bedeckt München

Öffentlich-rechtliches Fernsehen:Eingeschränkter Heimvorteil

Markus Eisenbichler

Volle Ränge wird es beim Skispringen in dieser Saison nicht geben.

(Foto: Damian Klamka/dpa)

Die Wintersport-Saison hat begonnen. Doch richtiger Jubel will nicht überall aufkommen. Aufgrund der Corona-Pandemie berichten ARD und ZDF aber hauptsächlich aus Studios in Köln und Mainz.

Von Fabian Dombrowski

Biathlon, Skispringen & Co. werden bekanntlich an der frischen Luft praktiziert. Sie zählen auch eher nicht zu den Körperkontakt-Sportarten wie Fußball oder Handball. Von Schutzmaßnahmen wegen Corona sind sie daher weniger betroffen als andere. Doch was für die Ausübung der Wintersportarten gilt, lässt sich nicht einfach auf deren Übertragungen durch ARD und ZDF anwenden. Dort kommt es aufgrund der Corona-Epidemie nämlich zu massiven organisatorischen Veränderungen. Die beiden öffentlich-rechtlichen Sender werden hauptsächlich aus Studios hier in Deutschland über die Wettbewerbe berichten. Vor-Ort-Berichterstattung nur noch eingeschränkt oder auch gar nicht stattfinden. Emotionale Bilder vom Pistenrand? Reporter, die sich dem Hintergrund jubelnder Zuschauer Skispringer interviewen? All das ist aus verschiedenen Gründen für diese Saison eher schwierig.

So hat sich die ARD eigens für die Winterspiele ein Studio beim WDR in Köln eingerichtet. Dieses biete "größtmögliche Flexibilität und Sendesicherheit", teilt die ARD mit. Der WDR übernimmt damit zum ersten Mal die Federführung der Wintersport-Übertragungen in der ARD. Bisher war der MDR für das Gesamtkonzept federführend. Einzelne Sendungen sollen darüber hinaus in den Studios der jeweils zuständigen Landesrundfunkanstalten produziert werden, etwa Ski beim SWR und Biathlon beim RBB. Die Reisetätigkeiten wolle man herunterfahren.

"Wo wir konkret vor Ort sein werden, entscheiden wir immer vor dem Hintergrund der aktuellen Corona-Entwicklungen, das heißt, die Planungszeiträume haben sich verändert", erklärt ARD-Sportchef Axel Balkausky auf Nachfrage der SZ. "Jeder Veranstaltungsort wird dabei einzeln überprüft, ob man nicht doch eine vor Ort-Berichterstattung umsetzen kann. Ausschlaggebend ist aber nicht die Funktion der Mitarbeiter, sondern die Frage, ob der Einsatz vor Ort verantwortbar ist."

Die Eisschnelllauf-WM in Peking ist ohnehin schon abgesagt

Das ZDF sendet aus einem eigenen Studio in Mainz, von dem aus Moderationen und Analysen sowie teilweise auch die Live-Kommentierung der Wettbewerbe stattfinden sollen. In die Wintersport-Orte selbst werden nur "kleine Teams mit dem absolut notwendigen Personal" reisen, heißt es vom Sender. Demnach sollen wenigstens ein Reporter und ein Kameramann vor Ort sein. "Es wird aber Situationen geben, in denen selbst das nicht geht", sagte ZDF-Sportchef Thomas Fuhrmann der Deutschen Presseagentur.

Insgesamt planen ARD und ZDF rund 500 Stunden Wintersport-Berichterstattung, sowohl im linearen Programm als auch mit Livestreams in den Mediatheken. Das wäre ähnlich viel wie in der vergangenen Saison. Beide Sender betonen aber, dass es jederzeit zu kurzfristigen Änderungen kommen kann. Bereits abgesagt sind unter anderem die Weltmeisterschaften im Eisschnelllauf in Peking sowie die für Januar und Februar geplanten Skisprung-Weltcups in Japan. Am vergangenen Wochenende hatte die ARD den Start der diesjährigen Wintersport-Saison übertragen. Am kommenden Wochenende übernimmt das ZDF.

© SZ/dpa/fdom/hy/rff
Zur SZ-Startseite