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Brandãos Haftstrafe:Das Kopfnuss-Exempel

Ist der Täter inzwischen ein Opfer? Bastias Fußballer Brandão

(Foto: AP)

Der Brasilianer Brandão muss für eine Tätlichkeit im Kabinengang schwer büßen. Ein Richter schickt den Angreifer des SC Bastia für einen Monat ins Gefängnis - ohne Bewährung. Die Strafe wird in Frankreich kontrovers diskutiert.

Ein Kopfstoß gibt zu denken, grundsätzlich. Nun aber fragt man sich in Frankreich, ob das Pariser Strafgericht richtig entschied, als es den brasilianischen Fußballer Evaeverson Lemos da Silva, Künstlername Brandão (SC Bastia), wegen eines Kopfstoßes gegen Thiago Motta (St. Germain) zu einem Monat Gefängnis verurteilte - ohne Bewährung.

Oder ob dieses Urteil nicht "völlig überzogen" sei, wie Brandãos Anwalt findet. Nicht nur er denkt so: Eine Umfrage der Zeitung Le Parisien zeigt, dass etwa die Hälfte der Franzosen meint, hier werde ein Exempel statuiert.

Fußball Für Kopfnuss ins Gefängnis
Fußballprofi Brandão

Für Kopfnuss ins Gefängnis

Es ist eine drastische Strafe: Der brasilianische Fußballprofi Brandão muss für eine Kopfnuss an seinem Gegenspeler Thiago Motta für vier Wochen ins Gefängnis. Der Spieler des SC Bastia ist nicht das erste Mal negativ aufgefallen.

So oder so: Der Fall ist eine strafrechtliche Premiere. Der Kopfstoß trug sich im August im Keller des Pariser Prinzenpark-Stadions zu, nach dem Abpfiff auf dem Weg zu den Kabinen. Brandão und Motta, beide als Hitzköpfe bekannt, hatten während des Spiels verbale Bösartigkeiten ausgetauscht, gestichelt, provoziert. So soll Motta dem 34-jährigen Bastia-Stürmer zugeraunt haben: "Du bist kein Mann." So steht es in den Gerichtsakten.

Offenbar sprach er Brandão aber auch auf dessen alten Probleme mit der Justiz an. Vor zwei Jahren war der Brasilianer mit einer Vergewaltigungsklage konfrontiert worden, die jedoch mit einem Freispruch endete. Motta soll Brandão gesagt haben, er sei überzeugt, dass der das Mädchen vergewaltigt habe, worauf ihm der Gegner vorschlug, die Sache nach dem Spiel zu regeln. Unter Männern.

Und so kam es also, dass Brandão den Italiener vor vielen Zeugen und im Fokus von Überwachungskameras abpasste, mit einer trockenen Geste den Kopf ins Gesicht rammte und schnell wegrannte.