Badminton:Guter Start mit vier Niederlagen

Misha Zilberman

Zum Saisonstart in starker Form: Neuhausens israelischer Spitzenspieler Misha Zilberman.

(Foto: Anke Lütticke/oh)

Weil der Erstligist Neuhausen-Nymphenburg zweimal nur knapp verlor, hat er zwei Punkte und steht auf dem Relegationsplatz - so gut wie seit Jahren nicht mehr.

Von Sebastian Hepp

Badminton gilt als die schnellste Ballsportart der Welt. Der Schlagabtausch der Spielerinnen und Spieler am Netz gleicht manchmal einem wahren Trommelfeuer, bei Smashs von Profis werden oft Geschwindigkeiten von mehr als 300 Stundenkilometern erreicht. Und doch findet der israelische Spitzenspieler Misha Zilberman, bereits seit vier Jahren in Diensten des Erstligisten TSV Neuhausen-Nymphenburg, immer mal wieder Zeit für ein Kabinettstückchen.

So machte er in der Spitzenpartie gegen den Dänen Mads Christophersen vom 1. BC Saarbrücken-Bischmisheim im zweiten Satz eine Drehung um die eigene Achse, bevor er den Federball dann plötzlich hinter dem Rücken quasi als verdeckte Rückhand retournierte. Der Kunstschlag verzückte die Fans, auch wenn der Punkt schließlich an Christophersen ging. Am Ende aber siegte der Israeli beim ersten Heimspiel des TSV klar mit 11:8, 11:7 und 11:6. Gereicht hat es trotz Zilbermans starkem Auftritt nicht, letztlich behielt der vielfache deutsche Meister Bischmisheim knapp mit 4:3 die Oberhand.

Obwohl auch die Slowenin Kaja Stankovic und Zugang Kati-Kreet Marran, 23, aus Estland mit starken Leistungen überzeugt hatten. Stankovic bezwang die in der ersten Bundesliga lange Zeit ungeschlagene Indonesierin Priskila Siahaya in drei klaren Sätzen. Und Marran, die in der Doppelweltrangliste auf Position 44 geführt wird, kam an der Seite von Annabella Jäger zu einem Viersatzerfolg gegen Siahaya/Kieffer. Was Neuhausens Teamchef Philipp Blonck fast noch mehr freute als die überzeugende Vorstellung seiner Matchwinner war das knappe 3:4, das den Münchnern immerhin einen Punkt einbrachte. Im zweiten Spiel des Wochenendes setzte es indes ein deftiges 1:6 gegen den starken SV Fun-Ball Dortelweil.

Nun stehen vier Niederlagen für den TSV zu Buche, weil er am ersten Spielwochenende bei Blau Weiß Wittorf klar mit 2:5 unterlegen war, tags darauf verlor Neuhausen in Trittau 3:4 - was ebenfalls einen Punkt einbrachte. Wobei Neuhausens zweiter Zugang, der irische Nationalspieler Paul Reynolds, 22, an der Seite von Tobias Wadenka mit einem Viersatzsieg im ersten Herrendoppel überzeugt hatte.

Wegen der abgebrochenen Vorsaison hat der Klub noch ein finanzielles Polster

Das klingt mager, bedeutet im Vergleich zu den Vorjahren aber einen deutlich besseren Start in die Hinrunde, die den TSV vom bislang üblichen letzten Tabellenplatz immerhin auf den neunten Rang im Elfer-Feld befördert hat - den Relegationsplatz. "Wir sind jetzt breiter aufgestellt als in den Jahren zuvor", sagt Blonck und verweist darauf, dass bei insgesamt drei Zugängen (der TSV verpflichtete noch den malaysischen Einzelspezialisten Yeoh Seng Zoe) keine Weggänge der bisherigen Stammspieler zu kompensieren gewesen seien. Da stellt sich natürlich die Frage, wie der TSV die Aufstockung seines mit zahlreichen Profis besetzten Kaders finanziell noch stemmen kann. "Da nicht alle gleichzeitig zum Einsatz kommen und unsere Spielerinnen und Spieler nur pro Einsatz bezahlt werden, haben wir unseren Etat nicht erweitern und uns auch nicht verschulden müssen", erläutert Blonck. Auf die Unterstützung seitens des Hauptvereins und kleinerer Sponsoren könne das Erstligateam auch weiterhin bauen: "Ins Risiko zu gehen und sich zu verschulden, ist für uns keine Option", führt der Teammanager weiter aus. Außerdem habe man von der wegen der Corona-Krise frühzeitig abgebrochenen vergangenen Saison noch ein finanzielles Polster, das man aufbrauchen könne.

Dass Neuhausens zweite Garnitur in die zweite Bundesliga aufgestiegen ist, hat den TSV-Etat nach Bloncks Worten ebenfalls nicht strapaziert: "Dieser Kader besteht im Wesentlichen aus Nachwuchsspielern, die noch in der Ausbildung sind, und aus einzelnen erfahrenen Kräften, die schon länger im Berufsleben stehen." Um das Auskommen seiner Erstligaprofis muss er sich ohnehin nicht sorgen. Der Pole Przemyslaw Szydlowski und die Ukrainerin Natascha Voytsekh sind auch noch in Ligen ihrer Heimatländer aktiv, und Paul Reynolds spielt neben seinem Engagement in München in der dänischen Liga.

© SZ/toe/sewi
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