Robin Gosens:Transfer nur für eine Nacht

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Robin Gosens: Auf der Suche nach Spielpraxis: Robin Gosens, derzeit in erster Linie Ersatzspieler bei Inter Mailand, möchte sich für einen Stammplatz bei der WM in Katar empfehlen.

Auf der Suche nach Spielpraxis: Robin Gosens, derzeit in erster Linie Ersatzspieler bei Inter Mailand, möchte sich für einen Stammplatz bei der WM in Katar empfehlen.

(Foto: Sven Hoppe/dpa)

Wie sich Robin Gosens' Umzug nach Leverkusen zerschlug - und was das über Bayers Personalplanungen des Sommers erzählt.

Von Philipp Selldorf, Leverkusen

Mancher Anhänger von Bayer Leverkusen ist in der Nacht zu Mittwoch möglicherweise in freudiger Erwartung eingeschlafen. Der Klub stand gemäß verschiedenen Medienberichten aus Italien und Deutschland kurz davor, den Nationalspieler Robin Gosens, 28, in die Stadt zu holen. Die ständigen Korrespondenten an der Transferbörse twitterten bereits vom nahenden Geschäftsabschluss und nannten die dazugehörigen Zahlen: Aktuell sollten zwei Millionen Euro Leihgebühr für den Rechteinhaber Inter Mailand anfallen, im kommenden Sommer sollte dann eine Kaufverpflichtung in Höhe von 25 Millionen Euro in Kraft treten.

Bei Bayer 04 klang die Geschichte am nächsten Tag etwas anders. Ja, Gosens sei ein Spieler, der gut zum Team passen könnte, aber die Perspektive einer möglichen Allianz sei ungewiss: "Mehrgleisig" müsse man auf den letzten Metern der Wechselperiode fahren. Nicht viel später war der Zug aus Mailand bereits offiziell storniert, nachdem Sportdirektor Simon Rolfes dem Kölner Stadt-Anzeiger mitgeteilt hatte: "Es gibt kein Angebot von Bayer, und es gibt keine Absicht, ihn zu kaufen."

Der Wortlaut lässt erkennen, dass die ständigen Korrespondenten nicht ganz falschlagen mit der Gosens-Nummer, dass sie aber in konkurrenzbedingter Eile wieder mal schneller den Geschäftsabschluss verkündeten, als die Beteiligten verhandeln konnten. Bayer hatte offenbar tatsächlich Interesse daran, Gosens auszuleihen, und der Spieler hat das Interesse offenbar auch erwidert: Gosens möchte sich für einen Stammplatz bei der nahenden WM in Katar empfehlen, was ihm kaum gelingen wird, wenn er bei Inter Mailand weiterhin vorwiegend als Ersatzspieler fungiert.

Einen Transfer dieser Dimension kann sich Bayer derzeit nicht leisten

Doch die kostenschwere Übernahmeforderung der Italiener mochte Bayer 04 nicht erfüllen. Im Januar hatte Inter den deutschen Linksaußen mit 25 Millionen Euro bei Atalanta Bergamo ausgelöst, die Verbindung hat sich aber für beide Seiten sportlich nicht rentiert (was auch an einer langwierigen Verletzung des Nationalspielers lag). Es sieht so aus, als ob die Mailänder nicht abgeneigt wären, den Handel rückgängig zu machen, indem sie Gosens gleich wieder verkaufen.

Einen Transfer dieser Dimension kann sich Bayer zurzeit aber nicht leisten, die Personalplanungen des Sommers sind nicht aufgegangen. Zu viele teure Spieler, die der Klub bereitwillig oder auch gern abgegeben hätte, belasten den Etat: die niederländischen Linksverteidiger Daley Sinkgraven, 27, und Mitchel Bakker, 22, gehören dazu, Mittfeldspieler Nadiem Amiri, 25, und der brasilianische Offensivmann Paulinho, 22. Zu viel Kapital ist in diesen Vertragsverhältnissen gebunden, die Bayer AG, zuletzt ein großzügiger Finanzier, setzt Grenzen. Dass sich die betroffenen Profis in letzter Sekunde doch noch einem anderen Klub anschließen könnten, wird in Leverkusen skeptisch beurteilt.

Der Offensivverteidiger Gosens hätte den just vom FC Chelsea gemieteten Angreifer und englischen Jungnationalspieler Callum Hudson-Odoi, 21, unterstützen und die zuletzt unergiebige linke Seite beleben können. Doch während Hudson-Odoi per Sonderklausel schon im Winter vom FC Chelsea zurückbeordert werden könnte, blieb Gosens lediglich eine Nacht, und dies auch nur in den Träumen der Bayer-Anhänger.

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