Bayern-Gegner Zagreb:Marionettenspiel um zehn Meisterschaften

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Ein Fan protestiert gegen Dinamo-Präsident Zdravko Mamić - bisher vergeblich. Obwohl derzeit nur auf Kaution frei, führt Mamić die Geschäfte.

(Foto: Giuseppe Cacace/AFP)

Der FC Bayern trifft heute auf einen dubiosen Klub: Bei Dinamo Zagreb herrschen die Brüder Zdravko und Zoran Mamić - deren Erfolge sind umstritten, die Fans protestieren.

Von Tobias Schächter

Als Zdravko und Zoran Mamić am 15. Juli aus der Haft entlassen wurden, eilten sie direkt aus dem Gefängnis ins Maksimir Stadion in Zagreb. Dort spielte gerade Dinamo in der Champions-League-Qualifikation gegen CS Fola Esch aus Luxemburg. Die Bad Blue Boys, die mächtige Fanvereinigung von Dinamo, verließ beim Erscheinen der Brüder das Stadion und boykottiert seitdem wieder die Spiele des kroatischen Serienmeisters. Die Champions-League-Kampagne von Dinamo Zagreb verläuft bislang also ziemlich bizarr.

Zdravko Mamić, 56, Präsident von Dinamo sowie Vizepräsident und Exekutivdirektor im kroatischen Fußballverband (HNS), und sein Bruder Zoran, 43, Trainer und Sportdirektor von Dinamo, sind die mächtigsten Männer des kroatischen Fußballs. Viele Fans in Kroatien werfen ihnen schon lange Veruntreuung von Vereinsgeldern, Bereicherung, Steuerhinterziehung und andere kriminelle Machenschaften vor - seit Anfang Juli tut das auch die Staatsanwaltschaft.

Es geht insgesamt offenbar um rund 15 Millionen Euro, die die Mamićs vor allem bei Transfers von Dinamo-Stars wie Luca Modrić oder Dejan Lovren ins Ausland veruntreut beziehungsweise an den Steuerbehörden vorbeigelenkt haben sollen. Modrić, mittlerweile bei Real Madrid, wurde dazu bereits vernommen.

Auch ein Beamter der Steuerbehörde wurde verhaftet. Außerdem laufen Ermittlungen gegen Damir Vrbanović, den Generaldirektor des HNS. Vrbanović, der ebenso als eine Marionette von Zdravko Mamić gilt wie HNS-Präsident Davor Šuker, ist aber wie die Mamićs gegen Kaution wieder auf freiem Fuß. Einen Termin für ein Gerichtsverfahren gibt es noch nicht. Zdravko Mamić, der ältere der beiden Brüder, gilt als bestens vernetzt bis in die höchsten Kreise der kroatischen Justiz.

All das überschattet den Auftritt von Dinamo Zagreb an diesem Dienstag im Gruppenspiel der Champions League beim FC Bayern. Die Rückkehr der Mamić- Brüder aus dem Gefängnis auf die Trainerbank beziehungsweise den Präsidentensitz ist ein Rückschlag für diejenigen, die nach deren Verhaftung die Hoffnung auf Erneuerung im skandalumtosten kroatischen Fußball hegten.

Keine Niederlage seit 45 Spielen

In der heimischen Liga ist Dinamo, das die letzten zehn Meisterschaften gewann, seit 45 Pflichtspielen ungeschlagen. Doch diese Erfolge werden nicht nur vom Ruch dunkler Machenschaften umweht, sie finden auch in einem trostlosen Rahmen statt. Beim 4:1 am Wochenende gegen NK Osijek kamen nur knapp 500 Zuschauer, viele Menschen haben sich vom Ligafußball abgewandt. Auch die Nationalmannschaft, die um die Teilnahme an der EM in Frankreich bangen muss, liefert durch rassistische Ausfälle auf den Tribünen immer wieder Schlagzeilen. Und auch sie windet sich im Würgegriff des Mamić -Clans.

Im aktuellen Kader von Dinamo stehen neben dem algerischen Nationalspieler El Arbi Hillel Soudani und dem Chilenen Junior Fernandes, der einst in Leverkusen scheiterte, kroatische Talente wie Ante Coric, 18, Marko Pjaca, 20, oder Marko Rog, 20. Man ahnt schon: Wenn sie demnächst ins Ausland gehen, könnte wieder viel Geld den Besitzer wechseln. Ins Gehege mit der Justiz kam Zdravko Mamic auch schon wegen sogenannter "Privatverträge", die er mit mehreren Starspielern abgeschlossen haben soll.

Demnach soll sich Mamic 20 Prozent der Einkünfte bis ans Karriereende der Profis gesichert haben. In einem früheren Verfahren klagte der ehemalige kroatische Nationalspieler Eduardo, einst von Mamic in Brasilien entdeckt und bei Dinamo angestellt, als bislang einziger Profi vor zwei Jahren gegen eine derartige Vereinbarung. Eduardo erklärte damals, er sei bei der Unterschrift des Kroatischen nicht mächtig gewesen.

Zagreb gewann überraschend das erste Gruppenspiel gegen den FC Arsenal 2:1. Es war der erste Sieg für Dinamo in der Gruppenhase der Champions League seit 1999. Zdravko Mamić übrigens feierte diesen Erfolg so ausgelassen, als gebe es die ganzen Anschuldigungen gegen ihn und seinen Bruder nicht. Er scheint nicht viel zu befürchten.

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