Barcelona in der Champions League Messi holt sich eine blutige Nase

Lionel Messi (l.) legte erst ein Tor vor und holte sich dann eine blutige Nase.

(Foto: AFP)
  • Nach der Heimniederlage gegen Barcelona fährt Manchester United im Champions-League-Viertelfinale als Außenseiter ins Rückspiel.
  • Im Achtelfinale gegen Paris hat das Team jedoch bereits gezeigt, wie gut ihm diese Rolle liegt.
  • Der 1999er-Held Ole Gunnar Solskjaer soll als Trainer sein persönliches "Déjà-Nou" schaffen.
Von Sven Haist, Manchester

Das Ergebnis schien Ole Gunnar Solskjaer nicht zu beunruhigen. In der Nachspielzeit versuchten die Spieler bei Manchester United an den Ball zu kommen, um über einen finalen Angriff noch zum Ausgleich zu gelangen. Aber die Handbewegungen des norwegischen Trainers hielten die eigene Mannschaft zurück. Offensichtlich hatte Solskjaer am Mittwochabend für sich die Abwägung getroffen, lieber auf ein Tor zu verzichten als das Risiko einzugehen, einen zweiten Treffer gegen den FC Barcelona zu kassieren. Die Katalanen nahmen das suggerierte Angebot des englischen Rekordmeisters an und passten sich den Ball so lange zu, bis die Begegnung abgepfiffen war.

Uniteds konservatives Vorgehen ist eigentlich verpönt unter den Fans im heimischen Old Trafford, die ihre Spieler stets attackieren sehen wollen. Aber im Gegensatz zum im Dezember geschassten Vorgänger José Mourinho, der den Unmut über seinen nicht gerade nach vorne ausgerichteten Spielstil zu spüren bekam, wurde Solskjaer dafür sogar mit Applaus bedacht. Weil die Leute insgeheim darauf vertrauen, dass keiner im Fußball besser weiß, die Geduld zu bewahren und mit der Zeit zu spielen als der ehemalige Angreifer, dessen einzigartige Gabe quasi Tore auf den allerletzten Drücker waren.

"Der Sieg in Paris gibt uns die Hoffnung"

Auf dem Weg ins Halbfinale der Champions League war es Manchester United dem Eindruck nach nicht ganz unrecht, das Hinspiel im Viertelfinale mit 0:1 knapp verloren zu haben - so wie es dem FC Barcelona offensichtlich ganz recht war, mit diesem knappen 1:0 ins Rückspiel gehen zu können. Die Niederlage durch ein Eigentor des Linksverteidigers Luke Shaw (12.) bringt United den für das unerfahrene Team nicht zu unterschätzenden Vorteil, im Camp Nou in der Rolle des krassen Außenseiters spielen zu können.

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Auf diese Weise hat der Tabellensechste der Premier League in der vorherigen Runde im Duell mit Paris Saint-Germain aufgrund der Auswärtstorregel schon ein 0:2 durch ein 3:1 wettgemacht. "Der Sieg in Paris gibt uns die Hoffnung und den Glauben, dass wir es schaffen können", sagte Solskjaer: "Wir wissen jedoch, dass es noch schwieriger wird, weil Barcelona zuhause nicht oft verliert." In dieser Saison gewann allein Real Betis vor fünf Monaten mit 4:3 bei den Katalanen.

Ein neuerlicher Coup dürfte trotzdem schwierig werden: Erstmals seit dem 0:1 gegen den AC Mailand vor 14 Jahren blieb United am Mittwoch in der Königsklasse ohne Schuss aufs Tor. Der Qualitätsunterschied der beiden Vereine wurde am offensichtlichsten, als Manchester nach dem Rückstand gezwungen war, selbst ein strukturiertes Offensivspiel zu präsentieren. In den fünf Champions-League-Heimspielen der Saison gelang dem dreimaligen Europapokalsieger lediglich ein Tor durch Marouane Fellaini in der Nachspielzeit gegen Young Boys Bern in der Vorrunde.

Barcelona schont früh Ressourcen

Die Eindeutigkeit der Auseinandersetzung nutzte Barcelona, um Ressourcen zu schonen. Frühzeitig meldete sich das Dreigespann im Angriff um Lionel Messi ab, nachdem eine Aktion der Sonderklasse für den Siegtreffer gereicht hatte. Durch eine Körpertäuschung lockte Messi seine Gegenspieler nach vorne, um dann mit einem abrupten Richtungswechsel hinter die Abwehr zu starten. Den von Sergio Busquets in den Strafraum gelupften Pass leitete Messi (natürlich ohne hingucken zu müssen) auf Luis Suarez weiter, dessen abgefälschter Kopfball als Eigentor gewertet wurde. Entsprechend wartet der uruguayische Stürmer seit 1303 Tagen (oder 1601 Spielminuten) weiter auf ein Auswärtstor im Wettbewerb. Als Gabe für die Ausnahmeeingebung bei der Treffer-Entstehung bekam Messi später im Gerangel den Ellbogen seines Gegenspielers Chris Smalling ins Gesicht, der ihm eine blutige Nase einbrachte: "Bloody Messi" - verdammter/blutiger Messi -, titelte die Sun.

"Wir haben viel zu viel Respekt gezeigt", sagte United-Mittelfeldmann Scott McTominay, "aber schreibt uns nicht ab. Wir sind Manchester United!" Nach vier Niederlagen aus den vergangenen fünf Pflichtspielen ist Ole Gunnar Solskjaer gezwungen, den schnellen, furchtlosen Fußball zu Beginn seiner Amtszeit um eine Facette zu erweitern. Für das Wiedersehen mit Barcelona am Dienstag bleibt ihm aufgrund der Kürze der Zeit wohl nichts anderes übrig als auf sein persönliches "Déjà-Nou zu hoffen. Im Mai jährt sich zum 20. Mal der ewig unvergessliche Finalsieg der Red Devils über den FC Bayern im Camp Nou zu Barcelona. Durch zwei Tore in der Nachspielzeit - darunter Solskjaers berühmtes Last-Second-Siegtor - gewannen die Red Devils trotz Rückstand mit 2:1. Und genau dieses Ergebnis würde Manchester United zum Weiterkommen gegen Barcelona reichen.

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