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Bayern-Sieg in Bremen:Zu wenig Rivalität

FC Bayern Werder Bremen Thomas Müller

Freude bei Thomas Müller: Er war wieder einmal der effektivste Bayern-Spieler.

(Foto: AP)
  • Der FC Bayern hält den vor dem Spiel so aufmüpfigen SV Werder klar in Schach, profitiert aber von einer Fehlentscheidung des Schiedsrichters.
  • Bremens Chefkritiker Eichin fühlt sich bestätigt: "Wenn man nur zehn Minuten vor und 15 Minuten nach der Pause die Zweikämpfe hart führt, kann man das Momentum nicht nutzen."
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Clemens Fritz wirkte aufgebracht. Der Kapitän des SV Werder war fürchterlich unzufrieden mit dem, was die Bremer im Bundesliga-Klassiker gegen den FC Bayern angeboten hatten. "Wir haben sehr ängstlich agiert. So kannst du gegen die Bayern nichts holen." Oliver Kahn hätte zu aktiven Zeiten gesagt, den Spielern hätten die Eier gefehlt. Weniger feingeistige Menschen hätten behauptet, die Bremer hätten sich vor der Partie in die Hose gemacht. Fritz, der 1980 in Erfurt geboren wurde, aber gefühlt seit etwa 50 Jahren für Werder spielt, wählte ein ungewöhnlicheres Bild: "Mir kam es so vor, als hätten wir vor dem Spiel den Kolben in der Hose gehabt."

Dabei hat der 34 Jahre alte Wortführer von der Weser ja selbst noch die Zeiten miterlebt, in denen mutige Bremer den Münchnern fast alljährlich zusetzten. Doch ausgerechnet nach dem Vorgeplänkel der vergangenen Tage, in denen sich die Sportchefs Thomas Eichin und Matthias Sammer verbal duellierten wie einst die Intimfeinde Willi Lemke und Uli Hoeneß, zeigte sich Werder mitunter zahm wie ein Schoßhündchen.

Ein Schlenzer, zwei Vorlagen: Müller an drei Toren beteiligt

Heraus kam ein überzeugender 4:0 (2:0)-Auswärtssieg des designierten Meisters, der mit kühler Effizienz durch einen herrlichen Schlenzer von Thomas Müller (24.) und einen nicht minder sehenswerten Freistoß von David Alaba (45.) die Passivität des Gastgebers vor der Pause entscheidend bestrafte. Dem mal wieder enorm effektiven Müller, der später mustergültig den Doppelpack von Robert Lewandowski vorbereitete (79., 90. +1), war's nur Recht: "Die ganzen Aussagen vor dem Spiel waren uns eigentlich egal. Aber es war nach dem Highlight am Mittwoch nicht so einfach, im Bundesliga-Alltag dagegenzuhalten. Dafür muss man der Mannschaft ein Kompliment machen."

Auch Trainer Pep Guardiola war voll des Lobes. "Wir haben das sehr, sehr gut gemacht. Meine Spieler hatten die volle Konzentration. Die zehn Minuten Probleme nach der Pause sind ganz normal." Überhaupt nicht wollte der Katalane auf den Eichin-Vorwurf der Bevorzugung seiner Person eingehen: "Dieses Thema interessiert mich nicht."

Die aus dem Bremer Lager angezettelten und von Münchner Seite erwiderten Provokationen, bei denen ob der Eishockey-Vergangenheit des Werder-Geschäftsführers Eichin ein Puck in den Mittelpunkt der Wortgefechte geriet, schienen vor allem Werder nicht zu helfen. "Über die Rivalität wurde viel diskutiert", gestand Antreiber Zlatko Junuzovic später, "die hätten wir besser auf dem Platz zeigen müssen."

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Der offenbarte Respekt erstaunte auch Bremens Chefkritiker Eichin, der offensiver auftrat als irgendeiner seiner Spieler: "Ich fühle mich in ein paar meiner Aussagen bestätigt", sagte der Geschäftsführer, "wenn man nur zehn Minuten vor und 15 Minuten nach der Pause die Zweikämpfe hart führt, kann man das Momentum nicht nutzen."

Irgendwie bekamen die Grün-Weißen den Gegner nicht zu fassen, obwohl dieser ohne Franck Ribéry und Arjen Robben angetreten war. Passsichere Spieler wie Alaba, Bastian Schweinsteiger und Sebastian Rode sorgten aber dafür, dass die Münchner am Ende doch wieder auf 72 Prozent Ballbesitz kamen.

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Im Grunde gab es nur eine Phase, in der sowohl Werder als auch das Weserstadion erwachten: Zwischen der 65. und 75. Minute agierte der Gastgeber so giftig und gallig, wie es zu erwarten gewesen wäre. Ein aberkanntes Werder-Tor und zwei Rudelbildungen mit insgesamt fünf gelben Karten (gegen Santiago Garcia, Sebastian Prödl und Junuzovic sowie Mehdi Benatia und Jérôme Boateng) sorgten für turbulente und diskussionswürdige Szenen. Müller fand es rückblickend "amüsant, da kam ein bisschen Stimmung rein".