FC Bayern Drei Namen hallen durch München

Es gibt Transfergerüchte um Mats Hummels, Timo Werner und Lucas Hernández

(Foto: Getty/Getty/AFP)
  • Nach dem 1:0-Sieg gegen Leipzig bestimmen Transfergerüchte die Debatte beim FC Bayern.
  • Befeuert durch die Ankündigung von Sportdirektor Hasan Salihamidzic, möglicherweise schon im Winter tätig zu werden, kursieren vor allem drei Namen in München.
  • Es geht um die Spieler Lucas Hernández und Timo Werner, die zum FC Bayern wechseln könnten - und um Mats Hummels, der den Klub verlassen könnte.
Aus dem Stadion von Martin Schneider

Vielleicht könnte man die Frage nach der Zukunft des FC Bayern ein bisschen klarer beantworten, wenn Karl-Heinz Rummenigge und Uli Hoeneß Joshua Kimmich ins Vertrauen ziehen würden. Der FC Bayern hatte gerade Leipzig 1:0 dank eines späten Tores von Franck Ribéry geschlagen und Kimmich hatte die wenigen relevanten Fragen zum Spiel schon beantwortet ("Murkskick", "Haben in dieser Saison schon deutlich besser gespielt und nicht gewonnen. Aber in unserer Situation nehm ich lieber so ein Spiel"), da ging es um Lucas Hernández. Er kenne ihn nicht, sagte Kimmich, "aber ich habe schon ein paar Mal gegen ihn gespielt. Als wir gegen Frankreich 1:2 verloren haben (im Oktober; Anm. d. Red.) hat er ein überragendes Spiel gemacht." Ein Super-Spieler sei das. Aber ob die Berichte stimmen, wisse er nicht. "Die Bosse sprechen das leider nicht mit mir ab, wenn sie einen Transfer tätigen", sagte Kimmich und lachte.

Es ging an diesem Bundesliga-Abend, der eigentlich einer der erfreulichsten Bundesliga-Abende des FC Bayern seit langem war (starken Gegner geschlagen, starken Gegner zu null geschlagen, Abstand auf den BVB in der Tabelle auf sechs Punkte verringert), nach dem Spiel fast ausschließlich um die Fragen, wer, wann und zu welchem Preis vielleicht zum FC Bayern kommt und wer den FC Bayern vielleicht wieder verlässt. Es ging dabei sehr konkret um die Namen Lucas Hernández, Timo Werner und Mats Hummels. Und weil die Bosse Transfers nicht mit Joshua Kimmich, sondern mit Hasan Salihamidzic absprechen, ist die Lage bei allen dreien ein bisschen kompliziert, darum vielleicht einfach der Reihe nach.

Lucas Hernández ist 22 Jahre alt, Franzose, Weltmeister, Linksfuß, bei Atlético Madrid unter Vertrag, spielt oft als linker Außenverteidiger, ist aber gelernter Innenverteidiger und kommt auch auf der Position zum Einsatz. Die spanische Zeitung Marca berichtete am Mittwochabend ziemlich selbstbewusst, Hernández würde dank einer Ausstiegsklausel von 80 Millionen Euro bereits im Winter zum FC Bayern wechseln. Der Klub Atlético veröffentlichte am selben Abend noch ein Statement, in dem offiziell stand, dass Lucas Hernández nicht die Absicht habe, Atlético zu verlassen. Aber als Karl-Heinz Rummenigge sein offizielles Statement abgab, hörte sich das anders an. "Ich kann nichts dementieren, ich kann auch nichts bestätigen, bestätigen kann man erst etwas, wenn es fix ist, aber fix ist noch nichts", sagte er und deutete an: "In Spanien gibt es ja immer eine Ausstiegsklausel zu allen Zeitpunkten, und das ist in diesem Fall sicherlich ein Vorteil." Hasan Salihamidzic sagte, die Sache mit Hernández sei ein Gerücht, und er verkünde erst etwas, wenn es etwas zu verkünden gebe.

