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Bayern-Sieg gegen HSV:Bis nur noch die Rücklichter zu sehen sind

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Abklatschen, weitermachen: Alonso (links) und Højbjerg

(Foto: Odd Andersen/AFP)

Der Bayern-Bus rollt: Beim Pokal-Erfolg in Hamburg starten die Münchner Angriff um Angriff. Danach widmen sie sich gleich der nächsten Aufgabe - und warnen vor dem BVB. Kann der Tabellenfünfzehnte den FC Bayern aufhalten?

Von Carsten Eberts, Hamburg

Einige Hundert Fans begleiteten das Fahrzeug auf den ersten Metern, dann sahen sie nur noch die Lichter. Der Bayern-Bus rauschte davon in die Nacht. Die Münchner waren da gewesen, sie hatten ihr Tagwerk verrichtet, nun rollten sie weiter zur nächsten Aufgabe.

Niemand soll die Bayern derzeit aufhalten, auch diese Botschaft steckte in diesem Bild. Eine halbe Stunde zuvor waren sie mit 3:1 souverän ins Achtelfinale des DFB-Pokals eingezogen. Der Hamburger SV hatte es nicht geschafft, das Vorhaben zu gefährden. Auch ein Flitzer, der Franck Ribéry in der Nachspielzeit mit einem Fanschal eins übergewischt hatte, störte die Ruhe nur kurz.

Der HSV entschuldigte sich sofort für die Sicherheitspanne, die Bayern nahmen an. Thema erledigt. Kein Münchner wollte die Angelegenheit zu groß werden lassen. Bloß nicht den Fokus verrücken, lieber gleich die nächste Aufgabe anvisieren. Ablenkungen sind unerwünscht, die Bayern wollen weiterrollen.

Im September beim 0:0 im Ligabetrieb hatten sich die Bayern vom forschen Pressing des HSV noch irritieren lassen. Joe Zinnbauer, der neue Hamburger Coach, hatte seinem Team damals binnen Tagen einen neuen Spirit verpasst, damit hatten die Münchner nicht gerechnet. Sein Team habe "die Lektion gelernt", freute sich Trainer Pep Guardiola nun. Seine Spieler lernen schnell, wollte der Katalane damit zum Ausdruck bringen.

Das torlose Unentschieden der Bayern am Wochenende gegen Mönchengladbach hatte keine tieferen Spuren hinterlassen. Nur sieben Minuten waren gegen den HSV gespielt, da klappte das Toreschießen wieder. Robert Lewandowski hatte einen Katastrophenfehler von Heiko Westermann zur frühen Führung genutzt, ehe der bockstarke David Alaba (44.) und Franck Ribéry (55.) mit Fernschüssen nachlegten. Pierre-Michel Lasogga (85.) konnte nur noch verkürzen. Es war abermals bemerkenswert, wie die Bayern nach der frühen Führung nach vorne drängten, und auch nach dem 2:0 keinen Gedanken daran verschwendeten, zumindest für eine halbe Stunde in den Verwaltungsmodus zu schalten, Kräfte zu schonen.

Nun das Topspiel gegen den Fünfzehnten

Insbesondere Ribéry und Thomas Müller initiierten auch bis weit in die zweite Halbzeit hinein Angriff um Angriff, sie hätten jeder noch zwei Tore mehr herausschießen können, Müller sogar müssen. "Das haben vor uns schon andere Mannschaften erlebt", sagte Zinnbauer, der mit dieser gesichtswahrenden Niederlage ausdrücklich leben konnte: "Positiv war, dass wir bis zum Schluss nicht aufgegeben haben. Viele stellen sich dann nur noch hinten rein." Nur 1:3 gegen die Bayern, das liest sich nicht schlecht.

Damit war das Pokalspiel abgehandelt, und die Bayern versuchten noch in den Katakomben der Hamburger Arena, den Fokus auf die nächste Aufgabe zu richten. Am Samstag geht es in der Liga gegen Borussia Dortmund, viele große Duelle haben sich beide Klubs in den vergangenen Jahren geliefert. Entsprechend wollte sich kein Münchner davon blenden lassen, dass die Dortmunder in der Liga ihre schwerste Schaffenskrise seit Jahren durchleben, bis auf Rang 15 abgerutscht sind - und mit einer weiteren Niederlage in München endgültig im Abstiegskampf angekommen wären.

Ein vermeintlich leichtes Duell gegen einen angeschlagenen BVB, diesen Eindruck wollen die Münchner unbedingt vermeiden. "Dortmund ist immer gefährlich", versicherte Müller, "gegen die werden wir sicher nicht zur Halbzeit 5:0 führen." Auch Philipp Lahm bemerkte, er sehe die Partie als "echtes Topspiel", auch, wenn der Erste gegen den Fünfzehnten auflaufen wird.

In dieser Phase der Saison gibt es für die Bayern nur eines: weiterrollen. Bis die Konkurrenz wirklich nur noch die Rücklichter sieht.

© Süddeutsche.de/leja

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