bedeckt München

Peiffer holt Silber:"Das tat mal richtig gut jetzt"

210217 Arnd Peiffer of Germany celebrates after competing in Men s 15 km Individual Competition during the IBU Biathlon

Geste der Erleichterung: Arnd Peiffer nach seinem Silber-Erfolg.

(Foto: JOEL MARKLUND/imago images/Bildbyran)

Der Bundestrainer ballt die Siegerfaust, im Ziel strahlt das DSV-Team: Arnd Peiffer erlöst die deutschen Biathleten mit der ersten WM-Medaille. Das Erfolgsrezept? Nicht ans Ergebnis denken.

Von Saskia Aleythe

Ausgeflippt ist Mark Kirchner schon früher nicht, als er allen Grund dazu hatte. Früher, ganz früher, also vor 30 Jahren, da konnte Kirchner selbst noch die WM-Medaillen einfahren. 1991 in Lahti in Finnland etwa: Da gewann er trotz zweier Schießfehler das Einzel. Sein drittes Gold allein bei diesen Titelkämpfen war das damals für den 20-Jährigen, den "Schmalen", wie sie ihn nannten. Und was sagte der Biathlon-Weltmeister dann? "Ich war eigentlich mit den zwei Titeln schon zufrieden."

Abgeben konnte Kirchner seine Medaille nicht mehr, er hat sie freilich dann auch ganz gerne genommen. Auch wenn seine Gefühle nur selten Tageslicht erblicken, sind sie ja doch vorhanden, 2018 beim Olympia-Sieg im Sprint von Arnd Peiffer gab es sogar feuchte Augen zu beobachten. "Der Mark hatte echt Tränen in den Augen?", fragte dann auch Peiffer verdutzt. Bundestrainer Kirchner, hauptverantwortlich für die Männer im Team, hat in seiner fast elfjährigen Amtszeit schon ein paar Weltmeister bejubelt, nur einer von ihnen konnte aber auch das harte Einzel über 20 Kilometer für sich entscheiden: Peiffer, 2019 in Östersund.

Einen fast ekstatischen Kirchner sah man nun auf der Hochebene Pokljuka in Slowenien, die Siegerfaust schoss in die Höhe, als Peiffer im Einzel am Mittwoch 20 von 20 Scheiben bezwungen hatte. Es war eine Geste der Erleichterung des Trainers, war doch noch keiner seiner Männer bisher wirklich gut an diesem Schießstand durchgekommen. Peiffer ging, in Führung liegend, auf seine Schlussrunde, doch Norwegens Sturla Holm Lägreid war ebenfalls fehlerfrei geblieben und schnappte sich mit schnelleren Beinen und 16,9 Sekunden Vorsprung den Titel. Bronze ging an Johannes Dale, ebenfalls aus Norwegen - der konnte sich dafür sogar einen Patzer leisten. Und plötzlich standen im Zielbereich der Arena strahlende deutsche Athleten: Peiffers Silber war die erste Medaille für den Deutschen Ski-Verband (DSV) bei dieser WM. Das Erfolgsrezept? Nicht ans Ergebnis denken, "heute habe ich mich so ein bisschen von den Medaillen gelöst", sagte Peiffer am ZDF-Mikrofon. Und später: Er sei lockerer ans Rennen herangegangen, "frei nach dem Motto: Ist der Ruf erst ruiniert, lebt es sich ganz ungeniert".

Martin Fourcarde tippt auf Peiffer

Peiffer hatten ja schon Schuldgefühle geplagt, so drastisch drückte er es selber aus, auch weil ihm zunächst bei dieser WM am Schießstand so viele Projektile sonst wohin geflogen waren. Danach nicht zu vergessen, was man eigentlich kann, ist eine Kunst. "Wer 17 von 20 Schreiben treffen kann, der kann auch potenziell 20 von 20 treffen", hat er mal gesagt, mit 33 Jahren hat Peiffer schon oft erlebt, wie nach dunklen Regenwolken der Himmel auch wieder Sonnenschein durchlässt. "Die erste Woche war natürlich nicht so toll für uns. Wir hatten diverse Probleme", sagte er nun, er selber hatte ja mit Platz 20 in der Verfolgung noch für das beste Ergebnis gesorgt.

Mit Startnummer 61 war Peiffer nun ins Einzel gegangen, einige Konkurrenten hatten sich da schon Fehler erlaubt. Peiffer machte zumindest einen Glückstreffer beim ersten Stehendschießen aus. "Da habe ich einen knappen Treffer geschossen, der hat sich schon wie ein Fehler angehört", erklärte er, als er wieder zu Atem gekommen war, "aber ein bisschen Glück braucht man auch mal." In der Ergebnisliste musste man diesmal nur bis Platz 24 scrollen, um Johannes Kühn (drei Fehler) zu finden, Benedikt Doll (2) rehabilitierte sich mit Platz acht, Roman Rees (1) wurde in seinem ersten WM-Rennen in Slowenien Zehnter. Eine Mannschaftsleistung, die Peiffer zusätzlich erleichterte: "Alle machen ein gutes Rennen. Das tat mal richtig gut jetzt."

Schon die 17. WM-Medaille konnte Peiffer damit in seiner langen Karriere einsammeln und wenn man so will, war sein Erfolg auch einer für Martin Fourcade: Der Franzose war an der Waffe oft ein Genie, vier Mal WM-Gold im Einzel gelang ihm in seiner Karriere. Allein in der vergangenen Saison - seiner letzten - versenkte er in diesem Format 58 von 60 Scheiben. Und, nun ja, Fourcade reiste nun auch nach Slowenien, guckte sich ein bisschen um auf der Loipe und blinzelte in manche Kameras. Und er tippte nun also vor dem Rennen am Mittwoch: Peiffer auf Rang zwei. Kommentar des Deutschen: "Schön, dass es auch im positiven Sinne selbsterfüllende Prophezeiungen gibt."

© SZ/klef/bkl
Zur SZ-Startseite
Biathlon Weltmeisterschaft

Biathlon
:Diesmal ist das Einhorn schneller

Wieder keine Medaille: Zur Halbzeit der WM stehen die deutschen Biathleten ohne Podestplatz da. Allmählich kommt die Frage auf: Wird das noch was?

Von Saskia Aleythe

Lesen Sie mehr zum Thema