bedeckt München 23°

Bob-Trainer Manuel Machata:Medaillen aus dem Nichts schaffen

Public Viewing For The IOC Decision On 2018 Olympic Winter Games Hosts

Manuel Machata bei der Bekanntgabe für die Olympischen Winterspiel 2018.

(Foto: Bongarts/Getty Images)
  • Manuel Machata, Bob-Weltmeister 2011, tritt die Stelle als chinesischer Bob-Nationaltrainer an.
  • In China existiert der Bobsport nicht - es gibt keine Piloten, Bahnen oder ähnliches.
  • In einem ehrgeizigen Projekt will der Deutsche eine chinesische Mannschaft aufbauen, die 2022 bei den Olympischen Winterspielen in China erfolgreich sein soll.

Von Volker Kreisl

Das Land ist in dieser Hinsicht vollkommen unberührt. Es gibt niemanden, der einen Bob anschieben könnte. Ein Fahrer, der ganz vorne sitzen und lenken könnte, existiert auch nicht. Selbstredend steht auch nirgendwo einer der verschalten Schlitten herum, geschweige denn eine Bahn, auf der er fahren könnte. In China gibt es von alldem nichts. Es ist ein Traum für einen wie Manuel Machata.

"Das ist sensationell", sagt er: "Du kannst alles so gestalten, wie du es dir vorstellst! Du hast kein vorgegebenes System. Du baust alles selber auf!"

Manuel Machata, 31, der Bobpilot aus Berchtesgaden, ist jetzt Bob-National-Trainer von China, und das erscheint durchaus logisch. Machata hatte schon immer einen eigenen Willen, deswegen wollte er unbedingt Bobpilot werden, obwohl er als ehemaliger Skilangläufer nicht die Statur und auch eher Ausdauer- statt Schnellkraft hatte. Er ist zwar früh Weltmeister geworden, aber am Ende hat es mit der Erfolgskarriere nicht geklappt. Verletzungen, die eigene Langsamkeit und auch Konflikte mit den Verbandschefs haben ihn gebremst. Im Oktober verkündete Machata sein Karriereende, vier Wochen später erklärt er nun, fortan die Chinesen zu trainieren. "Da kannst du richtig was bewegen", sagt er.

Machata und China haben etwas gemein

Machata ist ehrgeizig, und weil die Chinesen das bezüglich ihres Bob-Plans auch sind, steht schon mal das Fundament. Peking veranstaltet im Februar 2022 die Olympischen Winterspiele, da werden sie in manchen Disziplinen Exoten im eigenen Land sein - im Bobfahren aber, das gerne die "Formel 1 des Wintersports" sein möchte, werden keine halben Sachen geplant. Es geht um Technik-Entwicklung, um Tempo und Kraft in blank polierten Karossen, also um viel Prestige. Und deshalb muss Machata nun sehr schnell richtig was bewegen, denn es werden Erfolge erwartet, am besten Medaillen.

Die Spiele sind erst in sechseinhalb Jahren, aber weil sich Chinas Bobteam zuvor qualifizieren muss, hat Machata nur fünf Jahre Zeit. Fünf Jahre, um aus dem Nichts ein Erfolgsteam aufzubauen - das erscheint im Grunde unmöglich. Doch Chinas Olympiastrategen erschien Machatas Konzept wohl am schlüssigsten, weil der Mann aus Berchtesgaden vielleicht den einfachsten und zugleich realistischsten Weg zu diesem unmöglichen Ziel weist.

Lesen Sie mehr zum Thema

Zur SZ-Startseite