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FC Augsburg:Aus nach dem Schulterklopfer

Nach Spielende: Trainer Coach Martin Schmidt FC Augsburg FCA Gestik, Geste bedankt sich bei Fans Zuschauern FC Bayern M

Ein letzter Gruß: Martin Schmidt beim Dank in die FCA-Fankurve nach dem Spiel in München am Sonntag - tags darauf hat sich der Verein von ihm getrennt.

(Foto: Michael Weber/imago)
  • Der FC Augsburg, 14. der Fußball-Bundesliga, stellt Trainer Martin Schmidt frei - "aufgrund der Bilanz von lediglich vier Punkten aus neun Begegnungen", wie Sportgeschäftsführer Stefan Reuther mitteilte.
  • Der Entschluss überrascht. Doch schon beim Spiel am Sonntag gegen den FC Bayern hatte Reuter die Auswechselbank ohne Handschlag verlassen.
  • Gegen Schmidt sprachen viele hohe Niederlagen. Ihm wurde aber auch zum Verhängnis, dass einige Zugänge den Kader nicht wie erhofft verstärkten.

Am Sonntagabend ging der Trainer Martin Schmidt noch recht zufrieden nach Hause, "mit einem kleinen Lob", einem "Schulterklopfer" und "ein wenig Rückenwind". So sagte er es jedenfalls in der Pressekonferenz nach dem 0:2 des FC Augsburg beim FC Bayern. Zwar handelte es sich dabei um die dritte Niederlage in Serie, und der letzte Augsburger Sieg in der Bundesliga liegt inzwischen mehr als einen Monat zurück. Doch dass es mit einem Erfolg beim deutschen Meister klappt, damit hatte wohl niemand gerechnet. Und so nutzte Schmidt eine seiner liebsten Metaphern, um die kommenden Herausforderungen zu beschreiben: Nun stünden die Spiele an, "wo wir den Fuß reinkriegen werden und auch müssen".

Den Fuß reinkriegen, zu bremsen, also alles zu versuchen, um wieder Erfolg zu haben, das haben sie beim FC Augsburg allerdings etwas anders interpretiert als Schmidt. Seit Montag ist er nicht mehr Trainer, sondern freigestellt. "Aufgrund der Bilanz von lediglich vier Punkten aus neun Begegnungen sind wir zu der Überzeugung gekommen, auf der Trainerposition eine Veränderung vorzunehmen", wird Sportgeschäftsführer Stefan Reuter in einer Mitteilung des Klubs zitiert. Das Ziel Klassenerhalt sei gefährdet.

In München hatte der FCA, aktuell Vierzehnter und Letzter der Rückrundentabelle, allerdings nicht unbedingt wie eine Mannschaft gewirkt, die sich im freien Fall auf die zweite Liga zubewegt. In der Schlussphase hatte Stürmer Florian Niederlechner gar die große Chance zum 1:1 vergeben. Hinterher sagte er, dass der Matchplan genau aufgegangen wäre, hätte er das Tor geschossen. Und auch Schmidts Entschluss, den bisherigen Stammtorhüter Tomas Koubek, der in 23 Spielen 49 Gegentore kassierte und so gut wie nie wie ein sicherer Rückhalt wirkte, für den Ersatzmann Andreas Luthe auf die Bank zu setzen, schien sich zu bewähren. "Es war ein gutes Auswärtsspiel", sagte Luthe, dem in München kein Fehler unterlief.

Schmidt hatte den FC Augsburg vor elf Monaten in einer ähnlichen Situation übernommen, in der er sich gerade befindet

Doch es gab auch am Sonntag schon Anzeichen, die im Rückblick zum überraschenden Entschluss vom Montag passen. Geschäftsführer Reuter verließ die Auswechselbank offenbar ohne Handschlag mit Schmidt. Die Kommunikation zwischen den beiden, so wirkte es in den vergangenen Wochen, war nicht immer einfach. Nach dem Spiel sagte Reuter: "Ich werde mich nie mit Niederlagen zufrieden geben, weil ich glaube, dass mit ein bisschen mehr Überzeugung durchaus ein Punkt drin gewesen wäre." Die Situation des Klubs nannte er "bedenklich". Schmidt hatte die Mannschaft vor elf Monaten in einer ähnlichen Situation übernommen, in der sie sich gerade befindet. Auch damals hatte Augsburg dreimal in Serie verloren und bewegte sich auf die Abstiegsränge zu, aber es benötigte nur einen Stimmungswandel unter Schmidt, um mit zwei überzeugenden Siegen in Serie die Abstiegsgefahr wieder abzuwenden.

"Ich hoffe, dass ich ein paar Spuren hinterlassen konnte, auch wenn die Punkte auf dem Platz letztlich fehlten", so wird Schmidt in der Klub-Mitteilung vom Montagnachmittag zitiert. Eine fußballerische Entwicklung der Mannschaft war tatsächlich eher nicht ersichtlich, sie spielte meist den sowohl für Augsburg als auch für den Schweizer Trainer typischen Stil mit wenig Ballbesitz, oft auch mit schwachen Passquoten, dafür meist aggressiv und effektiv im Umschaltspiel. Nach einem schlechten Saisonstart gelang dem Team so in der zweiten Hälfte der Hinrunde eine Serie von fünf Siegen in sechs Spielen, davon zehrt der FCA noch immer. Der Vorsprung auf den Relegationsplatz beträgt fünf Punkte.

Die Spieler klangen in den vergangenen Tagen so, als würden sie daran glauben, in der Rückrunde eine ähnliche Serie hinlegen zu können. In der Hinrunde war es auch das Duell mit dem FC Bayern gewesen, das die Wende eingeleitet hatte. Danach hatte der FCA bis zur Winterpause nur noch zweimal verloren. Die anstehenden Spiele sind fast allesamt solche gegen Mannschaften unterhalb der Spitzengruppe. "Jetzt ist das Scheißprogramm rum, jetzt kommen die wichtigen Dinger", so hatte es Niederlechner formuliert.

Was gegen Schmidt sprach, waren hohe Niederlagen, in denen die Mannschaft sich zwischenzeitlich aufzugeben schien. Schon in der vergangenen Saison verlor der FCA das bedeutungslose letzte Spiel beim VfL Wolfsburg 1:8, in dieser Saison bekam Augsburg insgesamt viermal fünf Gegentore. Dem Trainer wurde allerdings auch zum Verhängnis, dass der Kader im Sommer erst spät zusammengestellt wurde und Zugänge wie Torwart Koubek, nicht Schmidts Wunschspieler, oder Rechtsverteidiger Stephan Lichtsteiner das Team bislang nicht wie erhofft verstärkten.

Stefan Reuter, als Geschäftsführer auch für den Kader verantwortlich, wollte nach der Beurlaubung von Schmidts Vorgänger Manuel Baum im vergangenen Jahr eigentlich die für Augsburg früher mal typische Kontinuität wiederherstellen. Nun muss er zum vierten Mal einen neuen Trainer einstellen.

© SZ vom 10.03.2020/chge
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