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Bundesliga:Fernziel: Ende Mai

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Wann wird wieder Fußball gespielt? Platzwarte bereiten in Gladbach alles vor.

(Foto: Bongarts/Getty Images)

Was kann wann wieder erlaubt werden - und was nicht? Der Fußball steht im Zentrum dieser Debatte. Der 9. Mai ist für den Wiederanpfiff jedenfalls nicht realistisch.

Von Philipp Selldorf

Während die Profifußballvereine den Wochenkalender bisher nach den anstehenden Punkt- und Pokalspielen zu organisieren pflegten, richtet sich ihre Tagesordnung neuerdings nach den Abläufen in der politischen Programmplanung. Anstatt auf die Spielfelder blickt man auf die Zusammenkünfte der Protagonisten aus Bund und Ländern. Am Montag tagten abermals die 16 Sportminister. Diese hatten bereits in der Vorwoche zu erkennen gegeben, dass sie eine Wiederaufnahme des Spielbetriebs im Prinzip für machbar halten. Auch die nächste Beratung zwischen Kanzleramt und Länderregierungen am Donnerstag wird in den Klubs beachtet werden, obwohl derzeit niemand davon ausgeht, dass aus dieser Runde ein auch nur halbwegs verbindlicher Hinweis auf den Termin für den ersten Spieltag nach der Pause kommen wird.

Dies wird frühestens beim nächsten Gipfeltreffen am 6. Mai erwartet. Was dem Fußball derzeit bleibt: Abwarten und Ruhe bewahren, wenn im Land über die Bundesliga und ihren Rettungsplan debattiert wird. Und nicht nervös werden, wenn sich in den Talkshows Politiker moralisch ereifern. Man sei nun in gewisser Weise auch ein Spielball der Politik, sagen die Leute bei der Deutschen Fußball Liga (DFL).

"Wir verspielen damit in unserer Gesellschaft wirklich einen sozialen Zusammenhalt"

Am Wochenende erklärte Borussia Dortmunds Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke, ohne den Neustart werde "die ganze Bundesliga absaufen". Aber dieses Szenario erspart der Liga weder die Vorwürfe, die ihr wegen des wirtschaftlichen Geschäftsmodells gemacht werden, das nun etliche Vereine an den Rand der Zahlungsunfähigkeit geführt hat, noch die Zweifel an der Legitimität einer baldigen Wiedereröffnung. Ihr Ansehen als Millionärsbranche wird nun zum gefährlichen Imageschaden. In der ARD-Sendung Anne Will sagte die Grünen-Chefin Annalena Baerbock: "Wir verspielen damit in unserer Gesellschaft wirklich einen sozialen Zusammenhalt, weil das zutiefst ungerecht ist für diejenigen Bereiche, in denen ein Kind noch nicht mal auf eine einsame Schaukel darf." Zwar dürfte auch sie wissen, dass die Öffnung der Spielplätze und die der Spielfelder in den Stadien zweierlei ist, doch in dem emotionalen Stadium der Debatte stehen die Fakten oft zurück.

Der Sportphilosoph Gunter Gebauer hält Fußballspiele in der jetzigen Situation sogar für verantwortungslos. "Gesang, Theater, Schauspiel, im Wirtshaus zusammensitzen - alles, wo es zu Nähe und Körperkontakt kommt, ist strikt verboten. Und dann wird ein Vollkontaktsport wie Fußball ausgeübt? Bei anderen Sportarten wie Rudern, Gewichtheben oder Golf, wo man Abstand halten kann, wird über Wettkämpfe gar nicht erst nachgedacht", sagte der 76 Jahre alte Wissenschaftler in einem Interview der Augsburger Allgemeinen.

Solche Äußerungen kommen für DFL-Boss Christian Seifert nicht überraschend. "Die Tatsache, dass die Bundesliga wieder spielen kann, wird gleichgesetzt mit anderen Bereichen, das kann ich emotional nachvollziehen", sagte der DFL-Geschäftsführer in der vorigen Woche. "Ein bisschen Augenmaß bei der Bewertung würde mich aber schon freuen. Dass das, was wir da tun, nicht anmaßend oder überheblich ist."

Das Sicherheitskonzept der medizinischen Task Force der DFL unter Leitung von Nationalmannschaftsarzt Tim Meyer wird derzeit im Bundesarbeitsministerium geprüft. Dort ist es gelandet, weil sich das Robert-Koch-Institut und das Gesundheitsministerium nicht für zuständig erklärten. In der DFL spricht man von einer "konstruktiven Herangehensweise", das Arbeitsministerium kenne sich aus mit Arbeitsschutz. Tim Meyer berichtete, es gebe aus anderen Fußballverbänden großes Interesse am Programm der DFL-Kommission. Meyer steht seit dem vorigen Jahr der medizinischen Kommission des europäischen Fußball-Verbandes Uefa vor.

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