Borussia Mönchengladbach:Banner voller Beleidigungen

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Borussia Mönchengladbach: Die Gladbacher Fans feuern nicht nur ihre Mannschaft an - sie attackieren auch ihren ehemaligen Sportchef Max Eberl.

Die Gladbacher Fans feuern nicht nur ihre Mannschaft an - sie attackieren auch ihren ehemaligen Sportchef Max Eberl.

(Foto: Frederic Scheidemann/Getty Images)

Der 3:0-Sieg von Gladbach über Leipzig rückt in den Hintergrund: Auf der Tribüne entlädt sich der Frust auf die ehemaligen Gladbacher Marco Rose und Max Eberl - die wohl bald bei RB zusammenarbeiten werden.

Von Ulrich Hartmann, Mönchengladbach

Kurz vor der Pause ließ der Schiedsrichter Patrick Ittrich vom Stadionsprecher eine Warnung durchsagen. Er werde das Spiel unterbrechen, sollten die Fans von Borussia Mönchengladbach nicht ein Zaun-Banner wieder einholen, auf dem sie den Kontrahenten RB Leipzig und dessen Angestellte schwer beleidigten. Die Fans holten das Banner daraufhin wieder ein. Gladbach führte zu diesem Zeitpunkt mit 2:0. Vermutlich konnten die Fans sich ohnehin keine größere Demütigung für den gegnerischen Klub vorstellen als eine Niederlage.

Das Spiel wurde nicht außerplanmäßig unterbrochen. Gladbach gewann am Ende mit 3:0 (2:0) gegen RB Leipzig und dessen Trainer Marco Rose, der 2021 unter unschönen emotionalen Umständen nach zweijähriger Amtszeit aus Mönchengladbach zu Borussia Dortmund gewechselt war. Vergangene Woche hatte Rose mit Leipzig gegen diese Dortmunder 3:0 gewonnen, nun unterlag er seinen ehemaligen Gladbachern 0:3. "Wir haben schon schwer ins Spiel gefunden und waren im weiteren Verlauf auch nicht so sauber und zielstrebig wie Gladbach", sagte Rose, "es war eine intensive Woche, die man richtig einordnen muss, aber man hat auch gesehen, dass auf uns eine Menge Arbeit wartet."

Die Gladbacher Fans brachten während des Spiels wie erwartet und wie in den vergangenen Jahren auch ihre Abneigung gegen RB Leipzig zum Ausdruck. Diesmal noch ein bisschen mehr, weil bekannt geworden ist, dass vermutlich im Januar dort ihr früherer und einst so beliebter Sportdirektor Max Eberl anfängt.

Sie bliesen in den ersten 19 Minuten bei jedem Leipziger Ballkontakt in Hunderte von Trillerpfeifen, sie zeigten ein Banner, auf dem stand: "Keine Akzeptanz für RB" und sie beleidigten singend den Trainer Rose. An Eberl adressierten sie nacheinander mehrere Banner, mit denen sie sein bevorstehendes Engagement ausgerechnet bei RB kritisierten. Sie schrieben "Max Eberl, Dein Sinneswandel macht uns krank!" und sie beleidigten ihn auf einem weiteren Banner übel.

Leipzig wirkt weder richtig willens noch in der Lage, Gladbach Paroli zu bieten

Leipzigs Geschäftsführer Oliver Mintzlaff hatte vor dem Anpfiff bei Sky gesagt, er erwarte den Dienstantritt von Eberl zeitnah und gewiss vor jenem 1. Juli 2023, den dieser ihm im Sommer mal in Aussicht gestellt hatte. Mintzlaff sagte: "Ich hoffe, er kommt vor dem 1. Juli 2023, denn so lange werden wir nicht warten."

Rose hatte vor dem Spiel gesagt, er freue sich auf die neuerliche Zusammenarbeit mit Eberl. Sollte es soweit sein, dann wären sie schon zu dritt mit ehemaligen Gladbachern, denn Rose hat bei seinem Dienstantritt in Leipzig als Assistenten aus Gladbach auch jenen Trainer namens Frank Geideck geholt, der dort 13 Jahre lang Co-Trainer gewesen, zuletzt aber in die U23 versetzt worden war.

Gut zupass kam den Gladbacher Fans die 1:0-Führung in der 10. Minute durch Jonas Hofmann. RB-Torwart Peter Gulacsi hatte einen Kopfball von Marcus Thuram noch parieren können, doch den Abpraller drosch Hofmann ins Netz. Bevor der deutsche Nationalspieler in der 35. Minute auf 2:0 erhöhte, hatte Leipzigs aufgerückter Außenverteidiger David Raum in der Gladbacher Hälfte den Ball an Thuram verloren. Dieser rannte auf und davon und bediente Hofmann. Schon kurz vor dem ersten Gegentor hatte der Nationalspieler Raum in einem Zweikampf mit Gladbachs Joe Scally eine unglückliche Figur gemacht.

Nach der Pause kam Timo Werner für André Silva ins Leipziger Team, er war in der ersten Halbzeit geschont worden. Xaver Schlager kam für Emil Forsberg. Doch es gab kein Leipziger Aufbäumen. Ramy Bensebaini erzielte in der 53. Minute inmitten einer schockgefrosteten RB-Abwehr den Gladbacher Treffer zum 3:0. Die Leipziger wirkten weder so richtig willens noch in der Lage, Gladbach Paroli zu bieten.

"Wir haben Leipzig kaum Luft zum Atmen gegeben", freute sich Borussia-Trainer Daniel Farke. "Wir haben alles wegverteidigt, haben ein total überzeugendes Spiel gemacht und hochverdient gewonnen."

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