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Bundesliga:Dortmund mit mehr PS

Zelebriert seinen Torerfolg mit lautem Schrei: Dortmunds Jadon Sancho.

(Foto: Federico Gambarini/AFP)
  • Aufsteiger Köln startet engagiert in das Freitagsspiel und geht verdient in Führung.
  • In der zweiten Hälfte müssen die Gastgeber allerdings Tribut für ihre Energieleistung zollen und Dortmund schöpft aus der Tiefe des Kaders.
  • Das 3:1 sieht am Ende nach Programmheft aus, hat den BVB aber einige Mühen gekostet.

Um 20:20 hieß ihn der Stadionsprecher willkommen, den zweifellos prominentesten Neuzugang, den der 1. FC Köln in diesem Sommer importiert hat. Ein halbes Dutzend Cheerleaderinnen bildete das Spalier für seinen Einmarsch, die Fankurve applaudierte lebhaft, Fanfarenklänge kamen aus den Boxen. Mit festem Schritt betrat er den Rasen, selbstbewusst und unbeeindruckt vom Krach und vom Rumoren der 50000 Menschen auf den Rängen. Geißbock Hennes IX ist ein stattlicher Kerl, eine auffallend andere Erscheinung als sein eher zierlicher, liebenswerter Vorgänger Hennes VIII.

Typen mit seiner tierischen Kraft hätte der 1. FC Köln bei der Begegnung mit Borussia Dortmund brauchen können, als die heikle Schlussphase einsetzte und es darum ging, aus der Position des Schwächeren zumindest einen Teilerfolg ins Ziel zu bringen. Es hat aber niemanden verblüfft, dass der Kölner Trainer Achim Beierlorzer darauf verzichtete, den neuen Geißbock einzuwechseln, und am Ende war auch keiner unter den 50000 ernsthaft überrascht, dass der BVB die Partie durch zwei späte Treffer mit 3:1 gewann. Doch noch gewann, wie gesagt werden kann.

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Zu den Ein- und Auswechslungen haben sich später Vertreter beider Parteien auffallend häufig geäußert, nicht wegen des Ausbleibens von Hennes IX, sondern weil die Wechsel auf der einen wie der anderen Seite große Wirkung ausübten. Während Lucien Favre mit dem Einsatz von Julian Brandt, Achraf Hakimi und Jacob Bruun Larsen der Offensive des BVB eine Menge Pferdestärken hinzufügte, musste sein Kölner Kollege in der 53. Minute einen Spieler auswechseln, den er nicht ersetzen konnte, und dessen Abwesenheit die Kölner strategisch deutlich einschränkte. "Jhon Cordoba hat uns dann schon gefehlt", stellte der Kölner Sportchef Armin Veh fest.

Stimmung auf Rosenmontagsniveau

Bis der kolumbianische Angreifer, einst als 17-Millionen-Euro-Fehleinkauf in Verruf, inzwischen als unentbehrlich geschätzt, wegen einer Muskelverletzung seinen Posten räumen musste, hatte er nicht nur seinem ständigen Gegenspieler, dem rechten Innenverteidiger Manuel Akanji, Mühe und Not gebracht, sondern auch immer wieder effektvoll in den Dortmunder Spielaufbau eingegriffen. Für die Seniorchefs und Vordenker des BVB, Axel Witsel und Mats Hummels, war Cordoba ein ständiger Störfaktor. "Ärgerlich" sei dieser Verlust gewesen, merkte FC-Trainer Beierlorzer an, dem ansonsten nur noch ein zweiter Grund zur Beschwerde einfiel: "Es war ein sehr gutes Spiel von uns - leider Gottes ohne Lohn."

Während der ersten Halbzeit hatte der Borussia-Coach Favre häufig Gelegenheit zu seinem typischsten Gesichtsausdruck - seine Miene drückte Besorgnis aus, regelmäßig erschien er an der Seitenlinie, um zu ordnen, was sich einfach nicht ordnen lassen wollte. Die ganze Woche hatten Favre und Sportchef Michael Zorc die Mannschaft durch öffentliche und interne Appelle wissen lassen, dass gegen den mutmaßlich hochmotivierten Aufsteiger Schärfe und Intensität gefragt seien. Genau davon war dann sehr wenig zu sehen während der ersten 45 Minuten. "Keine Lösung nach vorn, zu langsam, nicht zielstrebig", so beschrieb es der Beobachter Roman Bürki, der sich von den zunehmenden Fehlern seiner Vorderleute schließlich selbst anstecken ließ. Beim Stand von 0:1 - Dominik Drexler hatte nach einem Eckball getroffen (29.) - verlor der schweizerische Schlussmann beinahe den Ball an den besagten Störenfried Cordoba, zum 0:2 fehlte da nicht viel. Als "Volksfest" sollten die Kölner diese Partie verstehen, hatte Beierlorzer zuvor gelehrt, und tatsächlich war die Stimmung in dieser für den BVB schwierigen Phase mindestens auf Rosenmontagsniveau.