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Deutsches Frauen-Skiteam:Rebensburg muss mit 16-Jährigen üben

Viktoria Rebensburg

Freut sich auf die neue Saison: die deutsche Skirennläuferin Viktoria Rebensburg.

(Foto: Stephan Jansen/dpa)
  • Die deutschen Ski-Rennläuferinnen erlebten in der vergangenen Saison historische Niederlagen.
  • Sportdirektor Wolfgang Maier wagt deshalb einen kompletten Neubeginn im Frauenteam und lässt künftig in großen Gruppen trainieren.
  • Olympiasiegerin Viktoria Rebensburg soll davon profitieren.

Von Matthias Schmid

Viktoria Rebensburg hatte sich vor einigen Wochen in Chile über sich selbst gewundert. Die Olympiasiegerin von 2010 war zum Skifahren in Südamerika. Mit der Nationalmannschaft, wie fast jeden Sommer. Da das Wetter dort aber eher mit aprilartigen Kapriolen, mal zu viel Schnee, mal zu viel Regen, von sich Reden machte, schnallte Rebensburg sich zum Zeitvertreib kurzerhand ein Snowboard unter ihre Füße. Früher hatte sie das häufiger getan. Im Urlaub mit der Familie. "Das liegt aber mindestens zwölf Jahre zurück", erzählt Rebensburg, "ich wusste gar nicht mehr, ob ich das überhaupt noch kann." Sie konnte, sie fuhr elegant den Berg hinab, "auch Carven konnte man ganz gut damit."

Für Rebensburg hat dieser Sommer noch viel mehr Neues geboten. Sie hat sich umstellen müssen, vor allem im Training in Chile - nicht nur wegen des Wetters. Der Deutsche Ski-Verband (DSV) hatte die Kader bei den Weltcup-Frauen neu eingeteilt, das ist sogar noch untertrieben. DSV-Sportdirektor Wolfgang Maier wagte nach der vergangenen enttäuschenden Saison - einzig Rebensburg war mit ihrer WM-Medaille und einigen guten Resultaten in den Speed-Disziplinen positiv aufgefallen - nichts weniger als eine Revolution.

"Wir hatten bei den Männern mit Felix Neureuther, Fritz Dopfer und Stefan Luitz historische Erfolge, aber bei den Frauen historische Niederlagen erlebt", gesteht Maier, es war also eine "historische Umstrukturierung nötig", wie er es ausdrückt. Alles ist nun neu, alles anders.

Künftig werden die besten Fahrerinnen des Landes gemeinsam in großen Gruppen trainieren, "unabhängig vom Alter", wie Maier vor dem Weltcup-Auftakt an diesem Wochenende im österreichischen Sölden sagt: "Sie sollen so schneller an die Weltspitze herangeführt werden." Rebensburg, Olympiasiegerin und WM-Zweite im Riesentorlauf, muss also künftig mit 16-Jährigen üben. "Das wird für Vicky auch eine soziale Herausforderung", findet Maier.

Die 26-Jährige allerdings empfindet das Experiment "nicht so schlimm", wie sie selber sagt. "Ich merke dadurch nur, dass ich älter werde." Nach Chile waren mit ihr sieben weitere Rennläuferinnen der Speedabteilung gereist, die Jüngste sieben Jahre jünger. Rebensburg hat das durchaus gefallen, "weil wir ein gutes Teamgefüge haben." Die jungen, unerfahrenen Sportlerinnen sollen von ihr lernen, zu ihr aufschauen. Aber nach Möglichkeit schon unter die besten 30 im Weltcup fahren.

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