Um die Wahrscheinlichkeiten im Fall Hernández beurteilen zu können, muss man widerum den Fall Mats Hummels berücksichtigen. Da schlagzeilte die Bild am Mittwochabend ziemlich selbstbewusst "Hummels will weg" und schrieb, dass sich einer seiner Berater in London herumgetrieben hätte - der wiederum bei Sport1 die Wechselgerüchte entschieden dementierte. Später am Abend korrigierte auch Bild die Meldung. Der Berater sei nicht in London gewesen. Hummels spielte gegen Leipzig, weil Boateng mit einem eingeklemmten Nerv ausfiel, stapfte danach aber erneut ohne ein Wort durch die Interviewzone. Dazu muss man wissen, dass Mats Hummels, wenn alles in Ordnung ist, eigentlich nie schweigend an Mikrofonen vorbeigeht. Hasan Salihamidzic bestätigte, dass es ein Gespräch zwischen ihm, Rummenigge und Hummels gab. Ein "gutes Gespräch" sei das gewesen. "Mats fühlt sich sehr wohl in München und wird im Winter bleiben."

Hernández und Werner wären in der Champions League spielberechtigt

Wie jemand, der sich sehr wohl fühlt, sah Hummels beim Gang aus dem Stadion weiß Gott nicht aus. Es heißt, er habe größere Differenzen mit Trainer Niko Kovac. Der ließ ihn in der jüngeren Vergangenheit auch konseqeunt auf der Bank - obwohl Konkurent Jérôme Boateng wiederholt Fehler machte. Auf die Reservistenrolle von Hummels angesprochen, verwies Salihamidzic auf den normalen Konkurrenzkampf. Auf Nachfrage, wie das Gespräch denn ablief, meinte der Sportdirektor: "Mats hat uns seine Sichtweise geschildert, und ich habe ihm meine Sichtweise geschildert. Wenn ein Spieler nicht immer spielt, ist doch klar, dass man Gespräche führt."

Dazu ließe sich sagen, dass das gar nicht so klar ist, jedenfalls sitzen andere Spieler, etwa ein Javi Martínez, auf der Bank, ohne dass ein Gespräch mit dem Vorstand bekannt wäre. Karl-Heinz Rummenigge sagte allerdings ziemlich deutlich: "Mats wird gesichert in der Rückrunde bei uns spielen." Dazu passt wiederum ein Tweet von Hummels. Donnerstagmittag feierte er sein 100. Spiel für den FC Bayern und kündigte an, dass es noch sehr viel mehr werden.

Die Personalien Hummels und Hernández passen jedenfalls zumindest theoretisch ganz gut zusammen. Hernández spielt in dieser Saison bei Atlético als linker Innenverteidiger - also auf der Position, auf der Hummels spielt, wenn er mit Niklas Süle das Verteidigerduo bildet. Hernández hat aber eine Grundschnelligkeit, die ihn auch als Außenverteidiger qualifiziert. Auf dieser Position wurde er mit Frankreich Weltmeister und auf dieser Position hat der FC Bayern hinter David Alaba nach dem Verkauf von Juan Bernat eine Lücke. Gute Außenverteidiger gibt es auf der Welt auch nicht allzu viele und gute 22-jährige schon gar nicht. Zum Dementi von Atlético muss man wissen, dass die Ausstiegsklausel-Regelung in Spanien die Klubs in eine relativ schwache Position bringt. Der FC Bayern muss sich in dem Fall mit dem Spieler einigen - und nicht mit dem Verein. Als Neymar vom FC Barcelona zu Paris Saint-Germain wechselte, war der Klub dagegen, konnte aber nichts tun.

Und dann war da noch die Personalie Timo Werner. In einer Branche, die viel in gewissen Codes kommuniziert, wurde Werner fast schon überdeutlich. "Wenn man bei RB Leipzig spielt und in Deutschland bleiben will, gibt es eigentlich nur einen Verein, zu dem man wechseln kann", sagte Werner. Er mache sich jetzt Gedanken und meinte: "Ich habe hier zweieinhalb sehr schöne Jahre gehabt." Nach einem solchen Satz wirkt das nachgeschobene "natürlich ist RB eine Überlegung" eher so mittel glaubhaft. Ralf Rangnick sagte, ihm liege ein neuer unterschriftsreifer Vertrag vor, Werners jetziger Kontrakt läuft bis 2020. Salihamidzic sagte dazu: "Das ehrt uns natürlich, dass jeder Spieler zu Bayern München will." Und dass man im Wintertransferfenster etwas versuchen wolle.

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Übrigens: Dank einer seit diesem Jahr geltenden Regel wären sowohl Hernández als auch Werner in der Champions League spielberechtigt. Die Regel besagt, dass man bis zum 1. Februar drei Spieler ohne Einschränkungen für die Champions League nachmelden kann. Und am 19. Februar spielt der FC Bayern das Achtelfinal-Hinspiel gegen den FC Liverpool.

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