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Biathlon:Der Deutsche Skiverband verhält sich ausweichend

Unzweifelhaft ist, dass ihre Partei "Nationale Vereinigung" sich sehr weit außen im politischen Spektrum positioniert. Ihre Vertreter fallen des Öfteren mit scharfen nationalistischen Tönen auf. Einige von ihnen nehmen sogar an den regelmäßigen Gedenkmärschen für die lettischen Mitglieder der Waffen-SS im Zweiten Weltkrieg teil. Broka verteidigt, dass und wie der lettischen SS-Mitglieder gedacht werde. Als Spezifikum der Partei gilt nach Aussage von Politikbeobachtern auch, dass sie zwar nationalistisch auftrete, aber manche Vertreter zugleich enge geschäftliche Verbindungen nach Russland pflegten.

Vor diesem Hintergrund ist es besonders spannend, wie sich die deutsche Delegation verhält. Der nationale Ski-Verbandschef Franz Steinle, früher Präsident des Oberlandesgerichtes in Stuttgart, kandidiert in Poreč für das Amt des ersten Vize-Präsidenten. Kann es sich der deutsche Ski-Verband da leisten, eine Weltverbandschefin mit einer solchen Biografie und politischen Heimat wie die Lettin Broka mitzuwählen? Offenkundig kann er es sich zumindest vorstellen. Denn noch am Donnerstag, am Tag vor der Wahl, teilt ein Sprecher mit, dass man sich noch nicht für einen der beiden Kandidaten entschieden habe. Die Vorwürfe gegen Broka seien bekannt. "Entsprechend versuchen wir uns, über externe und neutrale Quellen ein Bild über die parteipolitische Situation in Lettland zu machen. Diese Einschätzung wird natürlich in unsere Entscheidungsfindung mit einfließen", heißt es.

Für manch anderen westlichen Vertretern in Poreč nährt dieser ausweichende Kurs den Verdacht, der DSV sei dem lettisch-russischen Lager zugeneigt. Der deutsche Verband und die ihm nahestehenden Föderationen aus dem Alpenraum, mit denen er sich über eine Linie verständigen will, dürften eine entscheidende Rolle spielen, wenn es an die Abstimmung geht. Denn derzeit sieht es so aus, als würde es ziemlich eng werden. 56 Verbände sind wahlberechtigt. Jeweils zirka ein Drittel würden die Fraktionen der beiden Kandidaten sowie der noch Unentschlossenen umfassen, hieß es am Vorabend der Wahl aus Vorstandskreisen. Und gerade die Biathlonwelt ist reich an Interessenskonflikten, dubios zusammengesetzten Delegationen und anderen Merkwürdigkeiten. Ein Vertreter berichtet der SZ gar von Befürchtungen über Stimmkäufe auf den Fluren des Tagungshotels - was nach Stand der Kriminalermittlungen durchaus Brauch in Teilen dieses Verbandszirkels sein soll.

© SZ vom 07.09.2018/tbr
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