Bundesliga: Bayer Leverkusen:Der ungläubige Sidney

Lesezeit: 2 min

Sidney Sam gilt als Leverkusens nächster Nationalspieler - und als Anwärter auf das Tor des Jahres. Lob bekommt er von allen Seiten, nur sein Trainer äußert sich betont vorsichtig.

Ulrich Hartmann

Der rennende Sidney Sam vergrub sein Gesicht in den Händen, als müsse er sich schämen. Dabei war das Gegenteil der Fall. Ungläubig und glücklich schaute er drein, als er sich ausgangs seines Jubelspurts über den halben Platz wieder den Fans zeigte. Ein Traumtor hatte der 22-Jährige geschossen: aus 20 Metern, volley und zum 3:1-Sieg für Bayer Leverkusen in hohem Bogen ins rechte Eck des Kaiserslauterner Gehäuses hinein.

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Sidney Sam feiert seinen Treffer zum 3:1 für Leverkusen gegen den 1. FC Kaiserslautern.

(Foto: AFP)

Sechs Minuten vor Schluss griff sich am Spielfeldrand der Leverkusener Trainer Jupp Heynckes begeistert mit beiden Händen ins Haar, und Sam bildete mit Daumen und Zeigefingern ein Herz, das er ins Publikum zeigte.

Eine Woche zuvor hatte sich der 22-Jährige schon einmal als Spielgewinner für die Leverkusener erwiesen, als er das Tor zum 1:0-Sieg in der Partie bei Schalke 04 erzielte. Die beiden Treffer am Sonntag, die Leverkusen halfen, einen 0:1-Rückstand zu drehen und mit einem zusätzlichen Treffer von Patrick Helmes in einen 3:1-Sieg zu verwandeln, waren Sams Saisontore Nummer drei und vier.

Erzielt hat er diese in acht Spielen, bei vier davon stand er durchgehend auf dem Platz, je zweimal war er Ein- und Auswechselspieler. Mit dieser Torquote hat der deutsche U21-Flügelstürmer die Bayer-Angreifer Stefan Kießling, Patrick Helmes und Eren Derdiyok in Sachen Effektivität zunächst einmal hinter sich gelassen.

"So ein Talent hatten wir seit Jahrzehnten nicht", hat die HSV-Legende Uwe Seeler 2007 über den damals 19-jährigen Sidney Sam gesagt, als dieser seinen Vertrag in Hamburg gerade bis Sommer 2010 verlängerte hatte. Doch Seelers euphorisches Votum verhalf dem Nordklub nicht zu der Erkenntnis, Sam selbst zum Topspieler zu formen. Nach einer Saison mit nur vier Einsätzen wurde der in Kiel geborene Sohn eines Nigerianers und einer Deutschen im Sommer 2008 an den Zweitligisten 1. FC Kaiserslautern ausgeliehen, wo er sich zwei Jahre lang derart auffällig entwickelte (und dem FCK außerdem mit zehn Treffern in 33 Spielen zum Aufstieg verhalf), dass die Leverkusener ihn im vergangenen Sommer für 2,2 Millionen Euro aus dem zwischenzeitlich bis 2011 verlängerten HSV-Vertrag herauskauften und bis 2015 banden.

Ausgerechnet der Jungspund Sam hat Leverkusen nun auf den dritten Tabellenplatz geschossen. "Es gibt nur wenige Spieler, die schneller sind als er", sagt Sportchef Rudi Völler, und Heynckes hatte bereits bei Sams Verpflichtung im Sommer festgestellt, der Junge habe "Pfeffer im Hintern".

Womöglich hat Heynckes dennoch nicht geahnt, dass der Rechtsaußen solchen Anteil am gelungenen ersten Saisondrittel bekommen würde. Sams Treffer zum 3:1 nannte Heynckes schon einmal "Tor des Jahres", aber viel mehr Lob wollte er dann doch nicht spendieren - wohlwissend, dass Sam noch einen weiten Weg vor sich hat, bis er vielleicht einmal zu jenem deutschen A-Nationalspieler wird, als den ihn mancher in der Branche schon sieht. "Ich muss mit dem Lob vorsichtig sein", sagte Heynckes, "wir haben nächste Woche wieder ein Spiel - und da erwarte ich natürlich wieder so eine Leistung von Sid."

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