Bayern II gegen 1860 II Erstklässler vor dem Raubtiergehege

Nicholas Helmbrecht (re.): Bayern-Verteidiger Felix Pohl muss für das Foul an ihm vom Platz.

(Foto: Christina Pahnke/sampics)
  • Das torlose Derby der Amateure des FC Bayern und des TSV 1860 erlebt seinen besten Moment bei der Gedenkminute für Stephan Beckenbauer.
  • 1860 vergibt trotz Überzahlspiels viele Chancen.
Von Benedikt Warmbrunn

Heiko Vogel kauerte hinter zwei Metallkisten, das Haar vom Schweiß fest an den Kopf geklebt, in der Hand eine Semmel, belegt mit Schinken und Gürkchen. Der kauernde Vogel stopfte die Semmel in sich hinein, weg war das erste Gürkchen, weg war das zweite Gürkchen, weg war der Schinken. Weg war die Semmel. Heiko Vogel war ein hungriger Semmelstopfer. Und ein wütender.

Vogels Hunger und Vogels Wut waren in den zwei Stunden zuvor stetig angewachsen, in zwei Stunden, in denen nichts so war, wie er, Vogel, sich das vorgestellt hatte. Und auch nachdem er seinen Hunger gestillt hatte, dachte Vogel überhaupt nicht daran, seine Wut zu verbergen.

Im ersten Heimspiel in der neuen Saison in der Fußball-Regionalliga Bayern hatte Vogels Mannschaft, der FC Bayern München II, kein Gegentor kassiert und auch kein eigenes Tor geschossen. Doch daran störte sich Vogel nicht. Er störte sich vielmehr daran, wie der Sonntagmittag im Stadion an der Grünwalder Straße verlaufen war. Und besonders störte er sich daran, weil der Gegner der TSV 1860 München II war. Weil es also das erste Spiel war, in dem sich nahezu die gesamte Landeshauptstadt dafür interessierte, wie Vogel als neuer Trainer die Mannschaft des FC Bayern II aufstellte. 11 358 Zuschauer waren zum Derby der Amateure gekommen.

Und dann wirkte seine Mannschaft wie eine aufgeregte Gruppe Erstklässler vor dem Raubtiergehege.

"Die erste Halbzeit geht wohl auf meine Kappe", sagte Vogel, er sagte es mit der bissigen Ironie desjenigen, der sich seiner sauberen Kappe sicher ist. "So wie wir gespielt haben, habe ich wohl das Falsche gesagt." Wenig später präzisierte er: "Der Auftritt in der ersten Halbzeit war unterirdisch. Da hat die Mentalität gefehlt." Es war eine harte Kritik, ganz in der Intensität, die den Mittag geprägt hatte.

Wie zuletzt bei den Münchner Amateure-Derbys üblich bildete die Polizei rund um das Stadion einen dichten Ring aus Einsatzwagen und dick gepanzerten Beamten. Die beiden Fanlager begrüßten sich vor dem Anpfiff mit verbalen Gemeinheiten, diese verstummten kurz, als das gesamte Stadionpublikum mit einem einminütigen Applaus dem am Samstag verstorbenen ehemaligen Jugendtrainer Stephan Beckenbauer, der für beide Klubs gespielt hatte, gedachte. Die Friedlichkeit hielt nicht lange. Kaum hatte Schiedsrichter Peter Sippel die Partie angepfiffen, zündeten Zuschauer im Block des FC Bayern Pyrotechnik, Sippel musste für mehrere Minuten unterbrechen. Nachdem er das Spiel wieder freigegeben hatte, begannen jene Minuten, über die sich Heiko Vogel noch zwei Stunden später ärgerte.