Bundesliga: Elf des Spieltags:Für den Ausgleich eine Watschn

Gladbachs Mike Hanke wird von BVB-Coach Jürgen Klopp gemaßregelt. Aaron Hunt kassiert eine tiefrote Karte, Felix Magath rührt fassungslos im Tee - und Arjen Robben kann es den Bayern einfach nicht recht machen.

Die Elf des Spieltags

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VfB Stuttgart v 1. FC Koeln  - Bundesliga

Quelle: Bongarts/Getty Images

Gladbachs Mike Hanke wird von BVB-Coach Jürgen Klopp gemaßregelt. Aaron Hunt kassiert die roteste aller roten Karten, Felix Magath rührt fassungslos im Tee - und Arjen Robben kann es den Bayern einfach nicht recht machen. Die Elf des Spieltags.

Texte: Carsten Eberts und Sebastian Gierke

Christian Gentner

Vor 16 Monaten, beim 2:2 gegen Dänemark, absolvierte Christian Gentner sein bislang letztes Länderspiel. Danach geriet er mehr oder weniger in Vergessenheit. Mit Blick auf das Stuttgarter Spiel am Samstagnachmittag gegen den 1. FC Köln könnte man sogar von einem gelungenen Manöver sprechen, denn die Kölner hatten Gentner tatsächlich vergessen: Zweimal stand Gentner ziemlich frei, zweimal traf er ins Kölner Tor.

Dass es am Ende trotzdem nicht zum Sieg reichte, grämte Gentner gewaltig. "Wir waren zu egoistisch", sagte der 26-Jährige, "und haben das eine oder andere Mal den besser postierten Nebenmann übersehen." Über seine eigene tolle Leistung sprach Gentner kaum. Das war wiederum alles andere als egoistisch.

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Bundesliga: Elf des Spieltags:Lukas Podolski

VfB Stuttgart v 1. FC Koeln  - Bundesliga

Quelle: Bongarts/Getty Images

Über die Bedeutung von Lukas Podolski für den 1. FC Köln gibt es keine zwei Meinungen. "Barça hat Messi, Bayern hat Schweini, wir haben Poldi", sagte jedenfalls Torhüter Michael Rensing nach dem 2:2 beim VfB Stuttgart über den Kölner Alleinunterhalter. Podolski hat seinen FC mit einem Doppelpack mal wieder vor einer Pleite bewahrt. An 13 der letzten 15 Kölner Treffer war er beteiligt.

Doch der Alleinunterhalter, der Stadtheilige, der Unverzichtbare, der träumt offenbar davon, endlich mal wieder nur ein wichtiger Spieler zu sein und nicht der, ohne den nichts, aber auch gar nichts geht. Der FC sei sein "erster Ansprechpartner", sagte Podolski ziemlich defensiv zu etwaigen Vertragsverhandlungen. Angebliche Anfragen aus Russland, der Türkei und vom FC Arsenal dementierte er demonstrativ nicht.

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Bundesliga: Elf des Spieltags:Roman Hubnik

1. FC Kaiserslautern - Hertha BSC

Quelle: dapd

Es war einfach perfekt: Die fünfte Spielminute lief im Spiel des 1. FC Kaiserslautern gegen Hertha BSC Berlin. Der Ball kam im genau richtigen Tempo an die richtige Stelle, direkt vor das Tor, kein Gegenspieler, nirgendwo. Das sind die Situationen, von denen Fußballer träumen. Roman Hubnik (oben im Bild) auch - doch bei ihm werden es Albträume sein: Er lief dem Ball entgegen, hob wie ein Mittelstürmer ab und wuchtete den Ball unter die Latte - des eigenen Tores. Selten gelang ein Eigentor eindrucksvoller.

Hubnik war nach dem Spiel (Endstand 1:1) verzweifelt, doch sein Deutsch ist nicht gut genug, um dieser Verzweiflung Ausdruck zu verleihen. Er sagte: "Ball war schwer in der ersten Halbzeit in der Luft." Es ging ihm wohl um den unberechenbaren Wind im stürmischen Fritz-Walter-Stadion. Deutlicher drückte sich sein Trainer Markus Babbel aus: "Unser Ziel, kein Tor des Gegners zuzulassen, haben wir erreicht."

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Bundesliga: Elf des Spieltags:Felix Magath

VfL Wolfsburg - 1. FSV Mainz 05

Quelle: dapd

Felix Magath hatte Kamillentee in seiner Tasse, wie die Nachrichtenagentur sid herausfand, und er rührte ihn beinahe schwindelig. Nach dem enttäuschenden 2:2 (trotz 2:0-Führung) gegen Mainz 05 saß der Wolfsburger Coach auf dem Podium der Pressekonferenz, stocherte in seiner Tasse herum und sagte Sätze wie: "Ich habe keine Erklärung." Oder: "Das reicht für unsere Ansprüche nicht."

