Augsburgs 3:3 gegen Leipzig:Übers Ziel hinaus gerempelt

Lesezeit: 3 min

Augsburgs 3:3 gegen Leipzig: "Das ist der einzige Grund, warum wir das Spiel nicht gewinnen": Iago (links) foult Xaver Schlager und sieht für den dann folgenden Schubser von Schiedsrichter Robert Schröder in Summe Gelb-Rot. Zu dem Zeitpunkt führt der FCA noch 3:0...

"Das ist der einzige Grund, warum wir das Spiel nicht gewinnen": Iago (links) foult Xaver Schlager und sieht für den dann folgenden Schubser von Schiedsrichter Robert Schröder in Summe Gelb-Rot. Zu dem Zeitpunkt führt der FCA noch 3:0...

(Foto: Michaela Merk/Imago)

Nach dem Platzverweis für Iago verspielt der FCA eine 3:0-Führung und will sich von der Kühle und Cleverness der Leipziger etwas abschauen - RB fühlt sich moralisch gestärkt für Champions-League-Gegner Real Madrid.

Von Maik Rosner, Augsburg

Als Marco Rose hinterher darüber sprach, dass die erfolgreiche Aufholjagd vor dem Spiel am Dienstag in der Champions League gegen Real Madrid bestärkend gewesen sei, erging es dem Trainer von RB Leipzig wie zuvor den Augsburgern. Er stockte und kam völlig aus dem Fluss, weil er seinem Kollegen Enrico Maaßen einen Seitenhieb gegeben hatte. Der Augsburger Trainer hatte darauf hingewiesen, dass Leipzig nach dem Pokalspiel einen Tag länger regenerieren konnte. Rose griff diese Anmerkung süffisant auf und brachte sich damit vom eigentlichen Gedanken ab. Er rang plötzlich nach Worten. "Jetzt habe ich den Faden verloren", sagte Rose und musste selbst über sich und seine kontraproduktive Stichelei lachen.

Sein kleines Malheur auf der Pressekonferenz fügte sich ins Bild der großen Lehre des 3:3 (1:0) zwischen Augsburg und Leipzig. Nur mit dem Unterschied, dass sich während des Spiels Augsburgs Linksverteidiger Iago zu einer Aktion hinreißen lassen hatte, die gegen Leipzigs Mittelfeldspieler Xaver Schlager gerichtet war, aber vor allem Iago und dem FCA schadete. In rekordverdächtiger Geschwindigkeit hatte sich Iago die gelb-rote Karte eingehandelt (66.). Zunächst unterband er einen Konter mit einem taktischen Foul gegen Schlager. Der Österreicher sprang erbost auf, Iago gab ihm geschätzte zwei Sekunden später noch einen Bodycheck. Beide Aktionen wurden von Schiedsrichter Robert Schröder jeweils mit Gelb geahndet, in Summe also mit Gelb-Rot. "Saublöd, saudumm. Das ist der einzige Grund, warum wir das Spiel nicht gewinnen", schimpfte Iagos Kollege Florian Niederlechner, "es ist eine Aktion, die darf einfach nicht vorkommen in einem Bundesligaspiel."

Es war Konsens beim FCA, dass Iagos Platzverweis vermeidbar gewesen war und zudem der Kipppunkt des wilden Spiels, das als Augsburger Allerlei daherkam. Tatsächlich hatten die Gastgeber bis dahin verdient geführt, wenngleich mit 3:0 zu hoch. Drei Standardtore hatten sie erzielt. Zunächst traf der erneut herausragende Angreifer Mergim Berisha per Foulelfmeter (34.). Später bereitete er mit einer Ecke den Kopfball des Sturmkollegen Ermedin Demirovic zum 2:0 (51.) vor und mit einem Freistoß den Rechtsschuss von Flügelspieler Ruben Vargas zum 3:0 (64.).

Rose gratuliert dem Augsburger Trainer Maaßen, "dass hier jetzt ein Fußball gespielt wird, mit dem man sich identifizieren kann"

Die Augsburger hatten es geschafft, die Leipziger zu entnerven mit ihrer rustikalen und giftigen Spielweise. Beliebt machen sich die Augsburger damit nicht in der Bundesliga. Vor allem nicht bei fein veranlagten Fußballern wie den Leipzigern, die es gar nicht mögen, wenn sie permanent von einer rauflustigen Horde in den Nahkampf gezwungen werden. Andererseits ist beachtlich, wie gut abgestimmt das Dauerpressing des FCA-Kollektivs funktioniert und auch begabtere Mannschaften in die Bredouille bringt. Leipzigs Linksverteidiger David Raum sprach etwas despektierlich davon, sie hätten gewusst, dass "vielleicht noch nicht einmal ein richtiges Fußballspiel" auf sie zukomme. Rose betrachtete es mit der Anerkennung eines Fußballlehrers. "Glückwunsch zur Entwicklung dieses unangenehmen Spielstils", sagte Rose diesmal frei von Ironie zu Maaßen. "Es freut mich für Augsburg, dass jetzt hier ein Fußball gespielt wird, mit dem man sich identifizieren kann." Also mit einem Stil, in dem "Power, Wucht, Feuer drin ist, Torchancen in alle Richtungen".

Nach Iagos Platzverweis hatten die Augsburger jedoch ihre Linie verloren. Zunächst schob André Silva zum 3:1 ein (72.), später führten die eingewechselten Christopher Nkunku mit einem direkt verwandelten Freistoß (89.) und Hugo Novoa per Abstauber (90.) den 3:3-Endstand herbei. Man nehme für das Spiel gegen Real mit, "dass wir zurückkommen können", sagte Rose, "das sollte uns bei allem, was wir besser machen müssen, für die nächsten Tage ein bisschen Energie geben." Bestenfalls aus Leipziger Sicht könnte mit einem Sieg gegen Madrid der vorzeitige Einzug ins Achtelfinale gelingen. Das wäre der Fall, wenn zudem Donezk bei Celtic Glasgow verlieren sollte.

Die Augsburger können sich von den Leipzigern jene Kühle und Cleverness abschauen, mit der diese noch den Punktgewinn erreichten. Mit Führungen müsse man "schlauer" umgehen und diese "besser verteidigen", sagte Maaßen. "Abgeklärt" und "cool" zu sein, "das ist etwas, was wir daraus lernen müssen", ergänzte Manager Stefan Reuter. Ein 3:0 zu verspielen, "das darf niemals passieren", befand auch Jeffrey Gouweleeuw. Dennoch sehen sie sich übergeordnet beim FCA "auf einem richtig guten Weg", wie es der Kapitän ausdrückte, "die Art und Weise ist sehr gut." Hohe Beliebtheitswerte haben sie sich ja nicht zum Ziel gesetzt.

Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema