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Bundesliga:Gomez wird endlich laut

Drei Tore in sieben Minuten: So läuft das derzeit bei Mario Gomez.

(Foto: AP)
  • Nach seinen drei Toren gegen Leverkusen äußert Wolfsburgs Stürmer Mario Gomez Kritik am Fußball in der Bundesliga.
  • "Mehr Gemurkse als sonst was", attestiert er den Spielen in Deutschland.
  • Schon zum wiederholten Mal hat sich der früher so leise Gomez in dieser Saison damit als Kritiker profiliert.

Für seine laute Kritik hat Mario Gomez am Sonntagabend den leisen Rahmen gewählt. Die meisten Journalisten waren schon weg, die Fernsehkameras weitergezogen, als er einigen Wolfsburger Reportern seine Gedanken zur Lage der Bundesliga darlegte. Und es waren wichtige Gedanken, die entsprechend großen Widerhall in den Zeitungen fanden.

Noch vor einigen Monaten wäre Mario Gomez wohl ebenfalls still weitergezogen. Hätte freundlich gelächelt, sich dann aber in den Mannschaftsbus gesetzt - und seine Worte für sich behalten. Doch Gomez ist nun 31, bald sogar 32, ein verheirateter Mann, Fußballmeister und Schützenkönig in Deutschland und der Türkei, ein Mann mit nahezu sicherem Ticket für die WM 2018 in Russland.

Er sei "reifer" als früher, sagt Gomez über sich. Und nicht mehr schüchtern.

Gomez tritt als Meinungsführer auf

Das bewies er nach dem 3:3 am Sonntag in Leverkusen. Drei Tore hatte Gomez erzielt, ein Hattrick in sieben Minuten, doch es lag nicht etwa daran, dass die Treffer im Mut gegeben hätten. Gomez hatte sich Gedanken gemacht, er kritisierte den Fußball in der heimischen Bundesliga, viele Spiele seien "mehr Gemurkse als sonst was", sagte er. Die Spiele seien geprägt von "Druck, Angst, Nervosität und Einfach-nur-den-Arsch-retten-wollen". Wie das eben ist in einer Liga, deren Meister vor dem ersten Spieltag bereits festzustehen scheint und in der sich viele Mannschaften darauf verlegen, den Spielaufbau des Gegners zu verhindern, statt selbst die Initiative zu ergreifen.

Sein abschließendes, wenig Trost spendendes Urteil: "Acht Punkte zwischen Europa League und Abstiegsplatz, das gibt es normalerweise in der dritten und vierten Liga. Man kann das als Stärke oder Schwäche der Liga auslegen, ich finde, das ist Schwäche."

Ob Gomez recht hat, kann Auslegungssache sein. Unstrittig ist, dass der früher so stille Gomez in dieser Spielzeit bereits zum wiederholten Male als Meinungsführer aufgefallen ist. Schon im Herbst hatte Gomez deutlich formuliert, was er vom Wolfsburger Wechseltheater um Julian Draxler hielt ("wer nicht hier sein will, soll auch gehen"). Er wollte das nicht als persönlichen Angriff verstanden wissen, nahm sich aber die Freiheit kundzutun, wie eine Mannschaft funktioniert.

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