bedeckt München

4:0 gegen Schalke:Bayern bricht den tapferen Widerstand

FC Schalke 04 v FC Bayern Muenchen - Bundesliga

Freigestohlen: Münchens Freigeist Thomas Müller (links) beendet per Kopf Schalkes eh etwas unrealistische Zu-null-Träume.

(Foto: Lars Baron/Getty)

Der FC Schalke 04 liefert den Münchnern eine erstaunlich muntere Partie, lange bleibt die Entscheidung offen. Erst Thomas Müller und David Alaba rücken die Verhältnisse zurecht.

Von Philipp Selldorf, Gelsenkirchen

Am Sonntagvormittag verbreitete der Kicker eine Meldung, die Schalker in aller Welt mit Interesse hörten. Ihr Klub plant demzufolge, zu Beginn der Rückrunde eine Lücke zu schließen, die seit Beginn der Hinrunde ein eklatantes Loch darstellt. Vom VfL Wolfsburg soll in Gestalt des Brasilianers William ein leibhaftiger Rechtsverteidiger hinzugewonnen werden.

Grundsätzlich sicherlich eine sinnvolle Transaktion, allerdings mit zwei Einschränkungen: Nach dem Stand der Tabelle wirkt dieser Transfer, als würde man einem Ertrunkenen einen Rettungsring zuwerfen. Und im Spiel gegen den FC Bayern konnte der 25 Jahre alte Spezialist den dringend benötigten Dienst noch nicht aufnehmen, weil vor dem Leihgeschäft noch ein paar Gespräche anstehen. Es darf andererseits bezweifelt werden, ob der Einsatz des Saisonarbeiters William den Einfluss gehabt hätte, die Bayern auf dem Weg zum nächsten Erfolg aufzuhalten.

Die Münchner nahmen mit einem 4:0-Sieg wie erwartet die Punkte mit, das deutliche Resultat suggeriert allerdings einen Verlauf, den es nicht gab. Die Tore drei und vier fielen kurz vor Schluss, bis dahin war die Sache keineswegs so eindeutig, wie man sich das beim Treffen zwischen dem - jetzt noch überlegeneren - Tabellenführer und dem - jetzt noch mehr distanzierten - Tabellenletzten vorstellt. Bayern war besser, aber Schalke hatte nicht nur tapfer mitgehalten.

Während der FC Bayern mit nahezu kompletter Streitmacht anrückte (nur Corentin Tolisso fehlte) und seine Parade-Elf formierte, präsentierten die Schalker für das Spitzenspiel vergangener Zeiten einen unvollständigen Kader. Die Heimkehrer Sead Kolasinac und Klaas-Jan Huntelaar sollten ihre Muskelprobleme kurieren, um beim mutmaßlich aussichtsreicheren nächsten Spiel in Bremen mitmachen zu können, auch Salif Sané wurde geschont.

"Wir spielen manchmal zu viel Risiko, manchmal zu langsam", monierte Trainer Hansi Flick

Wie das bei solchen Spielen ist, die vorher schon entschieden erscheinen, überraschte der Außenseiter den Favoriten mit einem erstaunlich motivierten Auftritt. Das würdigte hinterher auch der Bayern-Trainer Hansi Flick: Ja, man habe "vier Tore geschossen", sagte er, "aber ich habe auch gesehen, dass wir das eine oder andere bei Ballbesitz besser machen können. Wir spielen manchmal zu viel Risiko, manchmal zu langsam. In der Defensive haben wir das eine oder andere zugelassen."

So war es Schalkes Timo Becker, dem sein Trainer Christian Gross die rechte Abwehrseite anvertraut hatte, der nach einer Minute den ersten Torschuss wagte. Manuel Neuer nahm den Ball mit Leichtigkeit entgegen. Die nächste Viertelstunde ließ zwar einen Eindruck vom Klassenunterschied der beiden Teams erkennen, doch die Partie blieb offen in beide Richtungen. Das 1:0 hätten die Schalker machen müssen, doch Mark Uth wusste die gute Flanke von Bastian Oczipka nicht zu nutzen, obwohl er besten Zugang zum Kopfball hatte - Neuer konnte abwehren (11. Minute).

Allmählich aber ergab sich aus der Münchner Feldüberlegenheit auch eine mehr oder weniger permanente Präsenz vor dem gegnerischen Tor. Leroy Sané und Serge Gnabry fuhren zwar im Strafraum gekonnt Slalom wie Rosi Mittermaier, fanden aber entweder keine Lücke oder verfehlten das Ziel. Einen clever ausgeführten Freistoß von Robert Lewandowski entschärfte Ralf Fährmann.

Die Schalker gerieten zunehmend in Bedrängnis, wehrten sich aber geschickt und wussten auch mit dem Ball etwas anzufangen, Benito Raman verschaffte Neuer bei einem Konter ein wenig Arbeit (25.). Die Bayern näherten sich dennoch Stück für Stück der Führung, und als in der 35. Minute Thomas Müller das 1:0 bejubelte, wurden die allseitigen Erwartungen erfüllt. Die Schalker mussten sich trotzdem ärgern. Joshua Kimmich hatten sie ungestört aus dem Halbfeld flanken lassen, Becker ließ Müller unbewacht.

In den letzten Minuten werden die Schalker doch noch abgestraft

Die Schalker gaben ihren Widerstand aber auch in der zweiten Halbzeit nicht auf. Zunehmend schien sich bei den Hausherren rumzusprechen, dass es gegen diese Bayern gar nicht so unmöglich ist, zu Chancen zu kommen. Die Gelegenheit zum Ausgleich verpasste Ozan Kabak mit einem Kopfball. Der Tabellenführer antwortete auf seine Weise: Ein Zuspiel von Kimmich nahm Lewandowski ebenso elegant wie effektiv auf, um dann an Kabak und Fährmann vorbeizuziehen und sein übliches Tagwerk zu verrichten. Das 2:0 bedeutete seinen 23. Saisontreffer, aber immer noch nicht die Entscheidung dieser überraschend munteren Partie.

Schalke bemühte sich ernsthaft um den Anschlusstreffer und hatte auch eine Reihe von Gelegenheiten. Erstaunliche zwölf Torschüsse versuchten die Blauen gegen den hin- und herfliegenden Manuel Neuer - Ergebnis einer engagierten Leistung und einer wieder mal erstaunlich durchlässigen Münchner Deckung. Den "Fortschritt", den Christian Gross in der Partie erkannt haben wollte, gab es also tatsächlich. "Wir haben einige Sachen sehr gut gemacht", sagte er. "Aber einige natürlich sehr schlecht" - woraus dann auch die späten Tore von Müller zum 3:0 und David Alaba zum 4:0 (mit Fährmanns Hilfe) resultierten.

"Ich wünsche natürlich den Schalkern, dass sie in der Liga bleiben und drücke alle Daumen", sagte der ehemalige Schalker und heutige Bayern-Torwart Manuel Neuer später bei Sky. Die Daumen eines Welttorhüters in allen Ehren, aber das allein wird sicher nicht reichen.

© SZ/cca/ska
Zur SZ-Startseite

Mainz schlägt Leipzig
:Ein kaum einkalkulierter Rückschlag

Auf zerfurchtem Rasen gewinnt Mainz gegen Leipzig mit 3:2 und zieht aus dem Sieg enorme Kraft für den Abstiegskampf. Julian Nagelsmann muss zugeben, dass der Überraschungserfolg durchaus verdient ist.

Von Frank Hellmann

Lesen Sie mehr zum Thema