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FC Bayern gewinnt in Köln:Fern von der überirdischen Normalform

1. FC Köln - Bayern München

Führungstreffer per Elfmeter: Thomas Müller (rechts) und Joshua Kimmich klatschen ab.

(Foto: Marius Becker/dpa)

Mit einiger Mühe und noch mehr Erfahrung gewinnen die Bayern in Köln. Thomas Müller empfindet den Auftritt als "zu aufreizend und zu lässig".

Von Philipp Selldorf, Köln

Oft genug in dieser Saison haben die Gegner des FC Bayern den Abpfiff herbeigesehnt, damit die Demütigungen ein Ende haben. Die Spieler des 1. FC Köln aber waren bitter enttäuscht darüber, wie schnell die vier Minuten Nachspielzeit vorübergingen. Sie hatten begründete Hoffnung, aus dieser vermeintlich ungleichen Begegnung mit dem Deutschen Meister "etwas mitzunehmen", wie es in der neudeutschen Fußballsprache heißt. Sogar mehr mitzunehmen als eine Niederlage, mit der man sich trotzdem noch überall sehen lassen kann.

Am Ende blieb den FC-Profis aber nicht mehr von diesem Nachmittag als der Respekt, einen guten Kampf geliefert zu haben. Die drei Punkte nahmen beim 2:1-Erfolg die Münchner mit. Die Seriensieger hatten sich nicht unbedingt überanstrengt bei diesem Routinesieg, offen bleibt jedoch, ob sie in der Lage gewesen wären, ihre Anstrengungen bei Bedarf markant zu steigern. Er sei nicht wirklich zufrieden, letztendlich gehe es aber "um das nackte Ergebnis", erkannte Münchens Trainer Hansi Flick, "und von daher ist alles gut ausgegangen." Im ständigen Reisebetrieb des aktuellen Wettkampfkalenders hat die geistige Frische aber offensichtlich gelitten.

Die ersten Minuten waren zuletzt das Problem des 1. FC Köln, in Stuttgart lagen sie schneller zurück, als man zum Entkorken einer Weinflasche braucht, und auch diesmal gab es nach kaum einer Minute einen Schreckmoment, als sich Ellyes Skhiri an prekärer Stelle in der eigenen Hälfte den Ball abnehmen ließ. Aber die schnelle Rückeroberung durch Salih Öczan samt sofortigem Gegenangriff gab den ersten Eindruck einer Anfangsphase mit überraschenden Ansichten.

Müller verwandelt einen fragwürdigen Elfmeter zur Führung

Die Bayern, ohne Robert Lewandowski und Leon Goretzka, die beide in München geblieben waren, präsentierten sich nicht wie üblich als Überfallkommando, sie kamen träge ins Spiel. Dynamik und Angriffsgeist ging stattdessen von den Kölnern aus, Ismail Jakobs und Marius Wolf machten Tempo auf den Flügeln, Ondrej Duda demonstrierte seine exzellente Technik, als ob er Spähern aus Mailand und Madrid imponieren wollte.

Bevor jemand auf die Idee kommen konnte, in Köln sei die Welt verkehrt, gaben die Bayern die Antwort mit dem 1:0 durch Thomas Müller. Normalerweise würde man hier von der Effizienz eines Spitzenteams sprechen oder vom Zynismus des Dauermeisters, aber weder das eine noch das andere traf zu. Das Regelwerk kam ihnen zur Hilfe, als ein Kopfball von Serge Gnabry an den Arm des Verteidigers Wolf flog. Weder drohte der Kopfball das Kölner Tor zu treffen noch hatte Wolf mit Vorsatz gehandelt, er hatte sogar den Arm zurückgezogen, um nicht getroffen zu werden. Schiedsrichter Frank Willenborg gab trotzdem Elfmeter und konnte sich dabei darauf berufen, nach Vorschrift zu handeln. Von der Fragwürdigkeit der Vorschrift ließ sich Müller nicht beeindrucken und schoss den Ball platziert ins Eck.

Mit dem Führungstreffer wurde das Münchner Spiel nicht unbedingt zwingender, aber etwas lebendiger. Die Kölner blieben dennoch am Ball und kamen durch Jakobs zu einer seriösen Torchance. Nicht zum ersten Mal blieb Pavard verblüfft zurück, als der Kölner Linksaußen an ihm vorbeizog. Diese Momente, in denen das Zweikampftiming nicht stimmte, wiederholten sich bei den Bayern, die nach wie vor fern von ihrer überirdischen Normalform blieben. Zumindest defensiv schafften es die Münchner aber allmählich, sich besser zu organisieren, das Spiel verlagerte sich in die Kölner Hälfte. Timo Horn hatte Glück, dass Leroy Sané nicht schnell genug reagierte, als ihm der Torwart bei der Abwehr den Ball vor die Füße legte (29.).

Gnabry nimmt die Einladung der Kölner zum 2:0 an

So steuerte die Partie auf den Halbzeitpfiff zu, als doch noch das Übliche passierte. Kimmich hatte Skhiri den Ball entwendet und Gnabry auf die Reise geschickt, und diesmal half nicht das Regelwerk, sondern der Kölner Abwehrchef Rafael Czichos, der vor dem herannahenden (aber keineswegs - eilenden) Nationalspieler zurückwich wie vor einer Klapperschlange. Gnabry nahm die Einladung an und legte den Ball in die Ecke.

Mit dem 2:0 schien für die Kölner das Spiel verloren zu sein - wann haben die Bayern zuletzt eine 2:0-Führung eingebüßt? Zudem gab es in der Kabine offenbar moderate Hinweise an die Mannschaft, ein paar PS zuzulegen. Die Partie sah nun deutlich mehr aus wie erwartet, aber immer noch nicht wie das Duell zwischen einem Abstiegskandidaten und dem einzigen Titelfavoriten der Liga. Nachdem Horn einen Kopfball von Gnabry abgewehrt hatte, meldeten die Kölner Jakobs und Wolf mit zwei halben Chancen ihr Team zurück im Wettkampf. "Wir waren zu aufreizend, zu lässig", ermahnte Müller die eigenen Kollegen.

Wider Erwarten sollte es sogar noch ein bisschen spannend werden, als ein der eingewechselte Dominik Drexler einen Schuss ins Tor abfälschte (84.). Das sah zwar stark nach Abseits aus, die TV-Ermittlungen ergaben aber etwas anderes, und auf einmal sahen sich die Münchner tatsächlich dazu herausgefordert, einen knappen Vorsprung zu verteidigen. Das taten sie mit einiger Mühe und noch mehr Erfahrung. "Wir haben es zum Glück gut und clever über die Zeit gebracht", bestätigte Flick. Und weiter geht's. Es sieht zwar nicht so aus - aber die Saison hat tatsächlich gerade erst angefangen.

© SZ/ebc
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