wechselt an jenem 22. September Robert Lewandowski ein, sechs Minuten nach Wiederanpfiff beginnt die irrste Torshow, seit die Bundesliga erdacht wurde: 51. Minute: Ausgleich. 52. Minute: 2:1, 55. Minute: 3:1, 57. Minute: 4:1, 60. Minute: 5:1. Torschütze jeweils: LewanGOALski. Für seine Torshow erhält der Stürmer zwei Monate später vier Einträge ins Guinness Buch der Rekorde: Schnellster Hattrick (in 3:22 Minuten), schnellster Viererpack (in 5:42), schnellster Fünferpack (in 8:59) und die meisten Tore als Einwechselspieler. Nur einen Bundesligarekord verpasst Lewandowski trotz weiterer Chancen an diesem Abend: Die Bestmarke für die meisten Tore in einem Spiel hält weiterhin wie seit 38 Jahren Dieter Müller, dem beim 7:1 gegen Werder einst sechs Treffer für den 1. FC Köln gelangen. "Irgendjemand da oben wollte, dass fünf Tore für dieses Spiel reichen", sagte Lewandowski bei der Verleihung der Rekord-Urkunden. Pragmatischer Einwurf von Bayerns Medienchef Markus Hörwick: "Sei froh, sonst müsstest du jetzt eine Urkunde mehr heben."

Frühstarter der Hinrunde: Kevin Volland

Es läuft einfach nicht bei der TSG Hoffenheim. 13 Punkte, Platz 18 zur Winterpause. Sogar Huub Stevens, der das Retten von Klubs aus Baden-Württemberg in den vergangenen Jahren zum Geschäftsprinzip gemacht hat, konnte den Absturz der Kraichgauer noch nicht stoppen. Sollten die nächsten 17 Spieltage ähnlich desillusionierend verlaufen - und Julian Nagelsmann, 28, im Sommer dann eben in der zweiten Liga zum jüngsten Cheftrainer im deutschen Profifußball werden - kann sich Stürmer Kevin Volland wohl kaum mehr über sein schnellstes Tor der Bundesligageschichte freuen. Am zweiten Spieltag in München traf der Ex-Löwe bereits nach etwas weniger als neun Sekunden - und war 0,3 Sekunden schneller als in der Vorsaison Leverkusens Karim Bellarabi bei seinem Tor gegen Dortmund. Bayern brauchte nach Vollands Führungstreffer 41 Minuten, um den Ausgleich herzustellen - und 90, um den Siegtreffer zu erzielen.

Auf der Jagd nach dem goldenen Schuh

Pierre-Emerick Aubayemang: Mindestens jeweils ein Tor gelang Dortmunds Pierre-Emerick Aubameyang in den ersten acht Saisonspielen in der Bundesliga - Rekord! Saisonübergreifend waren es sogar zehn Spiele hintereinander. Insgesamt traf Aubameyang in den ersten 17 Spielen 18 Mal - und damit schon zwei Mal mehr als in der gesamten vorherigen Saison. Zur Erinnerung: Alex Meier reichten vergangene Saison 19 Tore während der gesamten Spielzeit, um Torschützenkönig zu werden. Derzeit führt der Gabuner auch die Wertung für den treffsichersten Torjäger der Welt an. In der Rangliste für Europas "goldenen Schuh" führt Aubameyang mit 36 Punkten vor Donezks Alex Texeira (33 Punkte). Dem sind zwar schon 22 Tore gelungen, doch die ukrainische Liga wird niedriger bewertet als die Bundesliga. Lewandowski ist in dieser Wertung derzeit nur auf Platz fünf.

