Belgien bei der EM 2021:Pünktliche Rückkehr der Unaufhaltbaren

Lesezeit: 4 min

Belgien bei der EM 2021: Sie verstehen sich: Romelu Lukaku und Kevin De Bruyne (rechts) beim Torjubel.

Sie verstehen sich: Romelu Lukaku und Kevin De Bruyne (rechts) beim Torjubel.

(Foto: Anatoly Maltsev/AFP)

Top-Favorit Belgien zieht nach dem 2:0 gegen Finnland mit drei Siegen und den von Verletzungen genesenen De Bruyne, Hazard und Witsel ins Achtelfinale ein - eines der besten Offensivduos des Weltfußballs spielt sich in Form.

Von Sebastian Fischer, Sankt Petersburg

Zum Ende seiner so simplen wie einleuchtenden Schilderung musste Kevin De Bruyne selbst kurz lachen. Hatte er da womöglich gerade eine Art perfekten Spielzug beschrieben? Er war nach dem 2:0 gegen Finnland, dem dritten Sieg im dritten Gruppenspiel von Belgiens Nationalmannschaft bei dieser EM, nach dem so harmonischen Zusammenspiel mit Stürmer Romelu Lukaku gefragt worden.

De Bruyne schilderte, dass er genau wisse, wie und wo sich der Kollege im Strafraum bewege. Wenn Lukaku den Ball dann habe, sei er kaum davon zu trennen. Und wenn er schieße, nun ja, haha: Dann sei die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, dass er trifft.

De Bruyne und Lukaku suchen und finden sich auf dem Feld immer wieder

Es steht noch nicht fest, wer Belgiens Gegner im Achtelfinale am Sonntag sein wird, einer der vier besten Gruppendritten. Es steht aber schon fest, dass diesem Gegner eine der anspruchsvollsten Aufgaben im Weltfußball bevorsteht: Zu verhindern, dass einer der besten Passgeber der Welt die Füße eines der besten Stürmer der Welt findet. Dass dies zu jedem Zeitpunkt eines belgischen Fußballspiels geschehen kann, steht gerade weitaus weniger in Frage als noch vor ein paar Tagen.

Er sei "hocherfreut", hat Roberto Martínez am Montagabend in Sankt Petersburg gesagt, als er nach der Bilanz der Vorrunde gefragt wurde. Zwei Dinge habe er sich für das Ende der Gruppenphase gewünscht, als die Belgier Anfang des Monats die Vorbereitung auf dieses Turnier begannen: "Neun Punkte" und "alle verletzten Spieler zurückzubekommen". Zwar kam beim Auftaktsieg gegen Russland in Außenverteidiger Timothy Castagne ein Verletzter hinzu, der fürs Turnier ausfällt. Ansonsten ist aber beides in Erfüllung gegangen.

Die Belgier hatten schon vor dem abschließenden Spiel gegen Finnland als Achtelfinalist festgestanden, es ging also um eine Belastungsprobe für die Rekonvaleszenten, das hatte Martínez vorher angekündigt. Mittelfeldspieler Axel Witsel, Flügelspieler Eden Hazard sowie De Bruyne sollten erstmals nach Verletzungen wieder von Beginn an auflaufen.

Im Fall von Witsel, 32, war der medizinische Aspekt dabei wohl am beachtlichsten. Zwei Mannschaftsärzte waren in der vergangenen Woche in der Pressekonferenz der Belgier in Tubize nahe Brüssel erschienen, um dem Comeback nur etwa fünf Monate nach einem Achillessehnenriss ihren Segen zu geben. Nach seiner Einwechslung beim 2:1 gegen Dänemark hielt der Mittelfeldspieler von Borussia Dortmund nun 90 Minuten durch.

Im Fall von Hazard, 30, war die Absenz aus Belgiens Startelf am längsten gewesen, und das beim stellvertretenden Kapitän des Teams, es war also die mit den meisten Emotionen aufgeladene Personalie. "Eden ist wieder Eden", hatte Martínez vor dem Spiel über den Profi von Real Madrid gesagt, der seit seinem Wechsel vom FC Chelsea vor zwei Jahren seine Form sucht, immer wieder gebremst von Knöchelproblemen.

"Er hat sich in gute Positionen gespielt", sagte Martínez nach dem Spiel, er sah seine Eindrücke bestätigt, sah Hazard Haken schlagen, nach rechts wie links. "Er fühlt sich stark, er fühlt sich glücklich. Sein Körper reagiert gut. Der nächste Schritt ist, wieder den letzten Pass von ihm zu sehen."

De Bruyne, 29, hat diesen letzten Pass vor drei von vier Toren gespielt, die Belgien gelangen, seit er beim Stand von 0:1 in Dänemark in der vergangenen Woche zur Halbzeit ins Spiel kam. Wenige Minuten später legte er den Ausgleich von Thorgan Hazard vor. Das 2:1 konnte er nicht vorlegen, er schoss es selbst.

Am Montagabend schlug er vor dem 1:0 die Ecke in den finnischen Strafraum, Thomas Vermaelen traf mit seinem Kopfball das Lattenkreuz, und Finnlands zuvor so starker Torwart Lukas Hradecky stupste sich den Ball selbst über die Linie. Beim 2:0 fand De Bruyne dann Lukaku, so wie er es später selbst beschrieb: Genau im richtigen Moment, in dem sich der hünenhafte Stürmer mit dem Rücken zum Tor platzieren, den Ball sichern, sich drehen und abschließen konnte, alles in einer fließenden, rauschenden Bewegung.

Es war nicht das erste Mal, dass die beiden Protagonisten, die sich seit Jahren kennen und schon beim FC Chelsea gemeinsam spielten, suchten und fanden. In der ersten Halbzeit vergab Lukaku eine Kopfballchance nach einem aus dem Halbfeld gechippten De-Bruyne-Pass, wie er sie auch bei Manchester City so oft zu spielen pflegt. Hätte ein Basketballkorb dort im Strafraum gestanden, wo der Ball hinkommen musste, er wäre ohne Ringberührung durch die Reuse gefallen.

"Am Anfang hatte ich ein wenig Angst, in die Zweikämpfe zu gehen", das hat De Bruyne vor ein paar Tagen über seine Verletzung gesagt. Unter Tränen verließ er im Champions-League-Finale Ende Mai das Feld, lädiert mit mehreren, inzwischen operierten Gesichtsbrüchen nach einem Zweikampf mit Antonio Rüdiger.

Er weinte auch in der Gewissheit, nichts mehr am Verlauf der Partie ändern zu können, die der FC Chelsea da schon im Begriff war, mit 1:0 zu gewinnen. Er habe gewusst, es zum ersten EM-Spiel gegen Russland, das die Belgier ohne ihn 3:0 gewannen, nicht schaffen zu können. Die Partie gegen Finnland werde seinem Rhythmus guttun.

Und es war ein guter Test: Auf einen tiefstehenden Gegner, wie es die Finnen am Montag waren, weil ihnen ein 0:0 zum Weiterkommen gereicht hätte, könnten die Belgier auch im Achtelfinale wieder treffen. Zu verteidigen, mit allem was man hat, das ist gegen sie schließlich keine ganz unlogische Option.

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