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Brasiliens Aus bei der Fußball-WM:Maximales Desaster

Brazil v Germany: Semi Final - 2014 FIFA World Cup Brazil

An Wahnsinn grenzende Verzweiflung bei den brasilianischen Fans im Estádio Mineirão in Belo Horizonte

(Foto: Getty Images)

Brasilien kassiert die höchste Niederlage seiner Geschichte - in einer der wichtigsten Partien, die es gibt. Seleção-Trainer Scolari bemüht das Schicksal, doch diesmal nehmen ihm seine Landsleute das nicht ab. Was geschieht, wenn das Land aufwacht?

Es gab einige Möglichkeiten, auf den Schock zu reagieren. Da war die Trauer, da waren die Tränen, im Estádio Mineirão weinten viele Menschen einfach drauflos. Manche gaben sich dem Alkohol hin. Es soll zu Gewalt gekommen sein: eine Rangelei im Stadion, angeblich brennende Busse in São Paulo.

In den Fernsehstudios und Redaktionen erhob sich das Schimpfen und Zetern. Alles wurde verdammt und in Grund und Boden kommentiert. Die Zeitung Folha de S. Paulo titelte stellvertretend: "Historische Blamage - Brasilien wird erneut gedemütigt bei dem Versuch, eine Heim-WM zu gewinnen." Wie damals, 1950, als Uruguay das letzte Spiel 2:1 gewann. Diese Niederlage im Estádio do Maracanã in Rio de Janeiro ist als Maracanaço in Erinnerung. 64 Jahre später war die Geburtsstunde von Mineiraço.

An diesem Dienstag wären die Brasilianer mit einem 1:2 im Nachhinein ganz froh gewesen. Doch die unbarmherzigen Deutschen zimmerten ihnen sieben Tore ins Herz. 1:7! Die höchste Niederlage in der Geschichte der Seleção. In einer der wichtigsten Partien, die es gibt. Dem Halbfinale der Weltmeisterschaft im eigenen Land. Mehr Desaster geht nicht. Hätte das Land dies vorausgesehen, es hätte dem Weltverband Fifa die WM sofort zurückgegeben.

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Luiz Felipe Scolari, der Trainer, saß auf dem Podium vor der Weltöffentlichkeit. Verstecken ist nicht seine Art, er ist viele Wochen lang der Papa der Nation gewesen. Die Scheinwerfer richteten sich auf ihn, er sprach schnell, in diesem brasilianischen Singsang mit den vielen weichen Lauten. Er wirkte nicht geknickt. "Wir bitten um Vergebung bei der Bevölkerung, bitte entschuldigt diesen Fehler. Ich bin verantwortlich für das, was die Mannschaft auf dem Feld geboten hat und trage auch die Verantwortung für das Ergebnis."

Er sprach die Worte eines Menschen, der sich der Nachsicht des Volkes aussetzt. Doch dabei wirkte er abgeklärt. Als könne ihm die ganze Aufregung nichts anhaben. "Das Leben geht weiter. Für die Deutschen, für uns. Es wird wieder neue Aufgaben geben."

Scolari, den das Land bis Dienstagnachmittag ehrfürchtig Felipão nannte, gab die Richtung vor. Die deutsche Mannschaft sei eben überragend gewesen. Kann man nichts machen. Die Stärke des Gegners müssten die Brasilianer anerkennen. So oder so ähnlich äußerten sich auch die Spieler. "Diese Mannschaft spielt schon seit langem zusammen, so weit sind wir noch nicht", erklärte Torwart Júlio César. Doch lag es wirklich am unwiderstehlichen Gegner, dass das Land einem einmaligen Debakel beiwohnen musste?

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Die sechs Minuten, in denen seine Mannschaft vier Tore von Klose, Kroos, noch mal Kroos und Khedira hinnahm, seien ein unerklärliches Ereignis gewesen, beklagte Scolari. Etwas, das nicht normal sei. Aber das eben passiere. Scolari hob die Schultern. Doch diesmal nahmen ihm seine Landsleute das Schicksalhafte in seinen Erklärungen nicht ab.