Fußball Bayern zeigt im Fall Heynckes keine Eleganz

Wird vom FC Bayern penetrant umworben: Jupp Heynckes.

(Foto: AFP)

Je klarer Heynckes sagt, dass er im Sommer wie vereinbart aufhören möchte, desto penetranter umwerben ihn Hoeneß und Rummenigge. Dabei sollten sie die Argumente ihres Trainers lieber ernst nehmen.

Kommentar von Benedikt Warmbrunn

Die Fußballbranche verdankt dem Fußballfunktionär Karl-Heinz Rummenigge die schöne Redewendung Am Ende des Tages, festgehalten im Wörterbuch der Fußballersprache. Am Sonntag hat Rummenigge nun eine weitere Redewendung geprägt, die sicherlich bald eingetragen wird. In einer Talkrunde begann er seine Argumentation mehrmals mit der Wendung: "Wir wären schlecht beraten" - wer so beginnt, der hat am Ende des Satzes einen Sachverhalt stehen, zu dem er keine Gegenargumente duldet. Gesprochen hat Klubboss Rummenigge so zum Beispiel über Leon Goretzka, den Rummenigges FC Bayern wohl sehr bald verpflichten wird; dagegen gehen ja langsam auch dem FC Schalke 04 die Argumente aus.

Gesprochen hat Rummenigge so allerdings auch über Jupp Heynckes.

Heynckes trainiert seit knapp drei Monaten Rummenigges FC Bayern, er hat das Team zur souveränen Tabellenführung gestreichelt, im Pokal alle starken Gegner besiegt, das Achtelfinale in der Champions League erreicht. Heynckes kann viel gewinnen, bevor Ende Juni sein Vertrag endet. Also sprach Rummenigge: "Wir wären schlecht beraten, wenn wir diesen Mann kampflos aufgeben würden." Eine Meinung, gegen die nur wenige etwas einwenden dürften. Versucht hat es im Grunde nur einer.

Versuch Nummer eins, ausgesprochen im Oktober: "Ich war sehr zufrieden mit meinem Leben." Versuche zwei und drei, Anfang Dezember: "Ich mache es bis zum 30. Juni." Und: "Man weiß nie, wie viel Zeit man noch hat, sein Leben zu genießen." Versuch Nummer vier, Anfang Januar: "Ich habe alles gesagt und möchte mich dazu nicht weiter äußern." Alle Versuche kamen von Jupp Heynckes.

Der Trainer und der Verein haben ein enges Verhältnis, doch in der Frage nach der Zukunft führen sie seit Monaten einen eigenartigen Paartanz auf. Je deutlicher Heynckes erklärt, warum er im Sommer aufhören will (weil es so vereinbart war, weil seine Frau vor Kurzem operiert wurde, weil sein geliebter Schäferhund Cando alt und ohne Heynckes appetitlos ist, weil er die nächsten Jahre genießen will, weil die Arbeit als Fußballtrainer zehrend und familienfeindlich ist), umso penetranter wirbt der FC Bayern darum, dass Heynckes länger bleibt. Präsident Uli Hoeneß, der den Trainer als "ziemlich besten Freund" bezeichnet, sprach darüber auf der Jahreshauptversammlung, dann auf der Weihnachtsfeier eines Fanclubs. Rummenigge, der lange geschwiegen hatte, sagte am Sonntag: "Wir haben entschieden, dass wir einen deutschen Trainer wollen. Heynckes wäre der idealste deutsche Trainer." Und: "Man muss den Jupp, ohne ihn zu drängen, mit der notwendigen Eleganz begleiten."

Derartige Schmeicheleien hört jeder gerne, auch Jupp Heynckes. Elegant aber wäre es vom FC Bayern, die Trainerfrage weniger öffentlich zu diskutieren. Elegant wäre es, all die Klopps und Tuchels und Nagelsmänner und Löws am Rande der Tanzfläche nicht als maximal zweitidealste Lösung zu bezeichnen. Elegant wäre es, sich selbst nicht in eine Lage zu drängen, aus der es kaum einen Ausweg gibt, ohne dass mindestens einer sich selbst auf einmal fundamental widersprechen muss. Elegant wäre es, zu überprüfen, ob die eigenen Aussagen noch respektvoll sind. Elegant wäre es, Rücksicht auf den Tanzpartner zu nehmen.

Der FC Bayern wäre nicht schlecht beraten, wenn er die Argumente seines Trainers ernst nehmen würde.

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