Die Unverfrorenheit der Hinrunde: Marwin Hitz

Die Schiedsrichter waren einige Male im Fokus, sei es, weil einer nicht erkannte, dass Hannovers Leon Andreasen gegen Köln den Ball ganz klar mit dem Unterarm ins Tor bugsierte und auch trotz Aufforderung nicht beim Torschützen nachfragte - oder weil ein anderer beim Wolfsburger Sieg gegen Leverkusen seinen Linienrichter überstimmte, das richtig angezeigte Abseits aufhob und somit beim 2:1 das 1:0 Wolfsburgs ermöglichte. Kein Wunder, dass sofort wieder der Ruf nach dem Videobeweis laut wurde. Im Fall von Marwin Hitz hätte der auch helfen können, allerdings hätte es auch gereicht, wenn Schiedsrichter Daniel Siebert dem Augsburger Torhüter mal auf die Füße geschaut hätte. Siebert hatte beim Spiel der Schwaben in Köln den Gastgebern einen Elfmeter zugesprochen. Der Pfiff war äußerst umstritten gewesen, er war sogar: falsch. Dies teilte Hitz dem Schiedsrichter laut - und gestenreich auch mit. Währenddessen malträtierte der Torhüter mit seinen Füßen den Elfmeterpunkt. Mit zweifelhaftem Erfolg: Kölns Anthony Modeste rutschte aus, verschoss den Strafstoß, Augsburg gewann mit 1:0. "Das ist in der Hitze des Gefechts passiert. Alle haben gesehen, dass es kein Elfmeter war. Ich habe versucht, den Schützen durcheinander zu bringen. Aber man sieht ja, dass der Rasen noch da ist", gab Hitz zu. Kölns Stadionchef schickte Hitz daraufhin eine Rechnung über 122,92 Euro für den Austausch des Rasens und die benötigte Arbeit. Hitz kündigte an, zu bezahlen.

Die Fouls der Hinrunde

Solche Scharmützel mal ausgenommen, ging es in der Hinrunde so fair zu wie noch nie. 28,3 Fouls gab es im Schnitt pro Partie - so wenige wie nie.

Das benachteiligte Team der Hinrunde: 1. FC Köln

24 Punkte, seltener 0:0 als in der Vorsaison, Platz neun: Eigentlich sind sie beim 1. FC Köln richtig zufrieden mit der Hinrunde. Wären da nicht die vielen Fehlentscheidungen gegen die Mannschaft von Trainer Peter Stöger! Insgesamt sieben Tore wurden den Kölnern in dieser Saison bereits verweigert, wie die Kollegen von wahretabelle.de beobachtet haben: Fünfmal wurde Köln ein fälliger Strafstoß verweigert, dazu kam das Handtor von Hannovers Andreasen und ein unberechtigter Freistoß, der zu einem Gegentreffer führte. Laut der "wahren Tabelle" müsste der FC mit 28 Punkten auf Rang fünf stehen. Nun weiß man nicht, ob die berechtigten Elfmeter wirklich ihren Weg ins Tor gefunden hätten und wie die Spiele dann zu Ende gegangen wären, auch Stöger kann über die Berechnung eher nur schmunzeln - und stellt eine eigene Rechnung auf. "Wir wissen, dass das kein Vorsatz der Schiedsrichter ist. Trotzdem war es eine unglückliche Verkettung gegen uns. Wir haben jetzt 24 Punkte. Normalerweise hast du als 1. FC Köln bei so einer Verkettung zum Winter 13 oder 14 Punkte und ein richtiges Problem", sagte er Sport Bild.

Der grausamste Sieg der Hinrunde: Hertha BSC gegen Hoffenheim

Hertha BSC ist zweifellos die größte Überraschung der Vorrunde. Vergangene Saison beinahe abgestiegen, belegt die Mannschaft des Ur-Herthaners Pal Dardai zur Halbzeit nun Platz drei. Die Berliner haben zwar gegen alle so genannten Großen verloren (Bayern, Dortmund, Schalke, Mönchengladbach, Wolfsburg), doch sie haben gegen alle Gegner gepunktet, gegen die sie punkten konnten - und das ausnahmslos. Gegen Hoffenheim übertrieben es die Herthaner aber mit ihrer gnadenlosen Effektivität. Gegen die Kraichgauer gewannen sie, ohne auch nur ein einziges Mal aufs Tor geschossen zu haben. Den Treffer zum siegbringenden 1:0 besorgte Eugen Polanski - per Eigentor.

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Medienberichten zufolge erwartet den Trainer, der seinen Abschied vom FC Bayern zum Saisonende bekanntgegeben hat, ein Rekordgehalt.