Die mit Europapokal-Ambitionen gestarteten Wolfsburger müssen den Abstiegskampf fürchten, mit nur 17 Punkten nach 15 Spieltagen steht der VfL so erfolglos da wie kaum in der Vereinsgeschichte. Magaths Problem: Den Kader hat er allein zusammengestellt, mit größtmöglicher Freiheit seitens der Klubführung. Vielleicht sollte er doch eine Erklärung haben.

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Bundesliga: Elf des Spieltags:Aaron Hunt

FC Bayern Muenchen v SV Werder Bremen  - Bundesliga

Quelle: Bongarts/Getty Images

Nein, Aaron Hunt protestierte nicht. Protestlos verließ er den Platz, protestlos verschwand er in der Kabine, auch nach dem Spiel: kein Wort des Widerstands. Es war vielleicht eine der rotesten roten Karten, die in dieser Bundesliga-Saison bislang vergeben wurde: In der 81. Minute des Bremer Auftritts in München sprang Hunt Toni Kroos in die Beine, mit beiden Sohlen vorweg. Es hätte nicht viel gefehlt und Kroos hätte das kommende halbe Jahr mit einem dicken Gips verbracht.

Kroos blieb zum Glück unverletzt, das stimmte die Werder-Verantwortlichen trotzdem nicht gnädiger. "Das war eine rote Karte, man darf sich nicht so gehenlassen", sagte Geschäftsführer Klaus Allofs: "Ich muss von einem, der bei uns Führungsspieler ist und sein will, erwarten, dass er sich besser unter Kontrolle hat." Anders formuliert: Hunt sollte sich ziemlich schnell bei seinem Arbeitgeber entschuldigen.

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Bundesliga: Elf des Spieltags:Arjen Robben

Munich's Robben and Gomez celebrate a goal against Werder Bremen during their German Bundesliga first division soccer match in Munich

Quelle: REUTERS

Viele Wochen hatte Arjen Robben nicht Fußball gespielt, vielleicht geriet sogar in Vergessenheit, dass der Niederländer ein höchst eigensinniger Spieler sein kann. Zumindest Mario Gomez weiß das nun wieder: Beim 4:1 gegen Werder Bremen hatte Robben bereits einen Elfmeter verwandelt, als die Bayern einen zweiten Strafstoß zugesprochen bekamen. Wer durfte nun? Gomez, der zweite Schütze des Teams? Er schnappte sich den Ball, wurde von Robben jedoch eines Besseren belehrt.

Robben traf zwar, wurde dennoch später kritisiert, etwa von Franck Ribéry, der im Sportstudio erklärte: "Ich dachte, dass Mario diesen zweiten Elfer macht. Für ihn, für sein Selbstvertrauen." Trainer Jupp Heynckes sah es weniger dramatisch: "Lassen Sie uns froh sein, dass er so cool war, das Ding zu verwandeln", erklärte Heynckes. Vielleicht war er auch einfach nur froh, dass er seinen Niederländer wiederhat.

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Bundesliga: Elf des Spieltags:Mike Hanke

Borussia Mönchengladbach - Borussia Dortmund

Quelle: dpa

Und dann schlug Jürgen Klopp zu. Mike Hanke wirkte nur kurz überrascht, grinste dann spitzbübisch. Hanke hatte gut lachen am Samstagnachmittag, an dem er vom Dortmunder Trainer mit einer klassischen Watschn dafür bestraft wurde, dass der Meister die Tabellenführung wieder an Bayern München abgeben musste. Hanke hatte für den späten Ausgleich im Spitzenspiel der beiden Borussias gesorgt. "Absolut eine rote Karte", grinste Hanke anschließend und fügte an: "Ich glaube, das war nicht ganz ernst gemeint von ihm. Er war vielleicht ein bisschen sauer, dass ich noch den Ausgleich gemacht habe."

Anschließend stellte Hanke noch eine recht steile These auf: "Vielleicht hätte er mich ja gerne in Dortmund." Daran zumindest darf gezweifelt werden, auch wenn Hanke im Moment eine kleine Erfolgsserie vorzuweisen hat: Er traf nach seinem Doppelpack in der vergangenen Woche auch im zweiten Spiel in Serie. Es waren seine ersten drei Tore in dieser Saison - nach mehr als 1000 torlosen Minuten.

