Biathlon:Im Wind von Finnland

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Biathlon: Mindestens ein Schießfehler: Denise Herrmann-Wick spurtet in Kontiolahti durch die Loipe.

Mindestens ein Schießfehler: Denise Herrmann-Wick spurtet in Kontiolahti durch die Loipe.

(Foto: Anders Wiklund/TT/Imago)

Die deutschen Biathletinnen verpassen beim Auftakt-Weltcup in Kontiolahti einen Podiumplatz. Im Einzel wiederholt Vanessa Voigt ihr Ergebnis von Peking - und hängt im letzten Schießen die Olympiasiegerin ab.

Von Korbinian Eisenberger

Die Entscheidung fiel in den Sekunden zwischen 13.55 und 13.56 Uhr. Die deutschen Biathletinnen Denise Herrmann-Wick und Vanessa Voigt standen am Schießstand von Kontiolahti. Letztes Schießen, stehend. Hermann-Wick schoss schneller, vier Scheiben hatte sie bereits getroffen. Und nun fehlte noch diese eine, um die Chance auf einen Platz unter den besten Drei zu wahren. Doch im finnischen Wind verzog sie den letzten Schuss. Vanessa Voigt indes veränderte etwas. Sie unterbrach ihre Schussserie, justierte neu - und räumte alle fünf ab.

Es war die entscheidende Szene für die erste Bestandsaufnahme der deutschen Biathletinnen in die frisch gestartete Weltcup-Saison. Im internen Ranking gelang Vanessa Voigt, 25, durch eine bis zum Schluss fehlerlose Schießleistung mit Platz vier im Einzel das beste deutsche Ergebnis. Herrmann-Wick war zwar die Drittschnellste in der Loipe - dennoch landete sie nur auf Rang sechs. Wären da diese zwei Schießfehler nicht gewesen.

Für die entscheidenden Szenen um den Sieg zeigten sich am Mittwochnachmittag andere verantwortlich. Hanna Öberg gelang die Kombi aus 15 Kilometer Langlauf und und 20 Schuss am besten. Den einen Fehler bei der letzten Einlage konnte sie sich leisten, weil sie ihre Langlaufskier extrem schnell durch den Schnee von Kontiolahti manövriert hatte. Hinter ihr landeten Ingrid Landmark Tandrevold aus Norwegen und die Italienerin Lisa Vittozzi auf den Top-Rängen.

Ein neuer Name

Wer ist dieser Hermann Wick? Warum startet er bei den Frauen? Unter ihrem Mädchen-Namen Denise Herrmann hatte die Verantwortliche für etwaige Verwirrungen im Einzel von Peking noch Olympia-Gold gewonnen. Inzwischen ist sie verheiratet und legt dem Vernehmen nach Wert auf die Nennung ihres Doppelnamens. Am Mikrofon der ARD war dann aber das Rennen Thema: "Ich hab zu lange gewartet beim letzten Schuss, dann zieht er bissl weg, erklärte die 33-Jährige. "Sonst bin ich eigentlich zufrieden mit dem Einstieg."

Vanessa Voigt, Vierte im Einzel von Peking, wiederholte dieses Ergebnis nun in Kontiolahti - ließ aber erahnen, dass sie sich deutlich weniger darüber zu ärgern braucht als im Februar bei den Winterspielen. In Peking hatten 1,3 Sekunden gefehlt, nun waren es 19 Sekunden - und auch wenn sie beim letzten Schießen deutlich flotter abgedrückt hätte, wäre Vittozzi nicht mehr zu schlagen gewesen. Warum sie die Schießpause einlegte? "Irgendwie hab ich da ein bisschen was verschwommen gesehen", sagte Voigt. Fazit: "Ich bin total zufrieden mit dem Einstand."

Frauen-Cheftrainer Kristian Mehringer und der seit dieser Saison hinzugekommene Disziplintrainer Sverre Olsbu Röiseland gehen mit einem guten Teamergebnis in die Staffel am Donnerstag (Frauen 13.35 Uhr, Männer 11 Uhr). Dazu trug Sophia Schneider bei, die mit achtschnellster Laufzeit bei zwei Fehlern überraschend Elfte wurde. Juliane Frühwirt (ein Fehler) verbuchte mit Platz 23 ihr bestes Weltcup-Ergebnis, Anna Weidel (zwei Fehler) kam als 26. ebenso unter die besten 30 Athletinnen. Franziska Preuß war wegen gesundheitlicher Probleme nicht angetreten, sie soll am Samstag im Sprint einsteigen. Am Ende fehlte den Frauen nur jenes Top-Drei-Ergebnis, das am Vortag den Männern gelungen war - und das trotz Herrmann-Wick.

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Biathletin Denise Herrmann-Wick.

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