Das Comeback der Hinrunde: Mönchengladbach

Plötzlich klappte nichts mehr: Luicien Favre, dem in vier Jahren beinahe alles gelungen war in Mönchengladbach, erreichte seine Mannschaft nicht mehr. Zumindest sah das Favre so und beschloss darum nach fünf Spielen und fünf Niederlagen zum Saisonstart: Lucien ne va plus. Der Schweizer kündigte via Pressemitteilung und gegen den Willen des Vereins, er hinterließ eine Borussia im Schockzustand. Daraus machten die Spieler und Interimstrainer André Schubert, der mit Glatze und grünem Hoodie, das Beste: Sie gewannen die ersten sechs Spiele und punkteten auch in der Champions League unter dem Übergangstrainer, der am 13. November auch offiziell zum Cheftrainer ernannt wurde. Seitdem folgten in der Liga noch drei Siege, ein Unentschieden und eine Niederlage, darunter das triumphale 3:1 gegen den FC Bayern und das, nun ja, eher desolate 0:5 in Leverkusen. Trotz des Ausscheidens im Pokal (3:4 in Bremen) und des unglücklichen Endes in den internationalen Wettbewerben: In dieser Form ist die Champions League wieder drin.

Der Zettel der Hinrunde

Später sollte Pep Guardiola sagen: "Kompliment! Wenn alle so spielen würden wie Ingolstadt, wäre Fußball der beste Sport der Welt." In den 90 Minuten zuvor hatte der Aufsteiger den Spielern des FC Bayern fast den letzten Nerv gekostet, hatte zur Pause sogar ein Chancenplus - und das in München. Nach 61 Minuten rief Guardiola schließlich seinen Kapitän Philipp Lahm zu sich, übergab ihm einen kleinen, eng beschriebenen Zettel. Lahm las, schritt von Kamerad zu Kamerad, gab den Zettel schließlich weiter. Als Lahm die Zettelpost wieder hatte, hatten so gut wie alle Bayern ihre Positionen gewechselt. Ingolstadt konnte mit den Änderungen nur wenig anfangen, die Bayern dagegen umso mehr: Am Ende standen ein verdienter, aber glanzloser 2:0-Erfolg und die Herbstmeisterschaft. Und die Frage: Hätte Guardiola sich anders über seine Zukunft entschieden, wenn mehr Mannschaften gegen Bayern so gespielt hätten wie die mutigen Aufsteiger aus der Autostadt?

Der gescheiterte Neuanfang der Hinrunde: VfB Stuttgart

Seine Spielweise sei alternativlos, hat Alexander Zorniger während seiner kurzen Schaffenszeit in Stuttgart beinahe täglich gesagt. Seine Spielweise vielleicht ja, doch der Trainer eben nicht, beschlossen die VfB-Granden nach dem 13. Spieltag und beendeten die Zusammenarbeit mit dem knorrigen und streitlustigen Schwaben aus Pforzheim. Zehn Punkte hatte der oft erfrischend spektakulär, aber immer erschreckend naiv agierende VfB da auf dem Konto. Zornigers Nachfolger Jürgen Kramny, zunächst nur interimistisch tätig, verordnete der Mannschaft ein bisschen mehr Umsicht in der Defensivarbeit, verlor gegen Dortmund, punktete gegen Bremen und Mainz, kam mit Mühe im Pokal weiter und gewann tatsächlich überzeugend gegen Wolfsburg. Nun darf er sich dauerhaft versuchen. Bis zum nächsten laut proklamierten Neuanfang im Ländle.

Das Funktionärsgerücht der Hinrunde: Heidel nach Schalke

Seit 1992 gehört Christian Heidel dem Vorstand des FSV Mainz als Manager an. Erst seit die DFL hauptamtliche Sportdirektoren vorschreibt, lässt sich der frühere Autohändler ein Gehalt auszahlen von seinem Herzensklub. Doch am 14. Oktober berichtete Bild plötzlich von einem absurd anmutenden Gerücht: Heidel solle demnach bald von Mainz zum FC Schalke wechseln und dort Horst Heldt ablösen. Das Gerücht erwies sich bald als Tatsache. Nicht nur gab es auf Schalke den Plan, Heidel zu holen, der Manager schien sogar bereit. Einige Tage schien es sogar so, dass Schalke bis Saisonende ohne Manager dastehen würde, denn vor Saisonende ist Heidel nicht zu bekommen, und Heldt schien lieber heute als morgen die Brocken hinwerfen zu wollen. Schließlich blieb Heldt doch, er wird seinen Vertrag erfüllen und befindet sich derzeit auf Shoppingtour - bis zu 15 Millionen Euro darf er ausgeben, um der recht inkonstant spielenden Mannschaft von Trainer André Breitenreiter etwas Stabilität zu verpassen. Doch die großen Einkäufe im Sommer wird dann vermutlich schon Heidel tätigen dürfen.

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