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Biathlon:Einschläge schon vor dem ersten Schuss

Denise Herrmann

Biathletin Denise Herrmann: Startet in Kontiolahti in einen ungewissen Winter

(Foto: dpa)

Corona-Fälle in mindestens acht Teams beschäftigen die Biathleten vor ihrem Saisonstart am Wochenende. Und alle fragen sich: Wie sicher können sie durch den Winter kommen?

Von Saskia Aleythe

Händeschütteln gehört nicht gerade zur Lieblingsbeschäftigung von Biathleten. Vor allem während der Wettkampfsaison halten sich die Infektanfälligen unter ihnen gerne von anderen fern, auch schon in all den Jahren vor dem Ausbruch der Corona-Pandemie. "Im Winter hat jeder sowieso sein Desinfektionsmittel dabei", sagt Denise Herrmann; sie gehören zu den Vorsichtigen unter den Athleten. Doch wie viel Vorsicht ist gerade genug?

Mitte März hatten die Biathleten in Kontiolahti ihre Saison vorzeitig beendet, nun geht es genau dort weiter - mit zahlreichen Sicherheitsvorkehrungen, um einen Wettkampfwinter trotz Corona durchführen zu können. Wie nötig das ist, zeigen die vergangenen Tage: Teammitglieder aus mindestens acht Nationen wurden vor Ort beziehungsweise vor Reiseantritt positiv auf Covid-19 getestet; es gibt Quarantänen und Startverbote, die Einschläge sind schon vor dem ersten Schuss spürbar. Es wird ein ungewisser Winter.

Neun Stunden Busfahrt hat das deutsche Team vom Trainingslager in Muonio nach Kontiolahti absolviert, nach der langen Anfahrt stehen am Samstag mit den Einzeln die längsten Rennen im Biathlon an. Wie viele Konkurrenten dann tatsächlich starten können, wird erst der Startschuss zeigen, alle paar Stunden trudeln Updates herein. Das slowakische Team durfte gar nicht erst einreisen, sieben Teammitglieder hatten beim Trainingslager in Schweden positive Befunde bekommen, sie müssen mindestens eine Woche lang in Isolation. Um zumindest als Nation ein paar Punkte zu sammeln, haben sie Nachwuchsathleten nach Finnland geschickt. Für verpasste Wettkämpfe greift eine neue Regel: In dieser Saison werden vier statt zwei Ergebnisse im Weltcup gestrichen, so erhofft man sich einen sportlich faireren Ausgang in der Gesamtwertung.

Der Weltverband IBU hat ein Testlabor vor Ort einrichten lassen, ein negativer Test ist Teilnahmevoraussetzung, die Ergebnisse sollen in der Regel drei Stunden nach den Abstrichen vorliegen. Und so wurden die Teams aus Rumänien und Moldau fast komplett in Quarantäne geschickt, drei Russen wurden positiv getestet, auch in den Mannschaften aus Polen, Lettland und Italien gab es Nachweise auf Covid-19. Nach den Tests entscheidet das finnische Gesundheitsamt über die weiteren Maßnahmen.

Bewegung in der Blase und mit Maske

Acht Monate hatte die IBU Zeit, sich Maßnahmen zu überlegen, um trotz Ausbreitung des Virus Wettkämpfe austragen zu können. "Ich hoffe, dass wir da einen Vorsprung haben, den die Sommersportler nicht hatten", hatte Denise Herrmann noch vor ein paar Wochen im Hinblick auf die anstehende Saison gesagt. Herausgekommen ist ein langer Katalog an Vorkehrungen: Sportler und Betreuer sollen alle vier bis fünf Tage vor Ort getestet werden und sich in Kernteams von vier Personen bewegen. Körperkontakt unerwünscht, Maskentragen ist Pflicht, außer bei sportlicher Aktivität. Einnahmeverluste sind dem Sport durch fehlende Zuschauer an den Austragungsorten sicher, es bleiben aber die nicht geringen Fernsehgelder. Auch ein Vorteil gegenüber Sommersportarten.

Die Sicherheit aller Sportler habe Priorität, ließ Olle Dahlin, Präsident des Weltverbandes, vor Saisonstart ausrichten, das Eindämmen der Reiseaktivitäten sei die effektivste Maßnahme: Der Wettkampfkalender wurde deswegen zumindest auf weniger Orte begrenzt. Kontiolahti, Hochfilzen, Oberhof und Nove Mesto tragen nun zwei Wochen lang Rennen aus; Östersund, Ruhpolding, Annecy und Peking wurden gestrichen. "Das Anstrengendste im Winter sind oft nicht die Wettkämpfe, sondern die Reiserei, dadurch minimiert sich das jetzt", sagt Herrmann.

Die Athleten sind froh, dass sie überhaupt ihren Sport ausüben können, wie sehr die aufgestellten Maßnahmen aber eine Verbreitung des Virus im Biathlon-Zirkus verhindern können, bleibt abzuwarten. Denise Herrmann, vergangene Saison Dritte im Gesamt-Weltcup, hat ähnliche Ziele wie zuletzt: Viele Scheiben treffen, schnell laufen, aber auch: "Nicht krank werden."

© SZ.de/chge
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