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FC Bayern in der Champions League:Pflichtsieg dahoam

FC Bayern München - FC Chelsea

Joshua Kimmich ist neuerdings wieder Rechtsverteidiger. Kann er natürlich auch.

(Foto: dpa)

Beim 4:1 im Achtelfinal-Rückspiel gegen Chelsea spaziert der FC Bayern dem Viertelfinale in Lissabon am Freitag entgegen. Das Team lässt erkennen, warum es als Favorit gehandelt wird.

Aus dem Stadion von Benedikt Warmbrunn

Leroy Sané kam gerade noch rechtzeitig, um den Moment zu erleben, der für den FC Bayern das Weiterkommen sicherte. Sané, Zugang des FC Bayern für die kommende Saison, stand oben an der Treppe von Block 105 in der Münchner Arena, da lief unten auf dem Rasen Robert Lewandowski zum Elfmeterpunkt. Lewandowski nahm nicht den direkten Weg, er trippelte einen kleinen Bogen, dann schoss er den Ball halbhoch ins Netz. Es liefen die ersten Sekunden der zehnten Spielminute an diesem Samstagabend, und dem FC Bayern war der Einzug ins Viertelfinale der Champions League kaum noch zu nehmen. Lewandowski feierte routiniert, und oben auf der Tribüne setzte sich Sané hin. Er sah sich nun 80 Minuten lang an, wie der FC Bayern gemütlich dem Finalturnier der Champions League in Lissabon entgegenspazierte.

4:1 (2:1) gewannen die Münchner ihr Rückspiel im Achtelfinale gegen den FC Chelsea - dass am Samstagabend die Spannung in dieser Paarung schon früh raus war, das lag vor allem daran, dass das Team nach einer Gala-Vorstellung Ende Februar in London mit einem 3:0-Vorsprung in diese Partie gegangen war. Die Spieler konnten es sich also gemütlich machen. Dass die Bayern für die Tage in Lissabon als großer Favorit gehandelt werden, das war auch daran zu erkennen, dass sie sich nach wenigen Phasen der übergroßen Gemütlichkeit selbst wieder zu mehr Engagement disziplinierten.

"Die Mannschaft hat das sehr gut gemacht. Ich bin sehr zufrieden, auch mit dem Ergebnis. Heute habe ich nicht viel auszusetzen", sagte Trainer Hansi Flick nach dem Spiel. Nun wartet Barcelona. "Die Vorfreude ist natürlich riesig, wir fahren mit Selbstvertrauen nach Portugal", sagte David Alaba. "Wenn man sich die letzten Wochen und Monate anschaut, müssen wir uns nicht verstecken."

Flick hatte trotz des Vorsprungs aus dem Hinspiel seine beste Elf aufgeboten - wie schon beim Test acht Tage zuvor gegen Olympique Marseille spielte Joshua Kimmich anstelle des verletzten Benjamin Pavard als Rechtsverteidiger. Kimmichs Platz im Zentrum übernahm erneut Thiago. Den angeschlagenen Flügelstürmer Kingsley Coman ersetzte allerdings nicht der brasilianische Zauberfuß Philippe Coutinho, trotz eines Lobs von Trainer Flick am Tag zuvor ("ist aktuell in einer sehr guten Form und hat auch physisch sehr gut gearbeitet"). Es spielte Ivan Perisic, bei dem niemand betonen muss, dass er physisch unterwegs ist, weil das Physische ganz selbstverständlich zu seinem Spiel gehört. Flick setzte also ganz auf den kraftvollen Fußball, der sein Team bereits zur Meisterschaft und zum Pokalsieg geführt hat.

Chelsea begann dann durchaus forsch, die Gäste attackierten die Bayern früh in ihrem Spielaufbau; in der vierten Minute musste Innenverteidiger Jérôme Boateng sogar einmal sprinten, weil Mason Mount ihn tatsächlich sogar beim Rückpass stören wollte. Er war schnell genug, die Gefahr war gebannt, bevor sie überhaupt erst eine Gefahr geworden war.

Chelsea darf einmal kurz hoffen, weil Manuel Neuer patzt

Das Problem an diesem Abend für den FC Chelsea war, dass die Bayern im August 2020 nicht nur mit robusten Körpern antreten. Sondern dass sie auch flüssig, fast schon intuitiv kombinieren. Zum Beispiel in der siebten Minute.

Thiago spielte zu Serge Gnabry, der passte weiter zu Lewandowski, alles in Windeseile, und schon der Angreifer frei im Strafraum. Chelseas Torwart Willy Caballero stoppte ihn allein, indem er ihn etwas zu physisch attackierte - Elfmeter. Lewandowski lief einen kleinen Bogen, dann nahm er dem Spiel die letzte Spannung.

Die gierigen, griffigen Bayern aber ließen sich von diesem Ergebnis erst einmal nicht bremsen, sie spielten weiter geradlinig nach vorne. In der 24. Minute eroberte Thomas Müller den Ball, er passte zu Lewandowski. Der Angreifer verzögerte und verzögerte und verzögerte, dann war Perisic in den Strafraum der Gäste gesprintet, Lewandowski passte, Perisic traf. Nun ließen es selbst diese gierigen, griffigen Bayern etwas gemütlicher angehen.

Dass Chelsea zumindest vorübergehend so etwas wie Hoffnung verspüren durfte, das lag daran, dass der sonst so zuverlässige Kapitän Manuel Neuer kurz vor der Pause patzte. Emerson flankte in den Fünfmeterraum, Torwart Neuer konnte den Ball nicht festhalten, er patschte ihn nach vorne - dort wartete Tammy Abraham, er traf (44.). Nach der Pause machte Chelsea dann auch entsprechend engagiert weiter, in der 49. Minute schoss Mount aus spitzem Winkel aufs Münchner Tor. Dieses Mal hielt Neuer den Ball fest. Eine Minute später rettete Thiago in höchster Not mit einer Grätsche im eigenen Strafraum.

Dann ermahnten sich die Bayern gegenseitig, Abwehrchef David Alaba wurde sehr laut. Und schon ließen sie es mit der Gemütlichkeit auch wieder gut sein. Die Bayern kontrollierten nun die Partie, sie spielten kraftvoller, sie passten flüssig und intuitiv, und hätte Thomas Müller nicht freistehend vor dem Tor den Ball nicht richtig getroffen, hätten sie auch früher wieder das Ergebnis des Abends kontrolliert (61.).

Flick coachte dann die letzte halbe Stunde schon mit Blick auf das Viertelfinale nächsten Freitag in Lissabon gegen Barcelona. Er nahm den angeschlagenen Boateng raus, er nahm Kimmich und Thiago raus, die beide nach einer gelben Karte gesperrt gewesen wären. Den Bayern nahm das nichts von ihrer Selbstverständlichkeit: Der eingewechselte Corentin Tolisso traf nach einer Flanke von Lewandowski (76.). Und Lewandowski traf nach einer Flanke des eingewechselten Álvaro Odriozola (84.).

An diesem Sonntag fliegen die Bayern nach Portugal. Sie fliegen nach diesem mühelosen Spaziergang weiterhin als großer Favorit auf den Titel.

© SZ/jbe
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