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Bundesliga:Dortmund verdaddelt die große Chance

Christian Pulisic kam diesmal einfach nicht durch - sein BVB verlor in Leverkusen.

(Foto: AP)

Die Vorlage, die der FC Bayern am Nachmittag mit dem Unentschieden gegen den 1. FC Köln geliefert hatte, konnte Borussia Dortmund am Samstagabend nicht dazu nutzen, an den Tabellenführer heranzurücken. Stattdessen ist der BVB nach der 0:2-Niederlage bei Bayer Leverkusen sogar einen weiteren Punkt zurückgefallen. Der Stand des Wettbewerbs mit dem Rivalen im Süden dürfte für die Verantwortlichen zunächst aber zweitrangig sein.

Im Mittelpunkt der Betrachtung steht wohl eher die Erkenntnis, dass die neuformierte Borussia noch nicht so frühentwickelt ist, wie es zuletzt den Anschein hatte. Bayer 04 zeigte den Dortmundern mit einer taktisch animierten Energieleistung Grenzen auf. Mit rührender Leidenschaft kämpfte das junge Team bis in die letzte Sekunde der Nachspielzeit gegen die Niederlage, was ehrenwert - aber auch absehbar vergeblich war. Um 20:24 Uhr rissen die Leverkusener die Arme hoch, das Top-Spiel des sechsten Spieltags hatte den verdienten Sieger.

"Ich habe mir das Spiel ziemlich genau so vorgestellt. Man hat uns den Substanzverlust heute angemerkt", sagte Dortmunds Trainer Thomas Tuchel bei Sky. "Es hat die Frische im Kopf und auch in den Beinen gefehlt. Wir geraten nach einem Standard unglücklich in Rückstand. Das ist am Ende einer englischen Woche das Schlimmste, was einem in Leverkusen passieren kann."

Eine hochintensive und hitzige Partie

Beide Trainer sahen in den Champions-League-Engagements während der Woche keinen Anlass für großräumige Umbauten. Roger Schmidt ließ bis auf Kevin Volland das gleiche Team spielen, das am Dienstag in Monaco ein zwiespältiges 1:1 zustande brachte; Thomas Tuchel hielt bis auf Marcel Schmelzer und Mario Götze die Elf beisammen, die Real Madrid zum Remis genötigt hatte. Europameister Raphael Guerreiro, bisher im Mittelfeld eingesetzt, durfte auf seiner angestammten Position als linker Außenverteidiger spielen. Die Vorgeschichte aus dem Europacup sollte sich aber noch als erheblicher Einflussfaktor erweisen. Unter dem Druck, den frühen Rückstand wettzumachen, machte sich beim BVB zunehmend Erschöpfung bemerkbar. Bayer wusste seine Reserven besser zu nutzen.

Sowohl Schmidt als auch Tuchel hatten eine hochintensive und hitzige Partie angekündigt und damit nicht zu viel versprochen. Von Anfang an ließ keine Partei dem Gegner Platz zur Entfaltung, und so entwickelte sich ein Spiel, das aus Zweikämpfen, Zweikämpfen und noch mehr Zweikämpfen bestand. Vorwiegend trug sich das Geschehen zwischen den Strafräumen zu. Den Hausherren kam entgegen, dass ihnen zeitig die Führung glückte. Admir Mehmedi nutzte eine Flanke von Hakan Calhanoglu zum Kopfball, Julian Weigl geriet im entscheidenden Moment ins Stolpern und konnte es nicht verhindern. (10. Minute).

Das 1:0 schuf für die Leverkusener eine willkommene Ausgangslage, sie durften sich zurückziehen und dem BVB die Mühe der Spielgestaltung überlassen. Damit hatten die Dortmunder ihre Probleme, der Versuch ihr berüchtigtes Tempospiel aufzuziehen, scheiterte außer an der bestens organisierten Gegenwehr des Gegners an den vielen Ungenauigkeiten im Pass-Spiel. Hektik und Unruhe mischten sich prominent ins Handeln. Linksaußen Ousmane Dembelé veranschaulichte die Unzufriedenheit der Dortmunder mit sich selbst, indem er immer wieder aktionistische Soli startete, die am nächstbesten Bayer-Bein endeten.