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Biathlon:Diesmal ist das Einhorn schneller

Biathlon Weltmeisterschaft

Mit Platz sieben noch die beste deutsche Biathletin: Franziska Preuß.

(Foto: dpa)

Wieder keine Medaille: Zur Halbzeit der WM stehen die deutschen Biathleten ohne Podestplatz da. Allmählich kommt die Frage auf: Wird das noch was?

Von Saskia Aleythe, Pokljuka

Wer sein Herz aufwärmen will, geht zum See. 20 Kilometer ist der Ort Bled in Slowenien von der Biathlon-Arena in den Julischen Alpen entfernt, viele Athleten und Teambetreuer sind dort untergebracht und joggen regelmäßig am Uferbereich des Bleder Sees. Malerisch funkelte er einem in den vergangenen Tagen entgegen, mit seiner kleinen Insel und den Bergen im Hintergrund, ein Anblick für die Seele. Doch manchmal nützt auch die Kulisse nicht mehr viel, wenn die Muskeln zu sehr brennen.

Frankreichs Trainer Frederic Jean hat gleich mal einen ganzen Marathon am Montagmorgen bestritten, sieben Runden rund um den See, der Zieleinlauf war nach drei Stunden und 34 Minuten ein Stolpern der Erleichterung. Jean löste damit ein Versprechen ein, nachdem seine Athletin Anais Chevalier-Bouchet hier auf der Hochebene Pokljuka etwas überraschend zwei Medaillen gewonnen hatte. Derlei Wettschulden musste man im Deutschen Ski-Verband (DSV) noch nicht begleichen, war doch die erste Woche gänzlich ohne Podiumsplatz verlaufen. Und dann kam doch allmählich die Frage auf: Wird das hier noch was?

Direkt am See sind die Deutschen bei der WM diesmal nicht untergebracht, dafür ein paar Kilometer entfernt, in einem umgebauten Bauernhof. Mancher Ausflug in den Stall wurde schon unternommen; Ziegen, Pferde, Schweine stehen dort - aber offenbar keine Glücksschwein. Als Franziska Preuß nach den 15 Kilometern am Dienstag im Einzel ins Ziel glitt, reichte die Kraft gerade noch für ein zaghaftes Lächeln. Zwar leuchtete da noch die Eins neben ihrem Namen auf, aber die 26-Jährige musste mit Startnummer zwölf dann beobachten, wie sie noch ein paar Konkurrentinnen vom Podest schubsten. Am Ende bedeutete ihr siebter Platz bei zwei Fehlern am Schießstand das beste Ergebnis aus deutscher Sicht. Tschechiens Marketa Davidova, auf deren Waffe Einhörner kleben, feierte mit einer der wenigen fehlerfreien Einlagen am Schießstand den WM-Titel (und ihren ersten Saisonsieg), Hanna Öberg (1/+27,9 Sekunden) aus Schweden gewann Silber vor Norwegens Ingrid Landmark Tandrevold (1/+1:04,0 Minuten).

Biathlon Weltmeisterschaft

Musste "beißen" in der Loipe und zitterte am Schießstand: Franziska Preuß.

(Foto: Sven Hoppe/dpa)

"Es ist der beste Einzelwettkampf der Saison für mich", sagte Preuß im Anschluss, "ich bin einigermaßen zufrieden. Manchmal hat man nicht mehr in der Hand." Rang acht und fünf in Sprint und Verfolgung reihten sich in die guten Ergebnisse ein, die Preuß schon unter der Saison abrufen konnte. Zwei Mal hatte sie es aufs Podium geschafft, es ist ihr bester Winter bisher, doch bei der WM hängen die Trauben nun noch ein bisschen höher. Um welche abzugreifen, fehlt ihr gerade der entscheidende Treffer. Wieder war das Stehendschießen ihre neuralgische Stelle, jeweils ein Fehlschuss unterlief Preuß da. Auf den Skiern habe sie "ein bisschen mehr beißen müssen als in den Tagen zuvor", auch in der Laufzeit hinkte sie diesmal etwas hinterher. Sonnenschein, Schneelandschaft, blauer Himmel, nichts machte es ihr entscheidend leichter.

Mit ihren Beinen haderte erstaunlicherweise auch Denise Herrmann, die im vergangenen Jahr in Antholz mit Silber in der Verfolgung die erste Medaille für die Deutschen erobert hatte. "Ich fühle mich nicht besonders gut auf der Stecke. Von Anfang an", sagte Herrmann nun nach dem Einzel, "ich muss mich selber immer extrem pushen, dass ich da auf Zug komme." Auf Zug kommen, also Schritt für Schritt Fahrt aufnehmen, das war immer die Stärke der ehemaligen Langläuferin gewesen. Doch in Slowenien ist gerade mehr Straßenbahn als ICE angesagt, die 21. Laufzeit stand nun in der Statistik. Ihr Training habe sie in diesem Jahr etwas "offensiver angegangen", erklärte die 32-Jährige, im Hinblick auf die Olympischen Spiele im kommenden Jahr. Also zu viel trainiert? "Ich bin halt keine Maschine", sagte Herrmann, die sich mit ihrer eigentlichen Wackeldisziplin, dem Schießen, für ihre Verhältnisse fast versöhnt hat. Zwei Fehler schoss auch sie im Einzel, was ob der müden Muskeln und der starken Konkurrenz am Ende Rang 15 bedeutete.

Sechs von zwölf Rennen sind auf der Pokljuka nun absolviert, es ist Halbzeit und die Gelegenheiten werden für die Deutschen immer weniger, um das anvisierte Ziel von vier bis fünf Medaillen noch zu erreichen. "Das ist nicht unser Anspruch, wir sind nicht zufrieden", sagte der sportliche Leiter Bernd Eisenbichler nun auch nach dem Einzelrennen der Frauen am ARD-Mikrofon, "bei den Mädels sind wir aber nicht so weit weg." Sechs Ergebnisse in den Top Acht in Sprint, Verfolgung und Einzel von Preuß, Herrmann und Vanessa Hinz, das hätte man bei einem normalen Weltcup sehr gerne als Ausbeute mitgenommen. Aber bei einer WM? Da konnte man sich an den Worten von Maren Hammerschmidt orientieren, die mit zwei Fehlern bei ihrem ersten WM-Einsatz am Dienstag auf Platz 34 landete, einen hinter Hinz (drei Fehler): "Es ist nichts Halbes, nichts Ganzes, das reicht halt bei einer Weltmeisterschaft leider für gar nichts."

Die Medaillen haben die deutschen Frauen im Gegensatz zu den Männern immerhin noch im Blick. Mehr als ein 20. Platz von Arnd Peiffer ist bisher nicht herumgekommen, am Mittwoch soll das Einzel Erlösung schaffen. "Es geht von null los, da wollen wir beweisen, dass wir zu den besten Nationen gehören", gab Bundestrainer Mark Kirchner beinahe eine Kampfansage ab. Die besten Nationen - Norwegen und Frankreich - sind allerdings schon fünf Medaillen weit weg.

© SZ
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