Bayern-Trainer und Politik:Pep legt sich mit dem Innenminister an

Pep Guardiola

Mischt sich gerne in Themen der großen Politik ein: Pep Guardiola, Katalane und Trainer des FC Bayern.

(Foto: dpa)
  • Pep Guardiola engagiert sich politisch für seine katalanische Heimat.
  • Jetzt legt er sich mit dem rechtskonservativen spanischen Innenminister Jorge Fernández Díaz an.

Von Javier Cáceres

Wenige Wochen vor den Parlamentswahlen in Katalonien hat Pep Guardiola, Trainer des FC Bayern München, auf eine Polemik von Spaniens rechtskonservativem Innenminister Jorge Fernández Díaz reagiert. In einem Internet-Interview für die katalanische Sportbewegung "Guanyarem" (Wir werden siegen) erklärte Guardiola, es sei "nicht in Ordnung" gewesen, dass ihm der Minister unterstellt habe, einst einzig aus "finanziellem Interesse" für die spanische Fußballnationalelf gespielt zu haben.

Fernández Díaz hatte mit dieser Kritik auf die "symbolische Kandidatur" Guardiolas für das Parteienbündnis "Junts pel Sí" (Gemeinsam für das Ja) reagiert. Das Bündnis tritt für die Loslösung der mit weitgehenden Autonomierechten ausgestatteten Region Katalonien von Spanien ein. Guardiola stellt sich in Barcelona zur Wahl, er steht dort auf dem 85. und damit letzten Listenplatz des Bündnisses. Er wird nach den Wahlen vom 27. September daher auch keinen der 135 Sitze des katalanischen Regionalparlaments besetzen.

Guardiola will eigene Auswahlmannschaften für Katalonien

In dem Interview bekennt sich Guardiola zu den Zielen von "Guanyarem": der Schaffung eigenständiger Auswahlmannschaften in allen Sportarten sowie der Gründung eines Olympischen Komitees Kataloniens. "Wenn es damals (als Guardiola noch aktiver Profi war/d. Red.) einen katalanischen Staat gegeben hätte, wäre ich für Katalonien aufgelaufen, weil ich in Santpedor geboren wurde. Aber damals war das nicht möglich", sagte Guardiola, der 1992 in Barcelona mit Spanien Olympiasieger wurde und an Welt- und Europameisterschaften teilnahm.

Er sei immer der Ansicht gewesen, dass "die beste Art, darzustellen, was wir sind, darin besteht, unsere Arbeit so gut wie möglich zu machen". Daher sei er stets begeistert zur spanischen Nationalelf gereist und habe bei Barça, in Brescia, in Katar und Mexiko "so gut wie möglich" gespielt: "Jetzt bin ich hier beim FC Bayern Trainer und gebe genauso viel wie damals in Barcelona."

Schwarzgelder als verbaler Konter

Guardiola nutzte das Interview für eine weitere Spitze gegen Minister Fernández Díaz: "Ich habe meine Steuern vom ersten bis zum letzten Tag gezahlt, viele politische Parteien können nicht dasselbe von sich behaupten." Damit spielt Guardiola auf den monumentalen Schwarzgeld-Skandal an, der die konservative Volkspartei (PP) von Ministerpräsident Mariano Rajoy seit Jahren erschüttert und bis heute weitgehend unaufgearbeitet ist.

Teile dieser Gelder wurden laut einem undementierten Bericht der Zeitschrift Mongolia aus dem Jahr 2013 auch für Gratifikationen an Journalisten in Katalonien verwandt - zu Zeiten, als Fernández Díaz dem dortigen Regionalverband der PP vorstand.

Guardiola verteidigte sein Engagement für die Unabhängigkeit. Im Interview zitiert er den mit ihm befreundeten Sänger Lluís Llach, der sagt, "dies sei die demokratischste Revolution, die es je gegeben hat". Guardiola abschließend: Man wisse, was man an Spanien habe, nun aber wollten die Katalanen "ihre Mittel selbst verwalten, eigene Gesetze machen . . . Und dann werden wir sehen, wohin wir gelangen."

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