Bundesliga:Beim VfL Wolfsburg geht es steil bergab

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März 2017: Martin Schmidt (rechts) – damals noch Trainer vom FSV Mainz 05 – reicht Andries Jonker die Hand. Der Niederländer leitete zu jener Zeit noch den VfL Wolfsburg an. Hätten die beiden sich damals träumen lassen, dass nur sechs Monate später der eine dem anderen die Klinke reichen würde?

(Foto: imago/Jan Huebner)
  • Der VfL Wolfsburg entlässt Trainer Andries Jonker und ersetzt ihn durch den Schweizer Martin Schmidt.
  • Die umstrittene Personalpolitik lenkt den Blick aber auch zunehmend auf Sportdirektor Olaf Rebbe.
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Von Javier Cáceres, Wolfsburg

Ob vielleicht hier die Lösung dabei ist? Am Montagmittag, kurz nach halb zwei, tummeln sich gut zwei Dutzend Chinesen in roten Trainingsanzügen in Wolfsburg vor der Volkswagen-Arena; und die weiße Schrift auf ihrem Rücken weist sie aus als Mitglieder eines Programms, das der Autokonzern in Fernost aufgelegt hat. "Train-the-Trainer", steht dort geschrieben, und die Idee, selbst einen Coach auszubilden, passte insofern zum Tage, als der VfL in letzter Zeit mit althergebrachten Trainern wenig Glück hatte. Am Montag war beim VfL jedenfalls mal wieder eine Trainer-Entlassung verkündet worden.

Diesmal traf es den Niederländer Andries Jonker, 54, der erst Ende Februar von Sportdirektor Olaf Rebbe als "Top-Lösung" präsentiert worden war, als der Mann, der "die besten Voraussetzungen" mitbringe, um "den VfL schnell und nachhaltig in die Erfolgsspur zurückzuführen".

19 Spieltage später wird Jonker von Martin Schmidt, 50, abgelöst, der "mit seiner Erfahrung und seinen Stärken sehr gut zum VfL passt", wie Rebbe erklärte, ehe Schmidt am Montagabend, gut 24 Stunden vor der Bundesligapartie gegen Werder Bremen (20.30 Uhr), das erste Training leitete. Doch auch Tim Schumacher, der als "Geschäftsführer Recht und Compliance, Beschaffung und Personalwesen" zusammen mit dem Finanzexperten Wolfgang Hotze die VW-Filiale VfL Wolfsburg leitet, ist sich sicher, dass "der richtige Mann für die Aufgaben, die jetzt vor uns liegen", Schmidt heißt. Der Schweizer, der in völligem Kontrast zu Jonker als Verfechter des sogenannten Umschaltfußballs gilt, trainierte zuletzt den FSV Mainz 05.

Eigentlich wäre jetzt nur noch zu definieren, wie die Aufgaben des VfL nun lauten. Vor ein paar Jahren hieß es, dass das Konstrukt VfL nur dann sinnvoll sei, wenn er den Namen in die Welt trage. Das dürfte nun umso mehr gelten, als der nationale Wiedererkennungswert von VW seit der Affäre um die gefälschten Dieselwerte sogar jenseits der 99-Prozent-Marke liegen dürfte, den VW seit Jahrzehnten hat. Doch von dem Weg, den die Konzernbosse dem VfL vorgezeichnet hatten, ist der Verein abgekommen. Dabei schien er gut unterwegs zu sein: Der VfL wurde 2009 Meister (und firmiert seither als der letzte Champion, der nicht Bayern oder Dortmund hieß); 2015 wurde Wolfsburg Pokalsieger. Im April 2016 hätte der VfL dann fast Real Madrid aus der Champions League geworfen - doch nach dem 2:0-Hinspielerfolg verließ Trainer Dieter Hecking und sein Team rund um Julian Draxler im Bernabéu-Stadion jeglicher Mut. Seither ging es derart steil bergab, dass sukzessive Hecking, Manager Klaus Allofs und Draxler gehen mussten. Und nun also auch Jonker, nach nur vier Spieltagen der neuen Saison.

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