bedeckt München 15°

Start der Bundesliga der Frauen:"Entweder wir sind dabei - oder wir fallen hinten runter"

Doch genau deshalb kann die WM-Enttäuschung des zweimaligen Welt- und achtmaligen Europameisters auch heilsam sein. Weil nun der Glanz der DFB-Elf nicht jene Defizite überstrahlt, die von der Liga in ihrem Jubiläumsjahr angegangen werden müssen. Spätestens seit dem Turnier ist klar: Es muss sich etwas bewegen, sonst geht der Anschluss verloren. Was helfen könnte, ist eine größere TV-Präsenz. Freitags wird künftig ein Spiel live bei Eurosport übertragen, eine Samstagspartie soll zudem zusammengefasst in der ARD-Sportschau laufen, sonntags gibt es zwei Spiele bei der Telekom zu sehen.

Bei der von Teilnehmern als bieder und von Aufbruchsstimmung eher entfernt beschriebenen Pressekonferenz zum Ligaauftakt sagte Siegfried Dietrich, Manager des 1. FFC Frankfurt: "So, wie es vor sich hingeplätschert ist, ist es nicht der massive Weg nach vorne. Wir wollen aus der Senke herauskommen." Wolfsburgs Sportlicher Leiter Ralf Kellermann hatte vor der WM von einem gefühlten Stillstand gesprochen: "Die Organisation der Liga ist gut. Aber jedes Jahr wandern Top-Spielerinnen ab, weil sie sehen, was woanders möglich ist." Meister Wolfsburg verlor gerade seine wichtige Offensivspielerin Caroline Hansen an den FC Barcelona, der FC Bayern gab Sara Däbritz an Paris Saint-Germain ab, Leonie Maier ging zum Arsenal WFC.

Das erhöht die Wahrnehmung und Wertschätzung

Dass längst auch andere Länder, vor allem England, den Frauenfußball für sich entdeckt haben, begrüßen Beteiligte und Beobachter natürlich. Das erhöht die Wahrnehmung und Wertschätzung und macht den Frauenfußball populärer - was auch bei der WM zu spüren war. Nur schreitet die Professionalisierung seit etwa drei Jahren durch die neue Investitionsfreude prominenter Lizenzvereine wie Barcelona, Juventus Turin oder Manchester City teils so schnell voran, dass die einst unter Spielerinnen so beliebte und für ihren Wettbewerb geschätzte deutsche Spielklasse angestaubt wirkt. Weil neben Geld in Sachen Infrastruktur, Marketing und Anerkennung anderswo sichtbar mehr Engagement gezeigt wird. "In Europa geht die Post ab und sie wird auch weiter abgehen", sagt Bayern-Managerin Karin Danner: "Entweder wir sind dabei - oder wir fallen hinten runter."

Dabei sind die Unterschiede bei den durchschnittlichen Zuschauerzahlen sowie der sportlichen Gesamtlage gar nicht so groß: Auch anderswo dominieren meist wenige Klubs, und andere kommen kaum hinterher - wie in Deutschland. Wolfsburg und die Bayern dürften erneut Meisterschaft und Pokal unter sich ausmachen. Neun von zwölf Trainern (ja, es gibt derzeit keine einzige Trainerin!) glauben das laut Kicker-Umfrage: Sascha Glass (SC Sand) war unentschlossen, die Betroffenen Stephan Lerch (VfL) und Jens Scheuer (FCB) blieben diplomatisch.

Frauenfußball "Ich bin keiner, der auf totale Kontrolle aus ist"

FC Bayern

"Ich bin keiner, der auf totale Kontrolle aus ist"

Jens Scheuer, der neue Trainer der Bayern-Fußballerinnen, spricht über aufregenden und langweiligen Fußball, Vorbehalte gegenüber Laptop-Trainern - und darüber, wie ihn Christian Streich geprägt hat.   Von Anna Dreher