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Bundesliga: Elf des Spieltags:Jürgen Klopp

Borussia Moenchengladbach - Borussia Dortmund

Quelle: dapd

Es war ein 1:1 der spektakulären Sorte, das die beiden Borussias am Samstagnachmittag abgeliefert hatten. Manch einer hatte sich nach dem Spiel aber gefragt, ob es nicht noch spektakulärer hätte sein können, wenn Dortmunds Trainer Jürgen Klopp nicht Nationalspieler Mario Götze im Spitzentreffen gegen Mönchengladbach so früh ausgewechselt hätte. Doch keiner wagte es, der zentralen Autorität des Dortmunder Fußballs diese Frage zu stellen.

Und so konnte Klopp ungestört Sprüche klopfen: "Jetzt ist es wieder so, wie es sein soll: Bayern ist vorne, und wir sind auch vorne dabei", erklärte der  BVB-Coach. Und: "Wir haben uns entschieden, den Verein nicht aufzulösen, obwohl wir Unentschieden gespielt haben." Seine Witzchen erstickten jeden Widerspruch. Und Klopp richtete den Blick nach vorne. "Noch zweimal schlafen", so der Trainer, dann steht Olympique Marseille vor der Tür - und die Erwartung auf ein veritables Champions-League-Wunder. Und für Wunder wird in Dortmund Mario Götze gebraucht. Ganz sicher.

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Bundesliga: Elf des Spieltags:Thorsten Fink

Hamburger SV v 1. FC Nuernberg  - Bundesliga

Quelle: Bongarts/Getty Images

Seit Thorsten Fink Trainer in Hamburg ist, ist alles anders. Ein Spiel wie gegen Nürnberg hätten die Hanseaten in der Prä-Fink-Ära sicher verloren. Zum Beispiel dieser komische Querschläger kurz vor Schluss, als der Ball in hohem Bogen auf Jaroslav Drobny zuflog: Vor einigen Wochen hätte es keinen gewundert, wenn der Hamburger Torhüter, der - vor Fink - als langsamste Bahnschranke Europas verhöhnt wurde, sich den Ball selbst ins Tor geboxt hätte. Am Sonntagnachmittag hat Drobny das Spielgerät einfach gefangen - und auch sonst hervorragend gehalten.

Unter Fink haben die Hamburger nicht verloren, und auch wenn die Leistung oft noch zu Wünschen übriglässt: Man kann gar nicht anders, als nach dem Bayern-Gen des langjährigen Münchner Spielers zu fragen. Und tatsächlich erinnert es an die Bayern, wenn Fink nach dem Spiel erklärt: "Mit unserer Leistung bin ich überhaupt nicht zufrieden. Das Wichtigste für mich war beim Sieg gegen Nürnberg, dass wir Effektivität bewiesen haben." Dreckige Siege! Unter Fink kann das jetzt auch der HSV.

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Bundesliga: Elf des Spieltags:Klaas-Jan Huntelaar

FC Schalke 04 - FC Augsburg

Quelle: dapd

Der Schalker Teemu Pukki spielte links raus auf Christian Fuchs, der wetzte die Linie entlang, passt zurück an den Sechzehner zu Pukki. Ein Schuss? Ein Pass? Egal! Der Ball kam jedenfalls zu Klaas-Jan Huntelaar. Und der Niederländer machte, was er im Moment ständig macht: ihn rein, den Ball. Diesmal sogar formvollendet mit der Hacke.

Dieses wunderschöne Tor war das 13. des Niederländers in dieser Saison, der damit in der Torjägerliste der Liga zum Münchner Mario Gomez aufschloss, was er freilich auch seinem Nationalmannschaftskollegen zu verdanken hatte (siehe Arjen Robben).

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Bundesliga: Elf des Spieltags:René Adler

Warme Worte statt Vertrag: Adler vor ungewisser Zukunft

Quelle: dapd

In der vergangenen Woche verpflichtete Bayer Leverkusen seinen jungen Wunder-Torwart Bernd Leno für eine stattliche Millionensumme. Für René Adler, die eigentliche Nummer eins, war dies bereits keine sonderlich gute Nachricht. Am Sonntag sollte eine weitere hinzukommen: Der Genesungsprozess des früheren Nationaltorhüters verläuft nicht wie gewünscht. Adler hat nach seiner Patellasehnenoperation einen Rückschlag erlitten, das Knie habe auf das Reha-Training "eine Reaktion gezeigt", wie Geschäftsführer Wolfgang Holzhäuser berichtete.

Das Januar-Trainingslager kann sich Adler damit wohl abschminken, ohnehin glaubt im Klub niemand mehr, dass Adler über den Sommer hinaus noch in Leverkusen bleibt. "Wir wollten mit ihm verlängern, aber das ging ja nicht", sagte Sportdirektor Rudi Völler. Adler könnte ablösefrei wechseln - wenn er denn wieder ganz gesund wird.

© sueddeutsche.de/ebc/segi/lala
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